Von Tim Attenberger
Bewerber müssen sich nicht mit der Ablehnung durch die Universität zufrieden geben.
Düsseldorf. An den deutschen Universitäten wird es zunehmend enger. Immer mehr Abiturienten bewerben sich um einen Studienplatz. Das treibt die für die populären Fächer notwendigen Abiturnoten in die Höhe. Dadurch steigt auch die Zahl der abgelehnten Bewerber und deren Bereitschaft, ihren Studienplatz einzuklagen. In Berlin haben die Studierendenvertretungen der Hochschulen sogar eine eigene Internetseite (www.einklage.de) eingerichtet, auf der sich die Klagewilligen Ratschläge und Hinweise holen können.
In Düsseldorf ziehen hunderte Abiturienten vor das Gericht
Auch an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), der Bergischen Universität Wuppertal und der Hochschule Niederrhein gibt es Bewerber, die sich nicht mit einer Ablehnung zufrieden geben wollen. In Düsseldorf handelt es sich um mehrere Hundert Abiturienten, die beim Verwaltungsgericht eine Klage eingereicht haben. „Wir wurden darüber mit einem Schreiben informiert“, erklärt Pressereferent Julius Kohl. Anschließend prüfe das Gericht, ob ein Anspruch auf einen Studienplatz begründbar ist. Kohl: „Das funktioniert über die von der Universität festgelegten Kapazitätsgrenzen.“ Eine Klage hat also nur Erfolg, wenn nachgewiesen werden kann, dass es noch Platz für weitere Studenten gibt.
In Wuppertal hat die Zahl der Klagen um 35 Prozent zugenommen
Geklagt werde in den Fächern Human- und Zahnmedizin sowie Psychologie, die einen besonders hohen Abiturdurchschnitt erfordern. Erfolge gebe es jedoch bislang keine. Kohl: „Ich kann verstehen, dass dies für abgelehnte Bewerber ärgerlich ist, aber wir berechnen unsere Kapazität natürlich sehr genau.“
Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der HHU sieht das Einklagen von Studienplätzen im Gegensatz zu den Berliner Kollegen kritisch, da diese Praxis vor allem den Privilegierten helfe, die sich den Rechtsweg finanziell überhaupt leisten können.
„Der Trend mit den Klagen geht bei uns mit der Zahl der Bewerber nach oben“, sagt Roland Kischkel, Kanzler der Universität Wuppertal. Zum aktuellen Wintersemester liegen demnach 43 Anträge vor. Das seien 35 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die meisten der Klagen entfallen auf das Fach Psychologie. Zugelassen habe die Uni bislang jedoch keinen der Kläger. Als Grund für die steigenden Zahlen sieht Kischkel geburtenstarke Jahrgänge und die Abitur-Doppeljahrgänge in Niedersachsen und Bayern. Es habe jedoch keinen Sinn, an den Hochschulen kurzfristig mehr Raum zu schaffen. Kischkel: „Da die Jahrgänge in Zukunft wieder schrumpfen werden, hätten wir dann leere Räume.“
An der Hochschule Niederrhein in Krefeld und Mönchengladbach gibt es unterdessen kaum Klagen. Zum aktuellen Wintersemester habe es nur vier Anträge gegeben, die eine Einzelfallprüfung durchliefen. Sprecher Tim Wellbrock: „Im aktuellen Semester wurden die vier Studierenden im Endeffekt aufgenommen.“

