Der Spagat zwischen Beruf und Familie macht heimatlos – und lohnt sich doch.

Monika Werner-Staude an ihrem Arbeitsplatz...
Monika Werner-Staude an ihrem Arbeitsplatz...

Monika Werner-Staude an ihrem Arbeitsplatz...

...und mit ihren Kindern Constantin und Caroline.

Judith Michaelis/ Hans-Michael Staude, Bild 1 von 2

Monika Werner-Staude an ihrem Arbeitsplatz...

Düsseldorf. Wieder so ein (Frauen-)Thema, über das alles bereits geschrieben scheint. Was also tun, um ein gelangweiltes Weiterblättern zu verhindern?

Zahlen sprechen lassen: Bei einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung zum Thema Doppelbelastung gaben 87 Prozent der Befragten Familie und Kinder als Grund für die Benachteiligung von Frauen in Gesellschaft und Beruf an.

Und: 70 Prozent der Mütter mit Kind(ern), das (die) mindestens zehn Jahre alt ist (sind), ist laut NRW-Familienministerium erwerbstätig.

Oder: Daran erinnern, dass fast jeder irgendwann in seinem Leben betroffen ist oder sein könnte, wenn er/sie Familie haben will. Wenn auch nach wie vor vor allem die Frau den Spagat zwischen Familie und Beruf lebt.

Aus dem Leben einer Doppelbelasteten: Die Vollzeit-Mutter, die stets vor Heirat und Kinderkriegen warnte, gab die Richtung vor. Schule, Studium, Volontariat und dann der Eintritt ins Berufsleben. Lange Zeit war frau so völlig ausgelastet. Auch die Heirat änderte daran – zunächst – nichts: double income, no kids.

Bis halt doch etwas, pardon jemand, zu fehlen begann – und ein Zwillingspaar (entsprechend später) das wirkliche Glück auf Erden herstellte. Auch jetzt war frau völlig ausgelastet, allerdings ausschließlich mit dem Nachwuchs und dem Haushalt (den sie und er sich in der Vorfamilienzeit einigermaßen gleichberechtigt aufgeteilt hatten).

„Urlaub“ in der zweiten Wochenhälfte

Allerdings war frau plötzlich vom (Berufs-)Leben da draußen abgeschnitten, von einem Leben, das der frisch gebackene Alleinernährer der Familie weiterführte. Also bemühte frau sich um eine Rückkehr an den Arbeitsplatz, was ihr dank Weiterbildung und Reduzierung der Arbeitszeit auch gelang. Seither lebt sie in zwei Welten und ist glücklich bis ans Ende der Zeit.

Na ja, nicht ganz. Die Teilzeitfrau ist nämlich nirgends richtig zuhause. Während sie für Chef und Kollegen regelmäßig in der zweiten Wochenhälfte in Urlaub geht und eigentlich nie da ist, managed sie das Unternehmen Familie im Schweinsgalopp, das, nebenbei bemerkt, immer noch nach weitgehend traditionellen Rollenmustern abläuft.

Man rutscht leicht in die Perfektionsfalle

Folge 1: Sie lebt nur noch in Zeitfenstern, ist stets verfügbar. Folge 2: Pausen sind mit unerledigten Aufgaben zu füllen. Denn Folge 3 weiß: Feierabend gibt es nicht, es bleibt immer etwas liegen. Das allerdings, so Folge 4, durchaus auch liegen bleibt, wenn sie es nicht tut. Fazit: Frau lebt mit dem schlechten Gewissen gegenüber beiden Welten, denen sie nie ganz gerecht zu werden meint. Heißt: Frau sitzt in der Perfektionsfalle fest.

Alles schon mal gelesen? Stimmt, aber es ist nach wie vor Realität in der Bundesrepublik des Jahres 2012. Weder die lückenlose Kinderbetreuung noch die Familien konforme Arbeitswelt ist verwirklicht. Ein Handikap, das übrigens auch Väter ausbremst, die mehr Erziehungs- und Betreuungsaufgaben übernehmen wollen.

„Eine Vielzahl von Müttern, die zuhause bleiben, können sich gut vorstellen, erwerbstätig zu sein, wenn sie eine verlässliche bedarfsorientierte Kinderbetreuung zur Verfügung hätten“, heißt das dann vom NRW-Familienministerum.

Trotz Elternzeit und Kindergeld – der männliche Familienernährer wird im Berufsleben geschätzt, Mütter dagegen sind ein wirtschaftliches Risiko. Ihre besonderen Fähigkeiten – Stichwort: Organisation und sogenannte Soft Skills – werden zwar gelobt, aber nicht wirklich geschätzt. Jedenfalls nicht so, dass sie Beruf und Familie leichter unter einen Hut bringen kann.

Auf Anerkennung und Unterstützung hoffen

Über Karriere braucht frau da nun wirklich nicht nachzudenken. Und dass die Situation für Alleinerziehende oder die stark wachsende Zahl der Familienernährerinnen noch um einiges schwieriger ist, sei hier ebenfalls nur am Rande erwähnt.

Und doch funktioniert das Leben in zwei Welten – irgendwie. Weil beide Welten für Frau (und Mann) wichtig sind. Es lohnt sich also, auf Anerkennung und Unterstützung zu hoffen. Und darauf, dass sich in der Gesellschaft etwas ändert, so dass ohne Ansicht des Geschlechts Beruf und Familie vereinbar werden. Vielleicht schon für die eigenen Kinder.

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