Endlich Zeit für den Nachwuchs - das wünschen sich viele berufstätige Eltern. Foto: dpa/tmn
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Endlich Zeit für den Nachwuchs - das wünschen sich viele berufstätige Eltern. Foto: dpa/tmn

Paris/Berlin (dpa) - Kind oder nicht? Kind oder Karriere? Betreuungsgeld oder Betreuungsplatz? Zum Tag der Familie (15. Mai) erklärt eine Expertin, warum Deutschland im internationalen Vergleich ganz gut dasteht und was trotzdem noch alles getan werden muss.

Immer mehr Paare stehen vor der Herausforderung, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Dabei steht Deutschland im internationalen Vergleich gar nicht schlecht da, sagt Monika Queisser von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Die Leiterin der Abteilung für Soziale Politik zum internationalen Tag der Familie (15. Mai):

Wie familienfreundlich sind Betriebe in Deutschland?

Queisser: «Deutschland steht im europäischen Vergleich gar nicht schlecht da. Bei der Arbeitszeitplanung haben Arbeitnehmer innerhalb bestimmter Grenzen ein Mitspracherecht. In vielen anderen Ländern wird das viel rigider gehandhabt. Beispielsweise schreibt Frankreich die Arbeitszeiten vor. Allerdings ist dafür dort die Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen viel besser geregelt. Es gibt von staatlicher Seite viel mehr Angebote, und es wird mehr für die Familienpolitik ausgegeben.»

Wann ist ein Betrieb familienfreundlich?

Queisser: «Das zu erfassen, ist schwierig. Die Stimmung in einem Betrieb, die Kulanz eines Arbeitgebers, wenn das Kind mal krank ist und der Mitarbeiter deswegen ausfällt, kann man mit Zahlen nicht erfassen. Doch wir können erfassen, ob es betriebsinterne Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten oder starre Vorgaben gibt.»

Gibt es ein Musterland?

Queisser: «Es gibt nicht das eine Musterland. Beispielsweise geben Arbeitgeber in den Niederlanden am wenigsten starre Arbeitszeiten vor. Hier arbeiten Frauen und auch Männer viel in Teilzeit. Dafür hapert es wie in Deutschland an der flächendeckenden Kinderbetreuung. Deswegen muss man genau hinschauen, wie viele Teilzeit arbeiten und warum. Weil sie es wollen? Oder weil sie keine andere Möglichkeit haben?»

Und, wollen sie Teilzeit arbeiten oder müssen sie?

Queisser: «Teilzeitarbeit entspricht oft den Wünschen von Familien, aber nicht immer. Wenn Arbeit und Familie schwer vereinbar sind, bleibt nur die Teilzeit, oder Frauen verzichten komplett auf den Beruf. In rasch alternden Gesellschaften wie Japan oder Deutschland steht man vor der Herausforderung, weiterhin Sozialsysteme finanzieren zu können. Deshalb ist es wichtig, gerade Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies beeinflusst auch die Geburtenrate positiv. In Ländern, wo Familien Beruf und Familie besser vereinen können, sind die Geburtenraten höher. In Deutschland sieht das anders aus. Hier entscheiden sich viele Paare gegen ein Kind, weil sie Beruf und Familie nicht unter einen Hut bringen können.»

Was ist das Problem?

Queisser: «Das größte Problem ist eine gute Betreuung am Wohnort. Dabei geht es nicht nur um Kleinkinder. Es geht auch um die Betreuung von Kindern im Grundschulalter, die zu Beginn nur wenige Stunden Unterricht haben. Gerade für Familien, die nicht in Großstädten leben, ist es sehr schwierig eine passende Betreuung zu finden. Wenn dann keiner aus der Familie helfen kann, müsste Personal eingestellt werden, und das wird oft sehr teuer. Für Alleinerziehende und ihre Kinder kann das dann schnell zum Armutsrisiko werden.»

Wer sind die Hauptleidtragenden?

Queisser: «Alle Beteiligten. Man darf das nicht zu einem reinen Frauenproblem machen. Es ist auch eine Herausforderung für Väter. Kinder brauchen eine gute und zuverlässige Betreuung, unabhängig davon wer diese übernimmt. Beide Elternteile wollen mit ihren Kindern mehr Zeit verbringen und dabei auch ihrer Arbeit nachgehen.»

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