Italien: Das Skigebiet Cinque Torri und Lagazuoi in den Dolomiten ist klein, spartanisch und abgelegen. Gerade deshalb ist es einen Tagesausflug wert.

Tolle Aussicht und jede Menge Platz zum Skifahren: Für den ehemaligen Weltklasse-Skirennläufer Peter Runggaldier ist das Skigebiet Cinque Torri und Lagazuoi ein Geheimtipp.
Tolle Aussicht und jede Menge Platz zum Skifahren: Für den ehemaligen Weltklasse-Skirennläufer Peter Runggaldier ist das Skigebiet Cinque Torri und Lagazuoi ein Geheimtipp.

Tolle Aussicht und jede Menge Platz zum Skifahren: Für den ehemaligen Weltklasse-Skirennläufer Peter Runggaldier ist das Skigebiet Cinque Torri und Lagazuoi ein Geheimtipp.

Carsten Icks

Tolle Aussicht und jede Menge Platz zum Skifahren: Für den ehemaligen Weltklasse-Skirennläufer Peter Runggaldier ist das Skigebiet Cinque Torri und Lagazuoi ein Geheimtipp.

Alta Badia. Müsste hier nicht irgendwo eine Skischaukel sein? In den Dolomiten ist es schon bemerkenswert, wenn es einmal keine direkte Liftverbindung zwischen zwei Tälern gibt. Einen großen Teil der 1200 Pistenkilometer im Verbund Dolomiti Superski können Urlauber zurücklegen, ohne die Ski abzuschnallen. Doch hin zum Lagazuoi und den Cinque Torri geht es nur mit dem Bus. Wer sich davon nicht abeschrecken lässt und zwischen Cortina D’Ampezzo, Armentarola und Arabba aussteigt, hat so etwas wie eine Zeitreise gemacht - und wird mit einem unvergleichlichen Skitag belohnt.

Das Gefühl, dass dieses kleine Skigebiet mindestens 30 Jahre lang die moderne Lifttechnik unbeeindruckt hat passieren lassen, stellt sich spätestens auf halber Höhe zum Nuvolao ein. Hier zuckelt noch ein Einer-Sessellift in Richtung Gipfel. Es gibt Sessel, die die achtfache Personenzahl in dreifacher Geschwindigkeit auf den Berg bringen. Doch wenn man ehrlich ist, reicht dieses Relikt aus einer vergangen geglaubten Zeit aus, um die wenigen Skifahrer zu befördern, die sich hierher verirrt haben. Selbst bei gutem Wetter bilden sich an einem Sonntag in der Nebensaison keine langen Schlagen an der Talstation.

Langsame Lifte bedeuten viel Platz auf den Pisten

Ob die alte Technik Ursache oder Ergebnis des schwachen Besuchs ist? Vermutlich von beidem etwas. Bei Dolomiti Superski scheint man es selber nicht genau zu wissen. Einerseits haben die Verantwortlichen die Journalistengruppe gezielt hierher gefahren. Auf das Gefrotzel über Liftmaterial aus napoleonischer Zeit waren sie aber offenbar nicht so richtig vorbereitet. Der stets smarte Dolomiti-Repräsentant und ehemalige Weltklasse-Skiläufer Peter Runggaldier bemüht sich bei einer Fahrt im Zweiersessel ums Aufzeigen einer Perspektive: Cortina, so erzählt er, habe ja auch durchaus Interesse, die Liftverbindung zu den Cinque Torri herzustellen. Ob es schon ein Projekt gebe? Nein, so weit sei man dann doch noch nicht.

Mittelfristig bleibt also vermutlich alles beim Uralten. Und vielleicht ist das gar nicht schlecht. Denn hat man es erstmal auf den Berg geschafft, offenbart das kleine Skigebiet, dass langsame Lifte und wenige Touristen unter dem Strich etwas inzwischen Seltenes ergeben: viel Platz zum Skifahren. Wo Menschenmassen nicht im Rekordtempo auf den Berg befördert werden, können Sie auch die Hänge nicht verstopfen.

Schon bald nach dem ersten Naserümpfen erfreut sich der sportliche Skifahrer an toll präparierten, fast menschenleeren Abfahrten, nutzt beim rasanten Carven unbesorgt die volle Pistenbreite aus.

Der Einstieg ins Skigebiet Cinque Torri und Lagazuoi ist oben auf dem Falzarego-Pass. Wer die Lagazuoi-Abfahrt machen möchte, ist auf einen kostenpflichtigen Bus oder ein Taxi angewiesen.

Im Ersten Weltkrieg verlief die Frontlinie über den Kleinen Lagazuoi. Österreicher und Italiener trieben Stollen in den Berg, verschanzten sich dort und versuchten, sich gegenseitig mit dutzenden Tonnen Sprengstoff aus ihren Stellungen zu sprengen. Teile der natürlichen Festung können heute besichtigt werden.

Der Genuss-Skifahrer kann indes abseits der hoch frequentierten Sella-Ronda die Langsamkeit neu entdecken, einfach mal den Ausblick und die Bergluft genießen. Bei alledem muss er auf gutes Essen nicht verzichten. Tipp: Die Hütte Averau.

Und dann ist da ja noch der Lagazuoi. Wenn es nachmittags auf Ski zurück in Richtung Sella Ronda gehen soll, stellt sich die mächtige Steilwand in den Weg. Schon die Fahrt hinauf ist beeindruckend. Die Kabinenbahn pendelt ohne einen einzigen Stützpfeiler zwischen Tal- und Bergstation. Oben bietet sich auf 2778 Metern ein toller Rundumblick.

Doch all das ist nichts gegen die Abfahrt auf der Rückseite. Die 7,5 Kilometer hinab nach Armentarola gehören zum Schönsten, was man in den Alpen auf Brettern erfahren kann. Aus der Luft betrachtet sieht die Felsformation aus wie ein U. Der Skifahrer schwingt zwischen den beiden Schenkeln eine rote Piste hinab, passiert einen gefrorenen Wasserfall und kommt streckenweise so dicht an die senkrechten Felswände heran, dass sie zum Greifen nah scheinen.

Nach 700 Höhenmetern empfiehlt sich ein Stopp an der Hütte Scotoni, die direkt am Fuß einer Steilwand erbaut wurde. Am Ende der Piste wartet dann ein 2-PS-Lift schnaubend und wiehernd auf Kundschaft. Wer sich nicht auf dem langen Ziehweg quälen möchte, zahlt zwei Euro und hängt sich am Seil hinter eine Pferdekutsche. Um diese Erfahrung reicher wirkt der Einer-Sessel schon fast wieder modern.

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