Zeitplan für Präsidentenwahl und Vereidigung hat lange Tradition. Winterkälte stellt Staatsoberhäupter vor große Herausforderungen.

Vor dem Kapitol sprechen        die US-Präsidenten            traditionell den Eid.              Seit 1937 immer                    am 20. Januar.
Vor dem Kapitol sprechen die US-Präsidenten traditionell den Eid. Seit 1937 immer am 20. Januar.

Vor dem Kapitol sprechen die US-Präsidenten traditionell den Eid. Seit 1937 immer am 20. Januar.

Mike Theiler, Bild 1 von 2

Vor dem Kapitol sprechen die US-Präsidenten traditionell den Eid. Seit 1937 immer am 20. Januar.

Washington. Der neunte US-Präsident William Henry Harrison hält zwei Rekorde: den für die längste Antrittsrede und den für die kürzeste Amtszeit. An einem kalten, windigen 4. März 1841 legte er auf den Stufen des Washingtoner Parlaments die Vorhaben seiner Präsidentschaft in einer zweistündigen Rede dar.

Jedoch verzichtete er dabei auf Hut und Mantel. Es blieb sein einziger politischer Impuls. Wenig später erkrankte er an einer Lungenentzündung. Genau einen Monat nach dem Eid war Harrison tot.

Wer US-Präsident sein will, muss der Kälte standhalten können. Denn Wahl und Vereidigung des US-Präsidenten fallen verfassungsgemäß in die kalte Jahreszeit. Ein Relikt aus den Gründungsjahren der Vereinigten Staaten, als Religion und Naturgewalten noch eine entscheidende Rolle spielten.

Aus dem Artikel VI der US-Verfassung klingt bis heute die Sprache der Gründerväter um George Washington und Thomas Jefferson durch: „Die Wahlmänner zur Bestimmung des Präsidenten sollen am ersten Mittwoch im Dezember zusammentreten.“ Die Wahl der Wahlmänner indes, so fordert es das Gesetz von 1792, sollten innerhalb von 34 Tagen davor per Wahl durch das Volk ermittelt werden – also im November.

Die Vorgabe spiegelte die wirtschaftliche Realität der jungen Nation wieder: Die USA waren ein Agrarland. Zeit für Wahlen hatten die Bürger erst, nachdem die Ernte im Herbst eingefahren war. Vor allem, da es oft mehrere Tagesreisen bis zum nächsten Wahllokal dauerte.

Von jetzt an werden wir bis zur US-Präsidentenwahl am 6. November in loser Folge über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe des Rennens um das Weiße Haus berichten.

In der Nacht zu Mittwoch sollte das zweite TV-Duell zwischen Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney stattfinden. In der ersten Runde hatte Romney einen Punktsieg gelandet. Kurz vor der Debatte übernahm US-Außenministerin Hillary Clinton die Verantwortung für die Sicherheitslage vor dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi. Clinton erklärte, Obama sei nicht in die Entscheidung eingebunden gewesen. Diese war zuletzt zum Wahlkampfthema geworden.

Anfang November war die Gelegenheit günstig, da auch der Winter noch nicht zugeschlagen hatte. Einen festgelegten Wahltag für die ganze Nation gab es aber erst ab 1845. Laut Zusatzgesetz sollte künftig am „Dienstag nach dem ersten Montag im November“ gewählt werden.

Was kompliziert klingt, trägt vor allem den religiösen Gefühlen vieler frommer Amerikaner Rechnung: Der Sonntag gehört für viele Gott und dem Kirchgang und nicht einer weltlichen Wahl. Gleiches gilt für den Feiertag Allerheiligen am 1. November. Die umständliche „Dienstag-Formel“ schließt eine Überschneidung aus.

Was sich aber nie per Gesetz regeln lässt, sind Launen des Wetters, denn der Präsident leistet seinen Amtseid unter freiem Himmel. Lange war der 4. März als Termin gesetzt – in der Hoffnung auf den Frühling. William Howard Taft nutzte aber auch das nichts. Als er 1909 den Eid sprach, fielen mehr als 25 Zentimeter Neuschnee. Taft verlegte die Zeremonie kurzerhand ins Innere.

Der Präsident sollte früher mit der Arbeit beginnen – am 20. Januar

Doch den Amerikanern wurden die vier Monate zwischen Wahl und Vereidigung zu lang. Der Präsident sollte eher mit seiner Arbeit beginnen. Der Termin wurde ab 1937 auf den 20. Januar vorgezogen. Statistiker flankierten die Entscheidung mit Daten, die belegten, dass das Wetter im Januar angeblich weniger stürmisch war, als am 4. März – aber auch kälter.

Das bekam Ronald Reagan 1985 zum Auftakt seiner zweiten Amtszeit zu spüren: Bei minus 20 Grad verzichtete er auf die übliche Parade und folgte damit Tafts Beispiel – statt Harrisons.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer