Zugvögel fliegen diesmal nicht in den Süden. Doch Allergikern und Bauern behagen die Temperaturen kaum.

Auf einigen Feldern staut sich noch das Wasser, jetzt fürchten die Bauern den Frost.
Auf einigen Feldern staut sich noch das Wasser, jetzt fürchten die Bauern den Frost.

Auf einigen Feldern staut sich noch das Wasser, jetzt fürchten die Bauern den Frost.

Das Streusalz ist in diesem Winter fast komplett in den Lagern geblieben. Das spart vor allem Kosten.

Nur wenige Vögel müssen auf Futterknödel ausweichen, im ungefrorenen Boden finden sie viel Nahrung.

dpa, Bild 1 von 3

Auf einigen Feldern staut sich noch das Wasser, jetzt fürchten die Bauern den Frost.

Düsseldorf. Auf den Sommer ohne Sonne und einen Herbst mit 25 Grad folgt nun der Winter ohne Frost. Seit Monaten ist das Wetter alles – nur nicht typisch für die Jahreszeit. Das wirkt sich vor allem auf Flora und Fauna aus, aber mittelfristig auch auf die Staatskasse. Doch längst hat das milde Wetter nicht nur Vorteile, auch die Zeit des Leidens beginnt so früher. Ein Überblick:

Viele Vögel sind erst gar nicht in ihr Winterlager geflogen

Den Flugplan über den deutschen Himmeln hat der Pseudowinter bereits kräftig durcheinandergewirbelt. Bislang konnte man sich immer darauf verlassen, dass mit den wiederkehrenden Zugvögeln auch der Frühling kommt. Doch diesmal werden die Menschen auch kurz nach Neujahr morgens von lieblichem Vogelgezwitscher geweckt. Kohlmeise und Kleiber haben rund um die Festtage bereits lautstark mit der Balz begonnen. Kein Wunder: Die meisten Vögel sind erst gar nicht in ihre Winterquartiere geflogen, wie die alljährliche Vogelzählung des Naturschutzbundes Nabu ergibt. Statt in Frankreich und Spanien verbringen Kraniche die dunklen Monate lieber in Deutschland. Für Verpflegung ist gesorgt: Statt Frost finden sich reichlich Larven und Regenwürmer im Boden.

Ist es feucht und warm, greifen Schimmelpilze Insektenlarven an

Für Insekten hingegen könnte die Wärme zur Falle werden. „Insektenlarven brauchen Frost, um den Winter zu überstehen“, erklärt Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst DWD, „ist es hingegen warm und feucht, kann sich Schimmel bilden, der die Larven angreift.“ Die Angst vor einer Insektenplage ist also unbegründet. Kleintieren wie Maikäfern, die gegen Pilze abgehärtet sind, kommt das Wetter dafür entgegen: „Wir hatten im vergangenen Jahr schon eine große Zahl Maikäfer und die Population wird nun nochmals wachsen“, so der DWD-Meteorologe. Große Nutznießer sind Zecken. „Statt erst ab März sind sie mancherorts schon jetzt unterwegs“, warnt Trippler, „und solange das Thermometer nicht unter zehn Grad minus fällt, kann ihnen das Wetter auch nichts mehr anhaben.“

Für Allergiker beginnt die Leidenszeit um Wochen früher

Die Geduld der Allergiker wird in diesem Jahr besonders früh auf die Probe gestellt. „Bereits jetzt können Haselnuss- und Erlenpollen unterwegs sein. Auch die Birken werden nicht lange auf sich warten lassen, bestätigt der DWD. Für die Allergiker ist damit die Leidenspause viel früher als erhofft beendet. Die Heuschnupfenzeit wird sechs Wochen früher als üblich erwartet.

Landwirte hoffen, dass der harte Frost nicht doch noch kommt

Die Bauern im Land beobachten das Thermometer mit gemischten Gefühlen. „Durch die milden Temperaturen geht die Saat auch früher auf“, beschreibt Stefan Sallen vom Rheinischen Landwirtschaftsverband. An sich eine gute Entwicklung. Aber nur, wenn in den kommenden Wochen nicht doch noch einmal harter Frost kommt. Denn je weiter die Pflanze aus dem Boden gewachsen ist, desto schutzloser ist sie den Minusgraden ab zehn Grad unter Null ausgesetzt. „Im vergangenen Jahr hat dies in Westfalen zu großen Schäden geführt, das Rheinland kam mit einem blauen Auge davon.“ Die sogenannten Auswinterungsschäden sorgen nicht nur für mehr Arbeit und Kosten, auch Saatgut wird knapp.

Durchweg positiv bewertet der Landesbetrieb Straßen NRW die Wetterlage: „Wir haben kaum streuen müssen, und unsere 200 Lager sind sehr gut gefüllt“, zieht Sprecher Bernd Löchter Zwischenbilanz. Zugleich konnten die Fahrzeuge der Straßenmeisterei geschont werden, und es fielen keine Kosten für Überstunden bei großen Streueinsätzen an. „Stattdessen haben wir Zeit, um das Gehölz zu pflegen, damit die Fahrer freie Sicht auf die Schilder haben.“ Der Verkehr rollt vom Wetter ungestört.

Weniger Frost bedeutet zudem auch weniger Straßenschäden. Die Rechnung „Flicken statt Streuen“ geht allerdings nicht auf. „Reparaturen müssen geplant und ausgeschrieben werden. Da kann leider nicht spontan umgeplant werden“, erklärt Löchter.

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