Von Christian Rupp
Jahrelang sollen Jubel-Statisten für Stimmung beim Opernball gesorgt haben. Veranstalter winken ab: Wir zahlen nicht für Applaus.
Frankfurt. Fotografen drängeln auf der Jagd nach dem besten Bild. Fans reißen die Autogrammbücher in die Höhe. Die Stars auf dem Roten Teppich posieren.
Doch der Jubel ist nicht immer so echt, wie er scheint: Für den Deutschen Opernball in Frankfurt hat die „Agentur für Atemberaubende Akzente“ mehrere Jahre lang Statisten am Roten Teppich platziert, die die VIPs mit Getöse empfangen sollten.
Die angeblichen Fans „waren Schauspieler oder auch Tänzer“, sagt jetzt Agentur-Chefin Petra Sanchez. „Das heißt, sie haben die Gäste begrüßt – mit Autogrammbüchern, haben Fotos gemacht und so weiter – und haben dann dafür eine Gage bekommen.“
Die internationalen Stars tanzen schon lange am Opernball vorbei
Denn seit langem leidet der Opernball an Promi-Schwund. Internationale Stars sind auch in diesem Jahr wieder die Ausnahme. Lediglich der britische Sänger Tony Christie und die italienische Schauspielerin Naike Rivelli werden am Samstag erwartet.
„Große Weltstars kosten viel Geld“, meint Manfred Pasenau. Er veranstaltet das wegen seines Durchschnittsalters als „Opa-Ball“ verspottete Event seit 15 Jahren.
Vor wenigen Jahren wurde noch lautstark gegen den Ball gestänkert
Bis zum Jahr 2005 hieß der Deutsche Opernball noch Frankfurter Opernball. Herein kommt man nur per Einladung.
„Auch der Opernball funktioniert wie eine Marke. Und bei vielen Marken ist die Inszenierung das A und O“, erklärt der Marketing-Professor Jörn Redler, der an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg lehrt. „Aber es ist gefährlich, sobald die Inszenierung nicht zum Konzept passt und die Authentizität der Marke untergräbt“, warnt der Experte. Gemietete Fans würde der Wissenschaftler bestenfalls mit einem Augenzwinkern einsetzen.
Nicht nur die Stars, auch die Demonstranten machen sich inzwischen rar. Randale bescherte dem Opernball noch vor wenigen Jahren Schlagzeilen und damit auch die Jubel-Komparsen. Denn: „Es war die Idee von Herrn Pasenau, irgendwann einmal zu sagen, es wäre doch schön, wenn wir die Demonstranten übertönen würden“, erinnert sich Sanchez.
Wie lange? „Mehrere Jahre en suite.“ Wie viele Statisten? „Ich sage jetzt einmal 200 Personen oder so – aus der Erinnerung heraus.“ Pasenau sieht das anders. Von Claqueuren will seine Agentur nichts gewusst haben. „Wir zahlen niemanden dafür, dass er klatscht“, heißt es.
Dabei ist die Idee, bezahlte Fans an den Roten Teppich zu stellen, alt. Die Agentur „rent-a-fan“ hat sich darauf spezialisiert. Bis 10 000 Fans sind nach Angaben ihres Eventmanagers Klaus Bernhard in der Kartei. Auch ein Unternehmen aus Osthessen gehört zu den Kunden. Welches, darüber schweigt er.
Agentur-Denke: Jubelnde Fans sind nichts anderes als Marketing
„Mieten Sie sich Ihre Fans, Ihre Gäste, Ihr Publikum, um mit absoluter Sicherheit den gewünschten Effekt zu erzielen“, wirbt das Unternehmen offenherzig. Denn gemietete Fans seien „nichts anderes als Marketing und letztlich einfach nur Werbung“, meint Bernhard.

