Biologe plant, das Erbgut des Urmenschen nachzubauen. Eine Freiwillige wird als Leihmutter gesucht.

Museumsposter
verkleinert auf A4 Breite neandertaler, Kind, Ausstellung
Museumsposter verkleinert auf A4 Breite neandertaler, Kind, Ausstellung

Museumsposter verkleinert auf A4 Breite neandertaler, Kind, Ausstellung

Holger Neumann, Bild 1 von 2

Museumsposter verkleinert auf A4 Breite neandertaler, Kind, Ausstellung

Mettmann/Boston. Ahnenforschung ist in Deutschland sehr beliebt. Doch was der amerikanische Gen-Wissenschaftler George Church vor hat, sprengt alle Grenzen: Der Harvard-Professor will den vor rund 30 000 Jahren ausgestorbenen Neandertaler wieder zum Leben erwecken – durch Klonen.

Aus gefundenen Knochen hat der Biotechniker bereits genug DNA-Spuren gewonnen, um das Erbgut zu rekonstruieren, erklärte er im Interview mit „Spiegel Online“. Nun wolle er die menschliche DNA der des Neandertalers angleichen. Die dafür nötige Technologie entwickle er derzeit. Anschließend benötige Church eine Leihmutter – „einen abenteuerlustigen weiblichen Menschen“, so der Professor wörtlich –, die den künstlichen Neandertaler austrage.

Und damit nicht genug: Dem Prototypen sollen nach den Plänen des renommierten US-Forschers weitere Artgenossen zur Seite gestellt werden, damit eine „Neandertaler-Kultur“ entstehe. Zudem gibt sich der 58-Jährige zuversichtlich, dass er die Wiedergeburt der Neandertaler noch miterlebt. In der Genetik gilt Church als Visionär, aber zugleich auch als jemand, der alle Möglichkeiten der Forschung ausschöpfen möchte.

In der Heimat des Urmenschen, dem Neandertal, ist die Reaktion auf den Vorstoß eher ablehnend: „Abgesehen von ethischen Bedenken mutet der Gedanke recht absurd an“, sagt Bärbel Auffermann, stellvertretende Direktorin des Neanderthal-Museums.

„Man muss befürchten, dass alles gemacht wird, was möglich ist“

Konsequenterweise müsse man diese Wesen dann auch isolieren, damit sie nicht von der modernen Welt geprägt werden. Das wäre ein Rückfall in die verachtende Zoo-Kultur des 19. Jahrhunderts. Und doch: „Perspektivisch muss man befürchten, dass alles gemacht wird, was technisch möglich ist“, sagte Auffermann.

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