Aus Sorge vor schärferen Gesetzen kaufen Amerikaner die Regale leer. Der Präsident übt Kritik.

Besucher begutachten ein HK416 Sturmgewehr auf einer Waffenmesse in Chantilly, Virginia. Foto: Jim Lo Scalzo
Besucher begutachten ein HK416 Sturmgewehr auf einer Waffenmesse in Chantilly, Virginia. Foto: Jim Lo Scalzo

Besucher begutachten ein HK416 Sturmgewehr auf einer Waffenmesse in Chantilly, Virginia. Foto: Jim Lo Scalzo

USA: Schusswaffen in Privatbesitz.

dpa, Bild 1 von 2

Besucher begutachten ein HK416 Sturmgewehr auf einer Waffenmesse in Chantilly, Virginia. Foto: Jim Lo Scalzo

Washington. In Carson City in Nevada ist das Sturmgewehr AR-15 ausverkauft. Bei einer Waffenausstellung in einem Hotel in Manchester (New Hampshire) zieht sich die Schlange durch die Lobby bis nach draußen. Bei einer ähnlichen Messe in Jackson (Mississippi) registrieren die Händler mindestens 50 Prozent mehr Besucher als sonst. Auf der Hawaii-Insel Oahu stehen Menschen fünf Stunden im Polizeihauptquartier an, bis sie Waffen registrieren können, die sie innerhalb der letzten 72 Stunden gekauft haben – so wie es das Gesetz verlangt.

„Es gibt definitiv das Gefühl einer Panik.“

Die Sorge vor schärferen Gesetzen nach dem Amoklauf an einer Schule in Newtown scheint die Waffenfans in ein Fieber zu versetzen. „Es gibt definitiv das Gefühl einer Panik“, sagt der Waffenshow-Besucher Leonard Kazanov. Konkrete Verkaufszahlen werden zwar offiziell nicht erfasst, aber in den US-Medien gibt es kaum Zweifel, dass die Vorstöße von Präsident Barack Obama für ein strikteres Waffenrecht eine neue Gier nach Pistolen, Gewehren und Munition verursachen. Spötter bezeichnen den Präsidenten gar als „den besten Waffenverkäufer des Landes“.

Noch in dieser Woche wolle er seine Gesetzesideen erarbeiten – darunter auch eine „sinnvolle“ Verbannung von Angriffswaffen und die Überprüfung ausnahmslos aller Waffenkäufer.

Für die Amerikaner sind Waffen ein Weg, ihre Freiheit zu praktizieren

Nicht jeder lässt die Erklärung gelten, dass Obama der Umsatzbringer ist. Tatsächlich nähmen die Umsätze nicht erst seit 2008 zu, als er ins Weiße Haus gewählt wurde, meint der Buchautor Frank Miniter. „Die Waffenverkäufe steigen im Prinzip seit Jahrzehnten an“, schreibt er in einem Beitrag für die Website der mächtigen Waffenlobby National Rifle Association. Für die Amerikaner sei der Waffenkauf schlicht ein Weg, ihre Freiheit zu praktizieren. So wie es der zweite Zusatz der US-Verfassung eben vorsehe.

Obama dagegen nennt die „Angstmacherei“ der Waffenlobby als Grund für den neuerlichen Ansturm auf die Schießeisen. Zu behaupten, „dass jedem die Waffen weggenommen werden sollen“ sei „offensichtlich gut fürs Geschäft“, sagte er und versuchte gleichsam, die Gemüter zu beruhigen: „Verantwortungsvolle Waffenbesitzer haben nichts zu befürchten.“

Lobbygruppe stachelt ihre Mitglieder an

Die NRA freilich wiegt ihre vier Millionen Mitglieder nicht in solcher Sicherheit. „Wenn ein Präsident die ganze Macht seines Amtes nutzt, dann will man keine Vorhersagen treffen“, sagte der Lobby-Präsident David Keene. „Du willst nicht Dein Haus auf das Resultat verwetten.“

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