Besuch von fünf Speerfischern. Die Männer bringen Fisch und Lobster als Gastgeschenke mit.

Die Speerfischer haben Adrian Hoffmann (vorne im grünen Shirt) als Gastgeschenk einen zehn Kilo schweren Riesenzackenbarsch mitgebracht.
Die Speerfischer haben Adrian Hoffmann (vorne im grünen Shirt) als Gastgeschenk einen zehn Kilo schweren Riesenzackenbarsch mitgebracht.

Die Speerfischer haben Adrian Hoffmann (vorne im grünen Shirt) als Gastgeschenk einen zehn Kilo schweren Riesenzackenbarsch mitgebracht.

Ungekocht sind die Lobster ganz schön bunt.

s: Nina Hoffmann, Bild 1 von 2

Die Speerfischer haben Adrian Hoffmann (vorne im grünen Shirt) als Gastgeschenk einen zehn Kilo schweren Riesenzackenbarsch mitgebracht.

Tonga. „Da ist ein Mensch.“ Nina springt mir aufgeregt entgegen, als wir gerade einen unserer Pfade freiräumen. Jetzt sehe ich es auch – unten, am Strand, da bewegt sich etwas. „Das darf nicht wahr sein, ich habe doch gar keine Hose dabei“, sage ich, und wir entscheiden im selben Moment, den ins Inselinnere führenden Weg als Rennstrecke zur Hütte zu nehmen, wo die nassen Klamotten auf der Wäscheleine hängen.

Als wir unseren Besuch empfangen wollen, fehlt uns die Sprache. Die Wellen der kommenden Flut spülen einen Stamm auf den Sand, dessen Wurzel senkrecht in die Höhe steht und von der Ferne aussieht wie ein langsam schreitender Mensch. Es ist amtlich: Wir sind paranoid geworden.

Die Meereswellen klingen wie ein Bootsmotor

Das Problem ist, dass wir auf der Insel viele Geräusche vernehmen, die von außen kommen könnten. Wir denken da gerne an einen Bootsmotor, doch meistens sind es Wellen am Riff, die sehr unterschiedlich brechen und grollen.

Die einheimischen Fischer sind es aus ihren kleinen, abgelegenen Dörfern gewohnt, dass sie sich bei ihrem Nachbarn auf der nächsten Insel oder auch nur ein Stück weiter am eigenen Strand grundsätzlich lautstark bemerkbar machen. So wahren sie Privatsphäre.

Die Fischer probieren Kaffee und Kekse

Sind sie zu Fuß unterwegs, klatschen sie so lange in die Hände, bis jemand auf sie reagiert. Sind sie auf dem Boot, fahren sie höflich langsam und gut zu sehen am Strand entlang, bis sie von Inselbewohnern wahrgenommen werden. So auch in unserem Fall – es trug sich nämlich tatsächlich zu, dass wir echten Besuch bekommen haben.

Nina und Adrian Hoffmann aus Bad Wimpfen wiederholen, was sie schon einmal gemacht haben: auf einer einsamen Südsee-Insel leben. Diesmal im Königreich Tonga, 2000 Kilometer nordöstlich von Neuseeland. Sie haben in Deutschland ihre Jobs aufgegeben, ihre Wohnung gekündigt und sich von sämtlichen Verträgen befreit. Nina ist 27 Jahre alt und Grundschullehrerin, Adrian ist 28 und Zeitungsredakteur. In einer monatlichen Kolumne berichten sie über ihre Inselabenteuer.
 

In der nächsten Kolumne gibt es frische Eier. Nina und Adrian kümmern sich seit drei Monaten um sieben Legehennen, die ihnen auf die Insel gebracht wurden. Ein weiterer Schritt in Richtung Autarkie.

Es ereignet sich an einem sonnigen Nachmittag, als ein kleines, voll besetztes Boot in die Lagune steuert und nach mehrmaliger Fahrt am Strand hin und her in der Nähe unserer Hütte anlegt. Begeistert laufe ich hin, um die Männer zu begrüßen. Die Speerfischer lassen sich zu Saft, Kaffee und Keksen überreden – und reife Papaya und Bananen können wir ihnen auch anbieten.

Zum Abschied gibt es von den Fischern einen Segensgruß

Während einer von ihnen am Anlegeplatz bleibt und einen Erdofen vorbereitet, folgen mir die anderen und werfen sich nach einem anstrengenden Fischzug um unseren Feuerplatz vor der Hütte zu Boden. Einer zieht sich einen Stein als Kopfkissen heran - das Kissen, das wir ihm anbieten, lehnt er ab. Es ist ihm zu weich.

Die Männer können ein bisschen Englisch und wir plaudern über Tonga, das Fischen und wie sie ihren Fang anschließend weiterverkaufen. Als ich ihnen erzähle, dass ich auch gern am Strand fische, fragt einer: „You want fish?“ Mit ihrer Hilfe könnte ich zur Abwechslung mal einen Großen kriegen, amüsieren sie sich. Tatsächlich schleppen sie wenig später einen fast zehn Kilo schweren Riesenzackenbarsch an. Für das Foto, das die Szene dokumentiert, sind sie gleich zu haben. „Bitte zeig’ es all deinen Freunden“, sagen sie.

Bevor die Männer später zu ihrem Erdofen gehen, in dem der Räucherfisch und die Maniokwurzeln fast fertig sind, hat ihr Chef, der mir den Barsch überreicht hat, eine weitere Frage: „You like lobster?“ Er erzählt mir, dass sie in der Nacht zu einem erneuten Fischzug aufbrechen und am frühen Morgen zurückfahren wollen. Der Hummer muss so bald wie möglich gekühlt werden. Um 6 Uhr am Morgen, als es hell wird, ruft mich einer der Fischer aus dem Schlaf. Im Halbdunkeln drückt er mir drei frisch gefangene Lobster in die Hand und verabschiedet sich mit den Worten eines gläubigen Christen: „God bless you.“

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