Von Andrea Tapper
Ein Trostpflaster gegen den verregneten Sommer: Mallorca bietet Sonne und Wärme, Leckereien in der Altstadt und Schönheits-Oasen.
Cap Rocat: Die ehemalige Festung ist heute ein Fünf-Sterne-Hotel mit tollem Ausblick.
Düsseldorf. Der Springbrunnen plätschert, die Sonne knallt. Manjule massiert mit einem Kräuterstempel, der nach Limone und Rosmarin duftet. Im Tal blöken Schafe. Es ist Herbst auf Mallorca und doch ist der Sommer noch im vollen Gang. Die Kräutermassage gehört zur ersten Ayurveda-Farm, die in diesem Jahr von einem Wuppertaler im Herzen der Insel eröffnet wurde.
Was hat die asiatische Gesundheits- und Ernährungslehre, die „Mutter aller Medizin“, im Mittelmeer verloren? „Die Idee war ganz einfach“, erklärt Jürgen Sehnbruch. „Nach Indien zu reisen, ist beschwerlich. Wir wollten die 7000 Jahre alte Wellness-Philosophie einfach näher an unsere Heimat bringen. Das warme Klima Mallorcas und die relaxte Atmosphäre sind ideal dafür.“
Ayurveda und 3000 Elefanten
Sehnbruchs Wohlfühl-Finca liegt nahe des malerischen Porreres: Zwischen Seerosen-Teichen und Zypressen, mit Weitblick übers Land, bietet er strenge mehrwöchige Kuren ebenso an wie entspannte Schnupper-Wochenenden. Die Therapeuten und Köche stammen aus Sri Lanka. Weltenbummler Sehnbruch, der zuletzt Schlossherr auf Schloss Lüntenbeck in Wuppertal war, hat jetzt mit der Finca seinen Lebenstraum verwirklicht.
Der ehemalige Messeplaner war in Asien und in Afrika im Einsatz, bevor er sich 2003 auf Mallorca niederließ: „Ich habe gemerkt, wie entspannend und gesundheitsfördernd eine Ayurveda-Kur ist“, sagt der 64-Jährige – der aus Asien nicht nur indische Massagen, sondern auch einen Elefanten-Tick mitgebracht hat: Rund 3000 graue Riesen tummeln sich auf der gemütlichen „Elefantorre“-Finca – nicht lebendig, sondern als Mini-Zierfiguren bis zu mannsgroßen Gartenstatuen.
Wer nicht unbedingt Ayurveda machen will, sondern einfach nur mal entspannen, ist auf Sehnbruchs ganzjährig geöffneter Wellness-Finca ebenso willkommen.
Im Boudoir der Rosendüfte
Ganz auf Schönheit setzt auch Trudi Murray in Palmas Altstadt. Betörender Rosenduft zieht Neugierige von der Straße in ihren Laden im Sa Gerreria-Töpferviertel nahe der Placa Coll. Exquisite Naturseifen und Cremes rührt die gebürtige Deutsche per Hand im Kräutergarten hoch über dem Schicki-Micki-Hafen von Andraitx an, aus Rosen, Rosmarin, Minze und sogar Schokolade.
„Wir wollten die 7000 Jahre alte Wellness- Philosophie näher an unsere Heimat bringen.“
Jürgen Sehnbruch
Nach dem Schönheits-Ausflug winkt eine ganz besondere Belohnung: Eine neue Tapas-Tour in Palma, die jeden Dienstag ab 19.30 Uhr direkt vor Trudis Lädchen in der Bar Farina beginnt.
Joaquin serviert Datteln im Speckmantel und erklärt das Prinzip der Tour: Zum Sonderpreis von zwei Euro pro Bar gibt es ein Glas Wein plus mehrere Appetithäppchen vom Serrano-Schinken über Boccorones (Sardellen) bis zur Tortilla. Mehr als 20 Kneipen an der Placa Sant Francesc machen bei der Aktion bereits mit. Wo man anfängt und wann man aufhört, ist jedem selbst überlassen.
Mallorca erfindet sich trotz Massentourismus immer neu
Grüppchen junger Leute stehen in den Gassen, trinken, reden und futtern. Die Mallorquiner sind neuerdings ganz verrückt nach Tapas, obwohl der Brauch eigentlich vom spanischen Festland stammt. Vom 7. bis 11. Oktober findet in Palma sogar eine Tapas-Messe statt. Dass sich die Insel auch nach 50 Jahren Massen-Tourismus immer wieder neu erfindet, ist Mallorcas großes Plus – jetzt sogar mit Blick auf den Ballermann.
Während die Diskussionen um die Modernisierung der Arenal-Bucht weitergehen, hat gegenüber auf der Halbinsel von Cala Blava das wohl außergewöhnlichste Hotel Europas eröffnet, ein Boutiquehotel versteckt im Bauch eines Festungshügels.
Wo früher 2000 Soldaten schliefen, wird gegessen. In den 24 Suiten lagerte einst die Munition. Jeder Gast hat sein eigenes Sonnen-Himmelbett auf dem Hügel mit Blick aufs tiefblaue Meer. Vom Wasser ist das geschickt getarnte, nie umkämpfte Fort komplett unsichtbar.
Zum Frühstück gibt es einen Picknick-Korb auf dem Zimmer: Melonen-Erdbeer-Saft, hausgemachte Joghurts, Frischkäse-Dips, mallorquinische Gebäckspezialitäten. So viel Komfort ist nicht billig, doch für zwei oder drei ganz besondere Nächte kann man sich die Fünf-Sterne-Festung schon mal gönnen.
Weg vom Luxus, hin zur erschwinglichen Spitzenküche schwenkt gerade Meisterkoch Marc Fosh, der „Tim Mälzer der Balearen“. Er hat seinen Michelin-Stern hinter sich gelassen und serviert in seinem dritten Lokal, Misa Braseria, in einem romantischen Innenhof in der Shopping-Zone Palmas seine innovativen Vier-Gänge-Menüs mit Wein für 29 Euro.
Die herrlich altmodische Bucht von Sóller
Für Strandliebhaber ist im Spätsommer die herrlich altmodische Bucht von Sóller besonders schön. Im romantischen „Agapanto“-Restaurant sitzen Gäste bei Kerzenlicht ganz nah am Wasser auf der Terrasse. So schön ist Mallorca, wenn bei uns schon die Blätter fallen.

