Uni Düsseldorf entscheidet über ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels.

Verliert Annette Schavan ihren Doktortitel?
Verliert Annette Schavan ihren Doktortitel?

Verliert Annette Schavan ihren Doktortitel?

dpa/Archiv

Verliert Annette Schavan ihren Doktortitel?

Düsseldorf. Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät an der Heinrich-Heine Uni Düsseldorf ist gemeinhin keine Instanz, die besonders weitreichende Entscheidungen trifft.

Doch am Dienstag wird bereits eine bloße Vorentscheidung dieses Gremiums bundesweite Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Wird das Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) eröffnet?

Auch wenn es noch gar nicht um die Aberkennung selbst geht, würde schon die offizielle Einleitung eines solchen Verfahrens gegen die enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hochbrisant sein – zumal im Wahljahr.

Nach anonymen Vorwürfen sickerten Gutachter-Ergebnisse durch

Erste Vorwürfe gegen Schavan waren im vergangenen Mai aufgekommen. Erhoben im Internet von einem anonymen Plagiatsjäger. Daraufhin befasste sich der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakulatät, ein Gremium aus Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studentenvertretern, mit den Vorwürfen.

Und empfahl die Einleitung des Verfahrens zur Aberkennung des Doktortitels. Für Aufregung sorgte dabei, dass Inhalte des Gutachtens des Promotionsausschusses regelwidrig in die Öffentlichkeit gelangten.

Bildungsministerin Annette Schavan (Foto) hatte ihr Studium (katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaft) 1980 mit der Promotionsarbeit „Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“ abgeschlossen.

Nach den Anschuldigungen der Internetplattform schavanplag.wordpress.com und den aus dem Gutachten der Promotionskommission bekannt gewordenen Stellungnahmen soll es um diese Vorwürfe gehen: Schavan soll Zusammenfassungen bestimmter Theorien als eigenen Text ausgegeben haben, obwohl sie diese von anderen Wissenschaftlern übernommen habe. Sie habe zwar in Fußnoten auf die Quelle ihrer Arbeit hingewiesen, die Hinweise bezögen sich teilweise aber nur auf eine kürzere Passage. Damit werde indirekt ein längerer Fremdtext als eigene Leistung ausgegeben.

Ob die Vorwürfe für ein Verfahren zur Entziehung des Doktortitels ausreichen, muss nun der Fakultätsrat entscheiden – ein 19-köpfiges Gremium aus Dekan, Prodekan, Professoren, Mitarbeitern und Studierenden.

Nur ein verjährter Fall oder ein Imageschaden für die Wissenschaft?

Zur Verteidigung Schavans sagte ihr damaliger Doktorvater Gerhard Wehle, er habe Schavan als „ehrlichen Menschen“ kennengelernt. Und dass er sich eine Täuschung nicht vorstellen könne: „Wie kann man eine Arbeit über das Gewissen schreiben und dabei täuschen?“

Andere verweisen darauf, dass der Vorgang 33 Jahre zurückliege und nicht vergleichbar mit den etwa im Fall des Ex-Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg bekanntgewordenen Plagiaten sei.

Solchen Fragen der Verhältnismäßigkeit und Verjährungs-Gedankenspielen wird entgegengehalten, dass es um das korrekte wissenschaftliche Arbeiten der Bildungsministerin als Aushängeschild des Wissenschaftsbetriebes gehe.

Schavan sei an ihren eigenen Worten zu messen. Hatte sie doch im Zusammenhang mit der Plagiatsaffäre zu Guttenberg gesagt, dass sie sich für diesen Vorgang „nicht nur heimlich schäme“.

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