Erste Premium-Wanderwege sind bei Markdorf eröffnet.

Blick über die Landschaft: Fünf Länder kann sehen, wer auf dem Premiumwanderweg unterwegs ist.
Blick über die Landschaft: Fünf Länder kann sehen, wer auf dem Premiumwanderweg unterwegs ist.

Blick über die Landschaft: Fünf Länder kann sehen, wer auf dem Premiumwanderweg unterwegs ist.

Steidel

Blick über die Landschaft: Fünf Länder kann sehen, wer auf dem Premiumwanderweg unterwegs ist.

Markdorf. Ein Apfelschimmel wiehert auf der Weide. Blinzelt in die Mittagsonne, streicht um den großen alten Birnbaum in der Mitte seiner Wiese. Irgendwo tuckert ein Traktor über den Hof. Es duftet nach frischem Gras, Heu und es stinkt leicht nach Pferdeäpfeln.

Mittagspause am Linzgaublick. Auf einer Schaukelliege kann man die Füße weit von sich strecken. Sich zurückfallen lassen und das Landleben mit allen Sinnen genießen.

Hier, sieben Kilometer vom Ufer entfernt, ist der Bodensee ganz nah und doch so weit weg. Keine Spur von den Neubaugebieten und Schnellstraßen, die sich wie ein Gürtel um ihn legen.

Das Landschaftsbild erscheint grafisch gut aufbereitet auf einer großen Tafel am Parkplatz Vogelsang in Markdorf-Möggenweiler. Hier beginnt der „Guck ins Land“, einer von drei neuen, vom Deutschen Wanderinstitut zertifizierten Premium-Wanderwegen, die das Bodensee-Hinterland erschließen.

Fünf bis sechs Stunden auf dem Rundwanderweg

Naturnah und abwechslungsreich sollen sie sein, gut beschildert, damit man sich nicht verlaufen kann. Und bequem. Die Schaukelliege am Linzgaublick ist nur eines von mehreren Möbelstücken, auf denen der Wanderer sich zurücklehnen kann. Der „Guck ins Land“ ist ein Rundwanderweg von 15,2 Kilometern Länge. In fünf bis sechs Stunden sollte man ihn geschafft haben, 468 Meter Höhenunterschied sind etwas für die mittlere Kondition.

Die „Bodensee Landgänge“ sind die ersten vom Deutschen Wanderinstitut zertifizierten Premiumwanderwege am Bodensee. Sie führen bei Markdorf durchs Hinterland. Die beste Aussicht hat der „Guck-ins-Land“ (15,2 Kilometer), am kürzesten ist die Strecke „Bermatinger Waldwiesen“ (9,3 km), am anspruchsvollsten die „Bergtour Höchsten“ (16,4 km). Alle drei sind Rundwanderwege.

 

Infos: www.bodensee-landgaenge.de

Empfehlenswert ist beispielsweise der Wirtshof in Markdorf, der sowohl ein gemütliches Hotel als auch einen guten Campingplatz betreibt.


Info-Telefon: 07 544/50 990.
Internet: www.wirthshof.de

Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee, Marktstraße 1, 88 677 Markdorf, Telefon 07 544/500 290.

 

Internet: www.gehrenberg-bodensee.de

Seinen Namen verdankt er dem Umstand, dass man tatsächlich etwas sieht. Den Bodensee zum Beispiel, der sich bereits nach 200 Metern offenbart. Auf dem Dach eines alten Wasserversorgungsgebäudes aus der Kaiserzeit stehen steinerne Sitzbänke. Zwei große Lebensbäume formen ein Panoramafenster, das den Blick ans Ufer lenkt. In der Ferne glitzern Segelboote und die schneeweißen Gipfel der Schweizer Berge. Der Weg steigt an. Führt durch ein Wäldchen.

Württembergisches und badisches Bodensee-Ufer

Hochstämmige Fichten und Buchen werfen ihre Schatten, geben den vielen kleinen Hinweisschildern Halt. Die Richtung heißt Gehrenbergturm. Nach rund zwei Kilometern ist der metallene Riese erreicht, der wie ein unverdrahteter Hochspannungsmast auf der grünen Wiese steht.

Dass er 1903 als „Großherzog-Friedrich-Turm“ errichtet wurde, ist Teil seiner badischen Vergangenheit. Heute trägt Markdorf das Autokennzeichen des württembergischen Friedrichshafen und gehört zu den wenigen Landkreisen, in denen Badener und Württemberger gemischt wurden.

Von der Spitze des Gehrenbergturms sieht man beides: Das württembergische und das badische Bodensee-Ufer, die Hochhäuser des nahen Friedrichshafen und die rosarote Spitze der Klosterkirche in Birnau. 30 Meter über dem Boden und 740 Meter über Null ist man einsame Spitze.

Wald, Wiese, Weiler und ein paar Gehöfte

Die Pfarrkirche von Markdorf und der Giebel der Bischofsburg sind zum Greifen nahe. Selbst die Fassade der Metzgerei ist zu erkennen, in der man gerade seine Wegzehrung eingekauft hat. Es ist der einzige Nachteil des Guck-ins-Land-Wegs, dass er keine bewirtschafteten Hütten hat.

Es geht über geschotterten Waldboden und samtweiche Rindenmulchstrecken, die für den neuen Weg eigens angelegt wurden. Naturnahe Pfade mit Windungen, Abzweigen und Querverbindungen. Mal durch den Wald, mal über eine Wiese oder einen kleinen Weiler mit ein paar Gehöften. Langweilig wird es nie, der neue Weg ist abwechslungsreich gestaltet. So wie es die strengen Vorschriften des Deutschen Wanderinstituts verlangen. Ein Premiumwanderweg soll etwas wirklich Neues sein und nicht nur eine umetikettierte Form bereist bestehender Routen.

Dann ist der Zeppelin plötzlich da. Wie aus dem Nichts taucht die weiße Hülle des Luftschiffs zwischen zwei Schäfchenwolken auf und schiebt sich gemächlich am Himmel entlang. Unterbricht das Landleben für einen Moment und holt die Hinterland-Träumer in die moderne Bodenseewelt zurück.

Eine Moderne mit einem Schuss Nostalgie, weil Zeppeline eigentlich schon ausgestorben waren und erst seit rund zehn Jahren wieder Touristen spazieren fliegen. Plötzlich ist das Luftschiff wieder abgetaucht zwischen einem Wäldchen und Hochhäusern. Hier also ist Friedrichshafen, die Messe- und die Zeppelinstadt. Hier wird in Kürze der nächste Rundflug starten.

Fünf Länder im Rundum-Blick

Noch 3,7 Kilometer. Der See kommt wieder näher. Einen Fünf-Länder-Blick verspricht die letzte große Erhebung, bevor es zurück nach Markdorf geht. Fünf Länder? Die Schweiz, Österreich, Deutschland und Lichtenstein, aber was dann? „Frankreich“, lautet die offizielle Antwort der Touristinformation, doch wem das zu weit her geholt erscheint, der kann sich einfach auch damit begnügen, dass schon in wenigen Kilometern Bayern beginnt.

Nach fünfeinhalb Stunden ist man tatsächlich wieder zurück. Am Wanderparkplatz Markdorf-Möggenweiler. Ein klein wenig müde. Deshalb: Ab ans Wasser. Füße reinhängen und die Stirn beträufeln.

Denn der Bodensee ganz ohne Bodensee geht natürlich nicht.

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