Die Europäische Union muss sich gesundschrumpfen.

Ein Kommentar von Lothar Leuschen.
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Michaelis, Judith

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Alle Menschen werden Brüder, alle Starken ziehen an einem Strang, an dessen Ende die Schwachen hängen und das Tal des Elends verlassen. Soweit das Ideal. So hätte die Europäische Union vielleicht einmal sein sollen. Schöner Traum. Aber die Realität ist eine andere. Zwar schaffen es Schuldenstaaten wie Griechenland und Portugal dank der EU-Hilfen offenbar tatsächlich, ihrem weitgehend selbst verschuldeten Alptraum zu entkommen. Aber Brüderlichkeit wollte und will sich in Europa dennoch nicht so recht breitmachen.

Großbritanniens Ministerpräsident David Cameron ist dieser Tage der Buhmann der Union. Er droht, die EU zu sprengen. Denn schon melden sich in Italien konservative Kräfte zu Wort, die über die Zugehörigkeit ihrer Nation zur Europäischen Union abstimmen lassen wollen. In Spanien haben sie es noch ein paar Nummern kleiner. Dort strebt Katalonien nach Unabhängigkeit und hat schon die rechtlich zweite Stufe der Freiheitsrakete gezündet. Ganz zu schweigen von Schottland, das sich möglicherweise aus dem britischen Verbund lösen will. Camerons Spaltereigedanken sind also nur die Spitze des Eisbergs. Die EU droht daran zu zerschellen.

Doch wie schlimm wäre das eigentlich? Ist die Staatengemeinschaft ohne Großbritannien, ohne Italien und womöglich ohne den neuen Kleinstaat Katalonien am Ende? Nein, ist sie nicht. Abgesehen davon, dass selbst Cameron in seiner Heimat derzeit keine Mehrheit für den Austritt aus der EU fände, wäre die Union vielleicht gut beraten, aus dem jahrzehntelangen britischen Egoismusexzess die Konsequenz zu ziehen und sich gesundzuschrumpfen.

Das gäbe überschuldeten Staaten wie Griechenland und Portugal oder solchen mit noch geringerer Wirtschaftsleistung wie Bulgarien und Rumänien die Chance, sich außerhalb der EU, aber mit deren Hilfe vorzubereiten, um zum richtigen Zeitpunkt in die Union zurückzukehren.

Europa sollte sich derweil auf jene beschränken, die auch Einigkeit wollen und nicht nur Profit. Das könnte einen Prozess in Gang setzen, an dessen Ende in absehbarer Zeit ein funktionierender europäischer Staat mit vielen Nationalitäten steht, der nach den Regeln der Vernunft wachsen kann. Ob mit oder ohne Briten, ist egal.

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