Apple fährt ein neues Rekordergebnis ein und die Aktie fällt wie ein Stein. Was sich unlogisch anhört, hat seinen Grund: Anleger hatten noch bessere iPhone-Verkäufe erwartet. Mancher Börsianer sieht bei Apple sogar schon die Grenzen des Wachstums erreicht. Foto: Sven Hoppe
Apple fährt ein neues Rekordergebnis ein und die Aktie fällt wie ein Stein. Was sich unlogisch anhört, hat seinen Grund: Anleger hatten noch bessere iPhone-Verkäufe erwartet. Mancher Börsianer sieht bei Apple sogar schon die Grenzen des Wachstums erreicht. Foto: Sven Hoppe

Apple fährt ein neues Rekordergebnis ein und die Aktie fällt wie ein Stein. Was sich unlogisch anhört, hat seinen Grund: Anleger hatten noch bessere iPhone-Verkäufe erwartet. Mancher Börsianer sieht bei Apple sogar schon die Grenzen des Wachstums erreicht. Foto: Sven Hoppe

dpa

Apple fährt ein neues Rekordergebnis ein und die Aktie fällt wie ein Stein. Was sich unlogisch anhört, hat seinen Grund: Anleger hatten noch bessere iPhone-Verkäufe erwartet. Mancher Börsianer sieht bei Apple sogar schon die Grenzen des Wachstums erreicht. Foto: Sven Hoppe

Cupertino (dpa) - Die Sorgen um die Zukunft von Apple gewinnen trotz neuer Rekordergebnisse die Oberhand.

Obwohl der von Steve Jobs groß gemachte Konzern so viele iPhones und iPads verkaufte wie nie zuvor und seinen bisher höchsten Gewinn einfuhr, brach die Aktie am Donnerstag im frühen New Yorker Handel um rund 11 Prozent auf 459 Dollar ein. Auf einen Schlag verpufften gut 50 Milliarden Dollar oder umgerechnet 38 Milliarden Euro an Börsenwert - das ist soviel, wie die Deutsche Telekom derzeit insgesamt auf die Waage bringt.

Dabei waren die Zahlen des Weihnachtsquartals auf den ersten Blick gar nicht schlecht: Die iPhone-Verkäufe stiegen im Vergleich zum bereits überragenden Vorjahreszeitraum von 37,0 auf 47,8 Millionen Geräte. Der Absatz des iPad-Tablets kletterte von 15,4 auf 22,9 Millionen. Nur bei den Mac-Computern gab es einen Verkaufsrückgang von 5,2 auf 4,1 Millionen Geräte. Apple begründete den Rückgang mit einem Modellwechsel und Lieferschwierigkeiten.

Einige Analysten hatten jedoch mit mehr als 50 Millionen verkauften iPhones gerechnet. «Es war enttäuschend», sagte Gene Munster von der US-Investmentbank Piper Jaffray auf Bloomberg TV. Er gehört zu den renommiertesten Apple-Beobachtern. Die iPhone-Verkäufe hätten die Stimmung total vergiftet, erläuterte er den Kursrutsch.

Die Investoren hatten noch weitere Punkte zu bemängeln: Zwar hatte Apple dank der Rekordverkäufe einen Rekordumsatz eingefahren - er stieg in dem Ende Dezember abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal um 18 Prozent auf 54,5 Milliarden Dollar. Doch dem standen höhere Kosten für Entwicklung, Produktion und Marketing bei den zahlreichen neuen Produkten gegenüber. Dadurch stagnierte der Gewinn beim bisherigen Rekordwert von 13,1 Milliarden Dollar.

Apple-Chef Tim Cook verteidigte die Geschäftszahlen in einer Telefonkonferenz mit Analysten: «Kein Technologieunternehmen hat jemals solch ein Ergebnis erreicht.» Er sei «sehr zufrieden».

Apple hatte pünktlich zum Weihnachtsgeschäft die bisher größte und wohl auch teuerste Produktoffensive der Firmengeschichte gestartet: So brachten die Kalifornier die vierte iPad-Generation und erstmals auch ein iPad mini mit kleinerem Bildschirm heraus. Kurz davor hatte Apple das iPhone 5 vorgestellt, das einen größeren Bildschirm als die Vorgängermodelle hat. Der Konzern rundete das Ganze mit neuen Mac-Computern ab.

Das iPhone 5 und das iPad mini seien das ganze Quartal über knapp gewesen, sagte Cook. Man sei mit der Produktion nicht nachgekommen. Das gleiche habe für den neuen iMac gegolten, der sogar erst im Dezember in den Handel gelangt sei. «Wir sind sicher, ohne diese Einschränkungen wären unsere Verkäufe höher gewesen», ergänzte Finanzchef Peter Oppenheimer.

Im Vorfeld hatte ein Bericht für Unruhe gesorgt, Apple habe weniger iPhone-Bildschirme bei seinen Zulieferern bestellt. Das war als ein Rückgang der Nachfrage interpretiert worden. «Es wäre klug, die Richtigkeit eines jeden Gerüchts in Frage zu stellen», mahnte Cook. «Die Zulieferkette ist sehr komplex.»

Doch auch mit den offiziellen Apple-Zahlen zeigten sich die Börsianer unzufrieden. Viele sahen sich sogar in ihren Befürchtungen bestätigt, dass die Grenzen des Wachstums erreicht seien. Für das laufende zweite Geschäftsquartal prognostizierte Apple einen Umsatz zwischen 41 und 43 Milliarden Dollar sowie einen anhaltenden Druck auf die Profitabilität. Mit dem iPad mini konnte Apple zwar die Führung im Tablet-Markt verteidigen, doch zugleich wirft es weniger Geld ab als andere Apple-Produkte.

UBS-Analyst Steven Milunovich sprach von einem mittelmäßigen Ausblick. Besonders geschockt hatte die Börsianer, dass es Apple dieses Mal wohl ernst mit der Prognose meint. Früher, so räumte Finanzchef Oppenheimer ein, sei die Prognose «konservativ» gewesen - Apple überbot sie in schöner Regelmäßigkeit. Jetzt gebe das Unternehmen eine Spanne an, «die wir vermutlich erreichen werden».

«Wir vertrauen auf unsere kommenden Produkte», erklärte Konzernchef Cook. Apple steht unter Druck, denn die Konkurrenz rüstet auf. Erwartet wird von Apple unter anderem ein billigeres iPhone. Auch um das Apple TV kreisen immer wieder Spekulationen. Apple selbst macht seit jeher ein großes Geheimnis aus Neuheiten.

Als Hauptrivale hat sich Samsung mit seinen Galaxy-Smartphones auf Basis des Android-Betriebssystems von Google herauskristallisiert. Zudem ist Microsoft mit seinem neuen System Windows 8 für PC, Tablets und Smartphones auf den Markt gegangen. Mit dem Surface hat der Software-Primus auch einen eigenen Tablet-Computer herausgebracht. Microsoft sollte an diesem Donnerstagabend Bilanz ziehen.

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