Mit Woelki und Becker verleiht das Kirchenoberhaupt zwei Deutschen die Kardinalswürde.

Kardinal Karl Josef Becker
Großbild Karl-Josef Hildenbrand

Kardinal Karl Josef Becker

Rom. Joseph Ratzinger setzt mit der Wahl seiner engsten Mitarbeiter Akzente. Nicht nur machte Papst Benedikt XVI. bei seinem vierten Konsistorium mit dem Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki und dem Jesuitenpater Karl Josef Becker erneut zwei Deutsche zu Kardinälen.

Zwei Monate vor seinem 85. Geburtstag hat der Papst auch „seine“ Mehrheit im Kreis der 125 Kardinäle ausgebaut, die bei einem Konklave das nächste Oberhaupt der Katholiken bestimmen.

Sind neun deutsche Kardinäle schon eine „germanische“ Bevorzugung?

63 der jetzt wahlberechtigten Kirchenmänner unter 80 Jahren wurden von Benedikt in den Kardinalsstand erhoben, 62 suchte noch Johannes Paul II. aus. Den Löwenanteil machen nun 30 Italiener aus. Spräche das allein für einen Italiener als nächsten Papst, nach dem Polen Karol Wojtyla und dem Deutschen Joseph Ratzinger? Wohl kaum.

Bemerkenswert ist jedoch, dass unter den 22 neuen Kardinälen allein zehn mit der Kurie in Rom zu tun haben und 16 aus europäischen Ländern stammen. Weil in der feierlichen Liturgie sieben Italiener aus der Hand des Papstes ihren roten Kardinalshut und den Kardinalsring erhielten, lässt sich aus der weiter aufgestockten Zahl deutscher Kardinäle – jetzt sind es neun – auch keine „germanische“ Bevorzugung herauslesen. Aber das Gewicht der Alten Welt nimmt zu.

Berichte von Ränkespielen hinter den Mauern des Vatikan

Einen Schatten auf die Vollversammlung warfen Berichte über Intrigen: Sie ließen auf ein Ränkeschmieden hinter den Mauern des Vatikans schließen, brachten sogar Schlagzeilen von einem „Mordkomplott“ gegen den Pontifex.

Der 55-Jährige hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Vor einem Jahr war der Geistliche noch Weihbischof in Köln.

Dann erfolgte der Ruf nach Berlin. Mit rheinischem Charme und deutlicher Ansprache machte Woelki klar, wo er steht. Ob sein offenes Verhältnis zum Orden Opus Dei oder seine distanzierte Haltung zur Homosexualität – Woelki konnte seine Gegner besänftigen und trotzdem theologische Positionen halten.

Öffentliche Auftritte meidet er. Daher ist über den Jesuitenpater und langjährigen Berater der Glaubenskongregation nur wenig bekannt. Der 83-Jährige ist gebürtiger Kölner.

Er studierte Altphilologie, Philosophie und Theologie. Von 1963 bis 1969 unterrichtete Becker, der sich mit der Sakramenten- und Gnadenlehre befasst, an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt.

Seit 1969 lehrte er an der römischen Universität Gregoriana Dogmatik. Er emeritierte 2003.

Hintergrund schien zu sein, wen die Kardinäle zum nächsten Papst machen sollten – oder genauer, wen manche nicht auf dem Stuhl Petri sehen wollen. Dokumente des Vatikans – etwa zum angeblichen Komplott – gelangten „auf illoyale Weise“ nach draußen, kritisierte Papst-Sprecher Federico Lombardi.

Wie ein Echo darauf klang das Schlusswort des 84-jährigen Benedikt, als er seinen neuen Kardinälen nahelegte, nicht nach Macht, Ruhm und Herrlichkeit zu streben: „Und betet auch für mich, dass ich mit milder Festigkeit das Steuer der heiligen Kirche führen kann.“

Viele Kardinäle äußerten im Konsistorium wohl große Sorge, dass ein schwacher „Regierungsstil“ der römischen Kurie sich negativ auf die Weltkirche auswirken könnte.

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