Schon von weitem ist die Shwedagon-Pagode in Ragun zu sehen - ihre Schönheit macht manchmal sogar den Trubel in den vollen Straßen vergessen. Foto: Stephan Scheuer
Schon von weitem ist die Shwedagon-Pagode in Ragun zu sehen - ihre Schönheit macht manchmal sogar den Trubel in den vollen Straßen vergessen. Foto: Stephan Scheuer

Schon von weitem ist die Shwedagon-Pagode in Ragun zu sehen - ihre Schönheit macht manchmal sogar den Trubel in den vollen Straßen vergessen. Foto: Stephan Scheuer

Überwältigender Prunk: Die Shwedagon-Pagode in Rangun ist innen so golden wie außen. Foto: Stephan Scheuer

Majestätisch wirken in Rangun nicht nur sakrale Bauten: Dieses palastähnliche Gebäude ist ein Restaurant. Foto: Stephan Scheuer

Ein kleiner Snack zwischendurch? Diese Frauen verkaufen in Birmas Hauptstadt Naypyidaw frisches Obst auf der Straße. Foto: Stephan Scheuer

Ein unvergesslicher Anblick: die Shwedagon-Pagode in Rangun bei Nacht. Foto: Stephan Scheuer

dpa, Bild 1 von 5

Schon von weitem ist die Shwedagon-Pagode in Ragun zu sehen - ihre Schönheit macht manchmal sogar den Trubel in den vollen Straßen vergessen. Foto: Stephan Scheuer

Berlin/Rangun (dpa/tmn) - Birmas Tourismus hat ein gewaltiges Potenzial. Das Land scheint aber gar nicht so recht zu wissen, wie ihm geschieht. Auch die Reiseveranstalter merken das. Bisher gibt es nicht einmal genug Betten in der größten Stadt Rangun.

Majestätisch ragen die Spitzen der goldenen Pagoden in den Himmel, leuchten schon aus der Ferne. Die sakralen Bauten bleiben jedem Besucher Birmas im Gedächtnis. Helga Hauck schwärmt von dem Land am Indischen Ozean, um das viele Touristen in den vergangenen Jahren einen Bogen machten. «Es war wunderbar», sagt die 76-Jährige nach einer zweiwöchigen Tour. Die Pagoden, die lange Schiffstour, die freundlichen Menschen - die Eindrücke sprudeln nur so aus ihr heraus. «Vieles ist noch so ursprünglich. In ein paar Jahren wird das wohl nicht mehr so sein», sagt sie.

Nach fast 50 Jahren Militärherrschaft trat in Birma im März 2011 eine reformorientierte Zivilregierung an. «Jetzt kann man wieder in das Land reisen», sagt Hauck. Jahrelang hatten Menschenrechtsorganisationen von Besuchen abgeraten, da die Militärregierung von Einnahmen aus dem Tourismus profitierte.

Inzwischen hat sich Birma geöffnet. Allein 2011 stieg die Zahl der internationalen Besucher am Flughafen von Rangun im Vergleich zum Vorjahr um rund 22 Prozent, teilt das Fremdenverkehrsamt Birmas mit. Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für das lange Zeit abgeschottete Land. Auf 319 Millionen Dollar bezifferte eine Beraterin der Tourismusbehörde vor einigen Monaten die Einnahmen für 2011. Im Jahr 2010 seien es 254 Millionen Dollar gewesen.

Vor allem deutsche Touristen entdecken das Land als Reiseziel. «Seit der Reisemesse ITB im März ist der Umsatz mit deutschen Touristen um mehr als 50 Prozent gestiegen», sagt Bettina Grünenberg-Joseph vom birmanischen Fremdenverkehrsamt. 2011 registrierte das Fremdenverkehrsamt am Flughafen in Rangun gut 13 000 Deutsche. Dieses Jahr landeten dort bis Oktober bereits deutlich mehr als 14 000 Reisende aus Deutschland.

Doch da beginnen die Probleme: Es gebe nicht genug Hotels in der Stadt, um die große Menge an Touristen unterzubringen, sagt Grünenberg-Joseph. Bis zu dreimal so viele Zimmer wie derzeit verfügbar könnten Hoteliers vergeben.

Die Beliebtheit des Landes mit seinen rund 50 Millionen Einwohnern bringt weitere Tücken mit sich: Der Reiseveranstalter Tui konnte die Zahl der Gäste nach eigenen Angaben zwischen April und Oktober 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar mehr als verdoppeln - Tui spricht von einem geringen Niveau, gibt aber keine absoluten Zahlen bekannt. Mit Beginn der anschließenden Wintersaison verlangten die Hotels allerdings bis zu 300 Prozent mehr Geld für ein Zimmer. «Hotels in Rangun hatten diesen Winter immense Preissteigerungen - weil die Nachfrage so groß ist», sagt Fernreiseleiter Steffen Boehnke.

Gerade in Rangun sei die Zahl der Betten oft knapp. «Wir als Reiseveranstalter wünschen uns größere Kontingente, denn die Nachfrage ist gegeben», sagt Boehnke. Die frühere britische Kolonie habe ein großes touristisches Potenzial. Allerdings sei die Infrastruktur vielerorts noch nicht gut ausgebaut. Daher dauere das Reisen lange.

Grünenberg-Joseph bezeichnet Rangun auch als Nadelöhr für Reisen in den Rest des Landes. Neue Hotels könnten nicht über Nacht gebaut werden. Bei den lokalen Hotelbesitzern herrsche Goldgräberstimmung. «Jeder will etwas von dem Kuchen abhaben.» Solange sich am Markt nicht grundsätzlich etwas ändere, könnten Hotelbesitzer weiterhin ihre Preise drastisch anheben. Ihr sei ein Fall bekannt, in dem ein Hotelier die Zimmerpreise von 40 Dollar auf 150 Dollar erhöhte.

Von einem eher langsamen Anstieg der Buchungszahlen spricht Studiosus-Sprecher Frano Ilic. «Es geht nicht sprunghaft.» Vor dem Mönchsaufstand 2007 und dem Zyklon Nargis 2008 reisten in guten Jahren 1000 Touristen mit dem Veranstalter nach Birma, zu dem auch die Marke Marco Polo gehört. Für 2012 geht Ilic von gut 700 Touristen aus - im Vorjahr waren es knapp 600.

Bei Meier's Weltreisen erholten sich die Zahlen nach 2007 schnell wieder. «Wir erwarten für 2013 eine weiterhin starke Nachfrage, eventuell mit einem Zuwachs von um die 20 Prozent», sagt Sedat Tatli, Produktleiter für Asien. Einen echten Boom sieht er jedoch nicht. Und auch er sagt: «Die Herausforderung sind die Engpässe bei den Hotels.»

Reisende müssen sich vorerst also noch auf fehlende Hotelzimmer und sprunghaft steigende Preise einstellen. Allerdings hat die Regierung das Problem erkannt. Ein Regierungsvertreter kündigte im Dezember an, notfalls auch in die Preisgestaltung der Hotels einzugreifen. Ob sich für Urlauber tatsächlich etwas ändert und wann, ist allerdings noch unklar.

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