Von Peter Kurz
mit einem Kommentar von Peter Kurz
Fahrverbote können die Luftverschmutzung nicht messbar senken. Haben sie dann überhaupt einen Sinn?
Düsseldorf. Düsseldorf hat eine Umweltzone – trotzdem wurde an der Corneliusstraße an 41 Tagen des vergangenen Jahres der Feinstaub-Grenzwert überschritten. Maximal wären 35 Tage erlaubt gewesen. Mönchengladbach hat noch keine Umweltzone. Hier registrierte die Messstation Friedrich-Ebert-Straße an 48 Tagen eine Überschreitung. Ist es also egal, ob eine Stadt eine Umweltzone hat? Hilft sie gar nicht gegen die Feinstaubbelastung?
Die kleinen Feinstaubpartikel dringen tief in die Atemwege ein
Dies könnten die vom Umweltbundesamt (UBA) veröffentlichten Werte nahelegen: Obwohl es bundesweit 54 Umweltzonen (22 in NRW, davon allein 13 im Ruhrgebiet) gibt, in denen Fahrzeuge mit hohen Feinstaubemissionen ausgeschlossen sind, wurden die Grenzwerte vielfach kräftig überschritten. Beim Feinstaub lagen 42 Prozent der Messstationen über dem zulässigen Tagesgrenzwert, beim Stickstoffdioxid waren es 57 Prozent der städtisch verkehrsnahen Stationen.
Die kleinen Feinstaubpartikel gelten als Gesundheitsrisiko, etwa für Lungenkrebs. Sie dringen tief in die Atemwege ein und können über die Lungenbläschen auch in die Blutbahn gelangen.
Warum aber steigt die Feinstaub-Belastung, obwohl doch mit Umweltzonen gegengesteuert wird? UBA-Präsident Jochen Flasbarth weist darauf hin, dass ein wichtiger Faktor für die Werte das Wetter sei. Bei austauscharmen Hochdruckwetterlagen werde die Luft viel weniger durchmischt. Das könne dazu führen, dass die Luft selbst dann schlechter wird, wenn Emissionen der Autos, Heizungen oder Fabriken gleich bleiben. Flasbarth: „2011 gab es mehrere austauscharme Wetterlagen: Ende Januar bis März und im November führte dies zu häufigeren Überschreitungen des Feinstaub-Grenzwertes als in Vorjahren.“
Autoclubs fordern das Aus für die Umweltzonen
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) greift dieses Argument auf, um die Abschaffung der Umweltzonen zu verlangen: Es seien eher meteorologische Einflüsse wie Jahreszeit, Wind und Sonnenstand, die für höhere oder niedrigere Feinstaubkonzentrationen sorgen. Auch der ADAC hält Umweltzonen für wirkungslos, da sie „nicht zu einer nennenswerten Verbesserung der Luftqualität beitragen“, andererseits die Mobilität der Autofahrer einschränkten.
Umweltbundesamt: Alle müssen ihren Beitrag leisten
Auch UBA-Präsident Flasbarth sagt, dass Umweltzonen nur Teil der Lösung sein können, da Feinstaub und Stickstoffoxide zum großen Teil auch bei Verbrennungsprozessen in Industrie und Haushalten entstehen.
Luftreinhaltung funktioniere aber nur, wenn alle Sektoren einen Beitrag leisten: „Wir müssen ein Auge auf die Folgen der immer weiter dezentralisierten Energieerzeugung haben: Kleine Anlagen in Innenstädten dürfen nicht zu einer höheren Staubbelastung führen als die heutigen Großkraftwerke.“ Aber für den Verursacher Verkehr gelte, dass „Umweltzonen in Städten und Ballungsräumen ein geeignetes Mittel sind“.
Kommentar
Es hat genutzt
Das Wetter spielt bei Feinstaubemissionen eine Rolle. Ebenso wie Heizungen, Industrieanlagen und Kraftwerke. Aber der Verkehr eben auch. Freie Fahrt für freie Bürger ist die eine Seite. Gesundheit und Leben der Menschen die andere. mehr

