Die spannende und kuriose Wahl von Hannover.

Ein Kommentar von Martin Vogler.
Ein Kommentar von Martin Vogler.

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Schaller, Bernd (bes)

Ein Kommentar von Martin Vogler.

Spannender als Sonntagabend geht es nicht. Doch wegen des knappen Ergebnisses können sich weder das schwarz-gelbe noch das rot-grüne Lager wirklich freuen. Wobei sich – neben den Grünen – vor allem die CDU mit Ministerpräsident McAllister wie ein klarer Sieger gebärdete, obwohl sie gegenüber der Wahl vor fünf Jahren deutlich verloren hat. Allein die Aufholjagd der vergangenen Wochen gegenüber miesen Umfragen gibt dafür den Anlass. Das ist paradox.

Die wahre Sensation der Wahl ist gelb. Da zerlegt sich die FDP monatelang selbst, versteckt wirkungsvoll ihre fachliche Kompetenz und schafft doch das Wunder von Hannover. Prognosen sahen die Liberalen bei drei Prozent, jetzt kratzen sie sogar an der Zehn-Prozent-Marke. Doch weil das überraschende Ergebnis nur dank Leihstimmen der CDU entstand, können sich weder die Partei noch der nur scheinbar gestärkte Vorsitzende Philipp Rösler entspannt zurücklehnen.

Die teilweise üble interne Hatz auf Rösler wird erstmal ausgesetzt werden. Die FDP hat in Hannover schließlich sogar ein noch besseres Ergebnisse als in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein eingefahren. Doch langfristig wird das Rösler nicht helfen. Und die FDP muss sich fragen, ob es wirklich ein tragfähiges Zukunftskonzept ist, vor allem Anhängsel der Union zu sein.

Für einen anderen umstrittenen Politiker, den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, bringt das Ergebnis nicht so viel Auftrieb, aber etwas Ruhe. Er brachte, was er am Sonntag sogar zugab, Spitzenkandidat Stephan Weil keinen Rückenwind. Im Gegenteil. Deshalb hätte ein katastrophales SPD-Ergebnis die Steinbrück-Bewerbung ins Wanken gebracht. Jetzt ist die Not der Genossen nicht mehr so riesig, dass sie laut nach einem neuen Kanzler-Bewerber rufen müssen. Einen Wechsel kann es womöglich nur noch geben, falls Steinbrück von sich aus zurückzieht.

Angesichts des spannenden Kopf-an-Kopf-Rennens bleiben drei für die Demokratie positive Aspekte im Schatten: Die Wahlbeteiligung war besser als vor fünf Jahren. Und sowohl Linke als auch Piraten hatten keine Chance, ins Parlament zu kommen. Die Linkspartei scheint in den alten Bundesländern in die Bedeutungslosigkeit zu versinken. Und die Piraten waren nur kurzzeitig schick. Die Wähler lassen sich vom ihrem konzeptarmen Anderssein alleine nicht länger blenden. Der Trend zum Viel-Parteien-Parlament ist damit wohl gestoppt.

Ratlosigkeit und Klärungsbedarf wird es im politischen Berlin geben. Was hatte man nicht alles an wegweisender Bedeutung für die Bundestagswahl im Herbst in die Niedersachsen-Abstimmung hinein interpretiert? Das kuriose Ergebnis in Hannover hilft jetzt den Parteien kaum weiter. Zumindest wenn sie nur auf taktische Spiele setzen.

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