Immer mehr Menschen verzichten abends auf Kohlenhydrate. Für sie wurde ein spezielles Brot entwickelt.

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Großbild Judith Michaelis

Viele Bäcker verkaufen das spezielle Abendbrot. Es enthält besonders viel Eiweiß, aber wenig Kohlenhydrate.

Düsseldorf. Brot hat ein Image-Problem. Als Kohlenhydrat-Lieferant hat es in vielen Ernährungs- und Diätplänen seinen festen Platz verloren, vor allem am Abend. Immer mehr Menschen – ob mit oder ohne Figurproblem – setzen abends auf eiweißreiche Ernährung, knabbern Salat und essen vielleicht ein Steak dazu. Das heißt dann „Low Carb“ („wenig Kohlenhydrate“) oder „Schlank im Schlaf“ und soll eine hohe Insulin-Ausschüttung vermeiden, die die nächtliche Fettverbrennung blockiert.

Das Brot enthält viele Saaten, ist aber nicht besonders würzig

Allerdings fällt es vielen schwer, die Finger vom traditionellen Abendbrot zu lassen. Für diese Menschen gibt es nun Hoffnung: Viele Bäckereien haben ein eiweißreiches und zugleich kohlenhydratarmes Brot im Angebot, das angeblich optimal zur Low-Carb-Ernährung passt. Eines davon wurde gemeinsam mit Detlef Pape, dem „geistigen Vater“ des Schlank-im-Schlaf-Prinzips, entwickelt. „Die Rezeptur ist genau darauf abgestimmt“, sagt Stefan Regenhardt von der ProVista AG, die das original Eiweiß-Abendbrot vermarktet.

Entwickelt wurde das Brot gemeinsam mit der Firma Rietmann in Saarlouis, die auf Backmischungen spezialisiert ist. „Belegt werden darf es mit allem, was arm an Kohlenhydraten ist, also mit Käse, Wurst, Milchprodukten und Gemüse“, sagt Regenhardt.

Das Eiweiß-Abendbrot erinnert an ein herkömmliches Mehrkornbrot. Besonders würzig schmeckt es allerdings nicht. „Zu viel Salz bindet Wasser im Körper, und das ist hinderlich beim Abnehmen“, sagt Regenhardt.

Es gibt bis jetzt noch keine Langzeitstudien über Low Carb

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat das Brot noch nicht im Speziellen untersucht. „Aber grundsätzlich ist der langfristige Erfolg von Low Carb fraglich“, sagt Sprecherin Antje Gahl. Es gebe noch keine Langzeitstudien – so wisse man beispielsweise nicht, wie sich eine besonders eiweißreiche Ernährung auf die Organe auswirke.

Das Eiweiß-Abendbrot enthält eine spezielle Eiweißmischung und verschiedene Saaten. Der Eiweißwert ist rund fünfmal so hoch wie bei einem herkömmlichen Roggen- oder Weizenmischbrot. Dafür sind die Kohlenhydrate entsprechend reduziert und rund fünfmal niedriger. Allerdings enthält es relativ viel Fett, ungefähr 10,3 Prozent.

Abends sind nach Empfehlungen von ProVista etwa 100 Gramm des Brotes erlaubt, das entspricht drei Scheiben.

In unserer Region gibt es das „offizielle“ Eiweiß-Abendbrot bei den Bäckereiketten Schneider, Siebrecht, Sondermann, Terbuyken und Wulf (ohne Gewähr).

Das Schlank-im-Schlaf-Prinzip empfiehlt drei Mahlzeiten am Tag, zwischen denen jeweils fünf Stunden liegen sollten. Morgens sollte man sich demnach kohlenhydratreich ernähren, beispielsweise Brötchen mit Marmelade essen. Mittags gibt es Mischkost, zum Beispiel Nudeln mit Gemüse. Abends sollte die Ernährung nach Low-Carb-Regeln dann eiweißreich und kohlenhydratarm sein.

„Low Carb ist von der Idee her gut – aber kein Ernährungsstil, der normalgewichtigen und gesunden Menschen empfohlen werden sollte“, sagt Professor Manfred James Müller vom Institut für Lebensmittelkunde an der Uni Kiel. Wer sich an die Empfehlungen der DGE halte, sei generell auf der sicheren Seite. Demnach solle man sich vor allem ausgewogen ernähren, viel Obst, Gemüse und Getreideprodukte und wenig Fettiges essen. Gut geeignet sei Low Carb jedoch für Übergewichtige und Diabetiker. „Für sie kann das Brot bei der Ernährung sicher hilfreich sein.“

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