Die Ministerin steht wegen des Plagiatsvorwurfs unter Druck. Doch die Kanzlerin braucht sie.

Bundeskanzlerin Merkel hat der wegen möglicher Plagiate in ihrer Doktorarbeit in die Kritik geratenen Bildungsministerin Schavan den Rücken gestärkt. Foto: Maurizio Gambarini
Bundeskanzlerin Merkel hat der wegen möglicher Plagiate in ihrer Doktorarbeit in die Kritik geratenen Bildungsministerin Schavan den Rücken gestärkt. Foto: Maurizio Gambarini

Bundeskanzlerin Merkel hat der wegen möglicher Plagiate in ihrer Doktorarbeit in die Kritik geratenen Bildungsministerin Schavan den Rücken gestärkt. Foto: Maurizio Gambarini

dpa

Bundeskanzlerin Merkel hat der wegen möglicher Plagiate in ihrer Doktorarbeit in die Kritik geratenen Bildungsministerin Schavan den Rücken gestärkt. Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Zwei Worte sagen alles über die Strategie der Vertrauten Angela Merkel und Annette Schavan. „Nein“, antwortet Regierungssprecher Steffen Seibert auf die Frage, ob die Kanzlerin Schavans Handlungsfähigkeit wegen der Einleitung eines Verfahrens zur Aberkennung ihres Doktortitel beeinträchtigt sehe.

„Ja“, sagt Schavans Sprecher Robin Mishra auf die Frage, ob seine Chefin im Falle eines Unionssieges auch über die Bundestagswahl hinaus Bildungsministerin bleiben möchte.

Im Wahljahr kann die Kanzlerin keine Störfeuer gebrauchen

Merkel und Schavan halten zusammen. Das heißt nicht, dass Schavan die Affäre politisch übersteht, sollte ihr der Titel aberkannt werden. Es dürfte viel davon abhängen, wie stark die Kritik aus der Wissenschaft, Rücktrittsforderungen der Opposition, der Unmut in der CDU und Rachegelüste in der CSU sein werden.

Erstens kann Merkel so etwas im Wahljahr nicht gebrauchen, zweitens stellt sich die Frage, ob Schavan den Druck aushalten kann. Das Land hat außerdem schon erlebt, dass Merkel Weggefährten abservieren kann.

Doch Merkels Beziehung zu Schavan ist nicht zu vergleichen mit dem Verhältnis zum einstigen CSU-Superstar und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der vor zwei Jahren wegen der Aberkennung seines Doktortitels zurücktrat.

„Am 2. Mai 2012 sind die anonymen Plagiatsvorwürfe bekanntgeworden. Am gleichen Tag habe ich den Rektor der Uni Düsseldorf telefonisch gebeten, diese Vorwürfe (. . .) prüfen zu lassen. In den über acht Monaten seither hatte ich Gelegenheit, mit zahlreichen Fachwissenschaftlern eingehend über die Plagiatsvorwürfe zu sprechen. Die intensive Beschäftigung mit dem Text meiner Dissertation (. . .) bestärken mich in meiner Überzeugung, dass meine Dissertation kein Plagiat ist. Ich gehe davon aus, dass mit der Eröffnung eines ergebnisoffenen Verfahrens jetzt auch verbunden ist, externe Fachgutachten einzuholen. Ich bin davon überzeugt, dass die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden.“

Schavan (57) stützt Merkel (58) loyal im Hintergrund. Dass die Kanzlerin über Seibert ihr „volles Vertrauen“ in Schavan versichern lässt, ist keine Floskel. Als Merkel 1998 CDU-Generalsekretärin wurde, war Schavan gerade Parteivize geworden. 14 Jahre übte sie dieses Amt aus und machte den Platz vor zwei Monaten beim CDU-Parteitag frei. Da lief die Debatte über die Plagiatsvorwürfe gegen ihre 1980 verfasste Doktorarbeit schon. Für Schavan rückte die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner (40) auf.

Über Nachfolger für Schavan will in der CDU keiner sprechen. Niedersachsens Wahlverlierer David McAllister haben alle auf der Liste – er ist wie Klöckner trotz seiner Niederlage ein Hoffnungsträger der CDU.

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