Die junge Branche ist auf dem Vormarsch. Ein Erfahrungsbericht.

HOME STAGING
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Vorher – nachher: Home Staging kann den Verkauf leichter machen, auch weil Distanz zum vertrauten Objekt geschaffen wird.

Solingen. Nur ein paar Handgriffe, und die so vertraute, in die Jahre gekommene Küche mit all ihren Utensilien wirkt ganz anders. Das gemütliche, aber aus heutiger Sicht sehr dunkle Kaminzimmer präsentiert sich hell und modern. Im Schlafzimmer, wo in der Erinnerung noch ein Pflegebett steht, zeigt ein Schreibtisch vor dem Fenster neue Nutzungsmöglichkeiten.

Home Staging ist mehr, als ein paar Kissen zurechtzurücken

Vor dem Verkauf können Häuser von einer professionellen Home Stagerin aufgemöbelt werden. Die bei uns noch ziemlich unbekannte Branche ist in den USA und in Großbritannien längst Alltag.

Vor zwei Jahren hat der Solinger Makler Stefan Jäger, Prokurist der Kissel-Plus GmbH, das Feld für sich entdeckt. Häufig gingen Häuser in den Verkauf, an denen jahrzehntelang nichts getan wurde.

Aber nur sehr wenige Interessenten könnten sich vorstellen, wie ein Raum mit einer anderen Einrichtung aussieht oder womöglich völlig anders genutzt werden kann. Ganz leere Immobilien wirkten auch wenig einladend. „Ich dachte eigentlich, wir könnten das selbst leisten“, meint Jäger und muss rückblickend schmunzeln.

Dass sich hinter Home Staging mehr verbirgt, als ein paar Kissen zurechtzurücken und aufzuräumen, merkte er spätestens, nachdem er an einem Seminar der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign teilgenommen hatte.

Die Deutsche Gesellschaft für Home Staging und Redesign (DGHR) mit Sitz in Wiesbaden gibt Tipps für alle, die sich für den Beruf oder das Angebot interessieren.Weitere Infos: dghr-info.de

Für ein Home Staging sollten zwischen ein und drei Prozent des Verkaufserlöses kalkuliert werden. Bei der Erstberatung werden Vorschläge unterbreitet, wie die Räume schöner präsentiert werden können. Nach Wunsch kann der Verkäufer diese Ideen auch in Eigenregie umsetzen. Rund zwei Stunden Erstberatung kosten 199 Euro (inklusive Mehrwertsteuer). Wenn das Team zum Einsatz anrückt, kostet ein Tag 498 Euro (inklusive Mehrwertsteuer, zuzüglich Material).

Der Verband privater Bauherren (VPB) warnt vor dem Home Staging und rät, einen Sachverständigen zur Besichtigung mitzunehmen, weil Mängel bewusst vertuscht würden. Ein Vorwurf, der von seriösen Home Stagern entschieden zurückgewiesen wird.

Dass das Home Staging in anderen Ländern verbreiteter ist, mag daran liegen, dass etwa Skandinavier im Laufe ihres Lebens im Schnitt sieben Immobilien verkaufen. In Deutschland wird ein Haus nach 40 Jahren verkauft.

Seit Anfang dieses Jahres arbeitet Stefan Jäger mit Wiebke Rieck zusammen. 2009 entdeckte die Wittener Diplom-Ingenieurin der Innenarchitektur das Home Staging für sich und ist mit ihrer Firma erste Anbieterin dieses Services im Ruhrgebiet.

Vier Häuser hat die Home Stagerin bisher in Solingen gekonnt in Szene gesetzt. Jäger: „Sie wurden schneller und zu einem höheren Preis verkauft, lange Leeerstände und ermüdende Besichtigungen wurden vermieden.“

Alles erinnert etwas an TV-Einrichtungsformate

Wenn Wiebke Rieck zum Einsatz kommt, hat das schon etwas von TV-Einrichtungsformaten. Im Kleintransporter stapeln sich Bilder und Deko-Pflanzen. Längst verfügt die Home Stagerin über mehrere Lagerräume, schafft es aber auch, vorhandene Schränke in einen ganz anderen Zusammenhang zu rücken.

Bei Bedarf kommen Putzkommandos oder Handwerker, die einen neuen Teppich verlegen oder die Wände übertünchen. Das Vertuschen von heftigen Schäden wie Schimmel ist aber Tabu.

Das Loslassen wird nach der Neugestaltung leichter

Eine große Rolle nimmt beim Home Staging auch die Beleuchtung ein. Hinterher wirkt jedenfalls nichts mehr so, wie es früher einmal war. Was auch für die nötige Distanz zum vertrauten Objekt sorgt – und das Loslassen und den Verkauf leichter macht.

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