Immer nur Harmonie geht nicht: Von der besten Freundin erwarten viele Frauen besonders viel. Dabei darf auch sie mal unsensibel sein oder einen schlechten Tag haben. Foto: Diagentur
Immer nur Harmonie geht nicht: Von der besten Freundin erwarten viele Frauen besonders viel. Dabei darf auch sie mal unsensibel sein oder einen schlechten Tag haben. Foto: Diagentur

Immer nur Harmonie geht nicht: Von der besten Freundin erwarten viele Frauen besonders viel. Dabei darf auch sie mal unsensibel sein oder einen schlechten Tag haben. Foto: Diagentur

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Immer nur Harmonie geht nicht: Von der besten Freundin erwarten viele Frauen besonders viel. Dabei darf auch sie mal unsensibel sein oder einen schlechten Tag haben. Foto: Diagentur

Berlin (dpa/tmn) - Manche Freundschaften halten ein Leben lang. Für einige Frauen ist die beste Freundin sogar wie eine Schwester, die sie sich aussuchen durften. Aber auch die Wahlschwester macht hin und wieder Fehler. Und das ist gut so.

«Sie ist meine beste Freundin.» Unter Frauen ist das ein magischer Satz. Denn der engsten Vertrauten können sie erzählen, was sonst niemand wissen soll. Manche sprechen sogar von Seelenverwandtschaft - die aber immer wieder auf die Probe gestellt wird. Miteinander befreundete Frauen stehen sich - bildlich gesprochen - gegenüber und spiegeln einander. Wenn die Freundin ein Problem hat, bemerkt die andere das schnell und macht sich Gedanken. «Sie beginnt zu vergleichen, wie sie mit dem Problem umgehen würde», erklärt Annette Weber-Diehl, Coach und Rhetoriktrainerin in Berlin. Ist ihre Freundin aber einfach ein anderer Typ, hat sie nichts von einem Rat à la: «Du müsstet es so machen.» Besser als solche Du-Botschaften sind laut Weber-Diehl Ich-Aussagen: «Ich würde es so versuchen.»

«Viele Frauen verstehen ihre Freundin als verlängertes Ich», stellt die Rhetoriktrainerin fest. «Deshalb erwarten sie, dass die andere alles so macht und sagt wie sie selbst.» Tatsächlich gehe es aber um Empathie. Die Kunst echter Freundschaft bestehe darin, von sich abzusehen und sich in die Lage der anderen zu versetzen. Nur weil zwei Menschen innig verbunden sind, kann der eine noch lange nicht ahnen, was in dem anderen vorgeht. Den Beweis dafür liefert der Psychologe Horst Heidbrink. Er forscht seit 20 Jahren zum Thema Freundschaft an der Fernuniversität Hagen und bat Freundinnen für eine Studie, täglich ihre eigene Stimmung anzugeben und die der besten Freundin einzuschätzen. «Mit der Einschätzung der Gemütslage der anderen lagen die Freundinnen ziemlich oft daneben», so der Wissenschaftler.

Der Anspruch an die beste Freundin sollte deshalb nicht allzu hoch sein. «Man hat es mit einem Menschen zu tun. Andere machen auch mal Fehler, genauso wie man selbst», sagt der Berliner Psychotherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger. Reagiert die beste Freundin mal harsch oder gibt einen wenig konstruktiven Rat, sollte man auf keinen Fall gleich die Freundschaft infrage stellen. «Nicht alles, was meine Freundin tut, ist Absicht. Sie darf auch mal unsensibel, egozentrisch, im Tran oder nicht voll auf der Höhe sein, einen schlechten Tag haben», sagt Weber-Diehl.

Verletzt einen das Verhalten der Freundin, rät die Trainerin, verbindlich, aber bestimmt eine Grenze zu ziehen: «So bitte nicht!» Kritik muss nichts Schlechtes sein. Heidbrink empfiehlt, sie still zu prüfen. «Ist vielleicht etwas Wahres dran?» Tritt eine vermeintliche Freundin immer wieder als Besserwisserin auf, oder fliegen sogar kleine Giftpfeile, kippt das Verhältnis. «Das ist nicht immer gleich bewusst bemerkbar. Eher macht sich mit der Zeit so ein merkwürdiges Gefühl im Bauch breit, oft nach einem Treffen», beschreibt Krüger das Phänomen. Fühle man sich ständig niedergemacht, sei es an der Zeit, das zur Sprache zu bringen.

Auch große Veränderungen stellen viele Frauenfreundschaften auf die Probe: Eine von beiden zieht in eine andere Stadt, bekommt ein Kind oder findet einen neuen Partner - gegen den die andere oft automatisch eine Abneigung entwickelt, wie Krüger beobachtet hat. Damit es nicht so weit kommt, sollte die gute Freundin der frisch Verliebten viele Fragen über den neuen Mann stellen, etwa was sie an ihm mag und wie sie sich fühlt, rät Krüger.

Keine Frau muss alles toll finden, was ihre Freundin mag. Ist sie allerdings ständig nur am Nörgeln über die Aktionen der anderen, sollte sie sich selbst fragen, ob sie eventuell neidisch ist. «Neid ist kein Problem, wenn ich ihn als Anregung nehme, darüber nachzudenken, warum ich neidisch bin», findet Krüger. Mache die Freundin Karriere, sollte sich die andere fragen, was sie sich selbst beruflich wünscht und wie sie es erreichen kann. Neid werde erst dann zum Problem, wenn die eifersüchtige Freundin, die erfolgreiche abwertet, nur um die Spannung in sich selbst zu lösen. Das sollten beide in einem Gespräch klären.

Gerade in Langzeit-Freundschaften ruckelt es immer mal wieder. Ein Konflikt ist aber nicht unbedingt negativ. Oft stärke er eine Freundschaft sogar, weil beide Frauen dadurch miteinander wachsen, sagt Heidbrink. Manchmal löse er aber auch eine Sendepause aus oder lasse die Freundschaft sogar scheitern. «Vielleicht wird aus einer ehemals engen eine eher lockere Beziehung», sagt Heidbrink. Das sei kein Drama, sondern der Lauf des Lebens.

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