Von Marco Mierke
Präsident Barack Obama übernimmt die Angreiferrolle, während sich sein Herausforderer Mitt Romney präsidial zurückhält.
Mitt Romney (l.) ging dem Streit mit Barack Obama (r.) meist aus dem Weg. (dpa)
Ein gelöster und glücklicher Präsident Barack Obama mit seiner Frau Michelle.
RICK WILKING, Bild 1 von 2Mitt Romney (l.) ging dem Streit mit Barack Obama (r.) meist aus dem Weg. (dpa)
Washington. Mal versuchte US-Präsident Barack Obama mit Humor, seinen Kontrahenten Mitt Romney als völlig unzeitgemäß hinzustellen. „Die 1980er Jahre rufen an, um ihre Außenpolitik zurückzuverlangen, denn der Kalte Krieg ist seit 20 Jahren vorbei“, sagte er dem Republikaner bei der abschließenden TV-Debatte am Montagabend höhnisch ins Gesicht.
Dann wieder bemühte der Präsident scharfe Angriffe auf die Glaubwürdigkeit des Herausforderers in der Weltdiplomatie: „Jedes Mal, wenn Sie ihre Meinung sagen, liegen sie falsch.“ Doch so sehr Obama rhetorisch gewitzt und politisch gekonnt angriff, konnte er seinen Widersacher trotzdem kaum aus der Reserve locken. Romney blieb cool.
„Jedes Mal, wenn Sie ihre Meinung sagen, liegen Sie falsch.“
Barack Obama zu Mitt Romney
Der Republikaner schien auf die Strategie zu bauen, einem Streit über die Außenpolitik besser aus dem Weg zu gehen. Von dem schimpfenden, attackierenden Romney der letzten beiden Debatten war kaum noch etwas zu sehen.
Stattdessen hatte er sogar das eine oder andere Lob für den Amtsinhaber übrig. Die selbst bei den Demokraten umstrittenen Drohnenangriffe auf Terroristen? Hat der Präsident „richtig“ gemacht, sagte Romney. Ein US-Militäreinsatz in Syrien? Fände er auch zu gefährlich, stimmte der 65-Jährige zu.
So viel Zustimmung hatte Romney noch nie übrig für Obama. Doch es dürfte keine plötzliche Mutlosigkeit sein, die den Multimillionär zwei Wochen vor der Wahl überfallen hat. Warum auch, schließlich ist er in allen Umfragen gleichgezogen. Die Wahl am 6. November ist so knapp wie selten.
Jede Fernsehdebatte im US-Wahlkampf bietet Platz für Versprecher oder Ironie, die im Internet auf große Resonanz stoßen. Diesmal sorgte Barack Obama für Stimmung. Romney hatte behauptet, die US-Marine sei kleiner als 1917. Obama entgegnete: „Wir haben auch weniger Pferde und Bajonette, weil sich das Wesen unseres Militärs geändert hat.“ Ebenso spöttisch fuhr er fort, seinem Gegenüber die moderne US-Marine zu erklären. „Wir haben diese Dinger, die Flugzeugträger heißen und auf denen Flugzeuge landen können.“
Romney legte nach: „Syrien ist Irans einziger Verbündeter in Arabien. Es ist seine Verbindung zum Meer.“ Was Romney vergaß: Der Iran hat eine lange Küste zum Persischen Golf. Und er grenzt nicht an Syrien.
Romney wollte wohl nach dem extrem aggressiven Auftreten jetzt in der außenpolitischen Debatte mehr wie ein richtiger Präsident wirken, meinten TV-Kommentatoren. Sachlich im Ton, moderat in den Aussagen.
Der sonst um kein Wortgefecht verlegene Romney verwahrte sich diesmal sogar regelrecht gegen die Provokationen seines Gegenüber. „Mich anzugreifen, ist keine Agenda“, sagte er. Im Vorwahlkampf gegen parteiinterne Gegner und auch bei Wahlkampfkundgebungen war Romney noch wesentlich aggressiver.
Die Frage ist, ob seine Debatten-Strategie aufgeht. Nach Schnellumfragen hat er das Duell mit seiner defensiven Haltung verloren. Doch Experten meinen, dass sich dieses dritte Duell mit dem für Amerikaner weniger interessanten Thema Außenpolitik sowieso nicht mehr allzu sehr auf die Wahl auswirken werde.
Trackbacks zu diesem Artikel
Schreiben Sie über diesen Artikel und benutzen Sie die Trackback-URL , damit Ihr Eintrag hier erscheint


