Wenn es dunkel wird, fürchten Bauern in Andalusien um den Lohn ihrer Arbeit: Banden stehlen tonnenweise feinstes Olivenöl.

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Geerntet werden spanische Oliven tagsüber. Diebe bevorzugen für ihre Ernte eher die Nacht: Mit Tankwagen schaffen sie Öl aus den Lagern.

Madrid. Sie suchen kein Geld oder Schmuck, aber „grünes Gold“: In Spanien treiben neuerdings Olivenöl-Diebe ihr Unwesen. Landesweit sind gut ein Dutzend Betriebe Opfer organisierter Banden geworden, die sich auf den Raub von kaltgepresstem Olivenöl Qualitätsstufe spezialisiert haben. Auf den ersten Blick mag das verwundern, doch eine Tonne des Öls ist rund 2000 Euro wert. In Flaschen abgefüllt ist es später im Laden um ein Vielfaches teurer, vor allem im Ausland.

„Der Olivenölraub ist lohnenswerter als ein Banküberfall, zumal das Risiko für die Täter sehr gering ist.“

Sprecher einer Agrar-Kooperative

„Der Olivenölraub ist lohnenswerter als ein Banküberfall, zumal das Risiko für die Täter sehr gering ist“, erklärt der Sprecher einer Agrarkooperative in Andalusien. Schließlich sind Olivenölmühlen nicht gerade Betriebe, die besonders gut geschützt sind. Oftmals sind sie lediglich von einem Drahtzaun umgeben. So erbeuteten Diebe jüngst 90 Tonnen Öls – Wert: 180 000 Euro.

Die Täter gehen stets nach dem gleichen Muster vor. Sie fahren im Schutz der Nacht mit mehreren Tankwagen vor, zapfen die Öl-Depots des Betriebes an und pumpen sie mit Hilfe großer Schläuche leer. In drei bis vier Stunden ist die Aktion abgeschlossen.

Das spanische Öl wird nach Italien verfrachtet und dort umetikettiert

„Da sind Profis am Werk“, heißt es bei der Polizei. Die Abnehmer des vermuten die Ermittler vor allem in Italien, wo spanisches Olivenöl importiert, abgefüllt und dann in Flaschen mit italienischen Etiketten vermarktet wird.

Bestätigt wurden die Vermutungen der Fahnder, als sie eine der Banden zerschlagen konnten: Bei den Festgenommenen handelte es sich um zehn Italiener und einen Spanier. Sie hatten tonnenweise Öl in einer Fabrikhalle gelagert und wollten es über eine Scheinfirma mit Tankwagen oder per Schiff abtransportieren.

Ohne Komplizen könnten die Öldiebe ihre Ware kaum in Italien loswerden

Mit seinen rund 280 Millionen Olivenbäumen – 60 Prozent davon in Andalusien – ist Spanien der weltgrößte Produzent und Exporteur vor Griechenland, Italien und Frankreich.

Bei uns sind unterschiedliche Qualitäten zu haben. Am besten ist „Natives Olivenöl extra“ (erste Pressung ohne Hitze gewonnen) oder „Natives Olivenöl“, das etwas mehr Säure enthält. Einfaches „Olivenöl“ ist eine Mischung aus raffiniertem und nativem Öl.

„Die Verbrecher müssen Komplizen in der Ölbranche haben, denn sonst wäre es sehr schwierig, so große Mengen unbemerkt auf den italienischen Markt zu werfen“, sagte die Geschäftsführerin eines spanischen Betriebes der Zeitung „El País“.

In den vergangenen drei Jahren sind Schätzungen zufolge mehr als 2000 Tonnen besten Olivenöls gestohlen worden. Vor allem für die aus mehreren Familienbetrieben bestehenden Kooperativen ist das ein herber Verlust. Sie beginnen jetzt, auf ihren Geländen Streife zu laufen.

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