Von Nina und Adrian Hoffmann
Nina und Adrian Hoffmann aus Bad Wimpfen machen in der Südsee ihren Traum vom Leben auf der einsamen Insel wahr. Diesmal berichten sie, wie wichtig die Kraft der Sonne für ihr Leben auf der Insel ist und warum Zufallsbekanntschaften einem das Leben wirklich erleichtern können.
Tonga. Die Raumstation ist direkt bei uns auf der Sandspitze gelandet. Sie leuchtet so grell, dass wir uns ohne Sonnenbrille nicht nähern können. Wenn das jemand sehen könnte, er würde sich wohl verwundert die Augen reiben. Eine Fata Morgana auf der Insel? Jedenfalls hat das Ding nichts mit Paranoia zu tun, die infolge unserer monatelangen Einsamkeit bei uns durchaus auftreten mag. Die Raumstation ist tatsächlich echt - sie ist ein futuristisch anmutender Solarkocher.
Ein nützliches Werkzeug, um ohne Verbrauch von Gas oder Brennholz warmes Essen zuzubereiten oder Wasser zum Trinken abzukochen. Der Kocher ist eines von zwei wichtigen Solargeräten, die wir auf der einsamen Insel nutzen. Gerade zieht der Duft von frisch gebackenem Brot zu mir herüber, Nina kontrolliert den aufgehenden Hefeteig im Topf auf dem Drahtgestell in der Mitte. Das Prinzip dieser grandiosen Erfindung, ursprünglich für Entwicklungshilfe konzipiert, ist im Grunde ganz einfach. Mehr als 20 kleine Aluminiumplatten, im Kreis formiert, bündeln die Sonnenenergie auf einer Fläche, wo es ziemlich zügig ziemlich heiß wird - ähnlich wie bei einer Lupe, mit der brutale Kinder gerne Ameisen grillen.
Nach cirka einer Stunde ist ein 400-Gramm-Brot fertig. Ab und zu muss die Solarkonstruktion dem Sonnenstand nachgerichtet werden. Das einzige Problem am Kocher, den wir bei der Firma Sun and Ice mit Sitz im bayerischen Feichten bestellt haben, war für uns der Transport in die Südsee. Wir wussten, dieses Teil wollen wir haben. Und die überdimensionale Satellitenschüssel lässt sich zwar platzsparend verpacken, wiegt aber trotzdem 18 Kilo. Deshalb haben wir sie für 100 Euro Versandkosten als Paket auf den Schiffsweg geschickt - nach sechs Wochen war sie angekommen. Rechtzeitig zum Start auf die Insel.
Das zweite nützliche Solargerät ist unser Energiekoffer. Solarmodule und Batterien sind schwer und deshalb für eine Reise ans andere Ende der Welt fast ungeeignet. So kam es, dass wir entschieden haben, direkt in Tonga nach Möglichkeiten zu suchen. Ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben, wie sich später herausstellte. Wenn uns nicht ausgerechnet ein Solarexperte über den Weg gelaufen wäre, der für die deutschen Firmen Kirchner Solar Group und Sonnen Systeme der Beauftragte in Ozeanien ist und eine lange Vorgeschichte bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit hat, die Solarprojekte in der Südsee fördert.
Ernst Eidt aus Schlitz im Herzen Deutschlands heißt der Mann, der in Tonga von allen Enesi genannt wird. Er installiert im Inselresort Fafa, eine halbe Stunde Bootsfahrt entfernt von Tongas Hauptinsel Tongatapu entfernt, gerade eine neue Solaranlage. „Guck mal, was ich da habe“, sagt er und läuft mit mir in die Solarschaltzentrale, wo er auf einen orangefarbenen Hartschalenkoffer zeigt. „Kannste haben.“ Plus faltbares Modul mit 55 Watt Spitzenleistung. Deutsche Wertarbeit eben, oder wie war das? Mit dem Koffer haben Nina und ich auf der einsamen Insel alles, was wir brauchen.
Nina und Adrian Hoffmann aus Bad Wimpfen im Landkreis Heilbronn wiederholen, was sie schon mal gemacht haben: auf einer einsamen Südsee-Insel leben. Diesmal im Königreich Tonga, 2000 Kilometer nordöstlich von Neuseeland. Sie haben in Deutschland ihre Jobs aufgegeben, ihre Wohnung gekündigt und sich von sämtlichen Verträgen befreit.
Nina ist 27 Jahre alt und Grundschullehrerin, Adrian ist 28 und Zeitungsredakteur. In einer monatlich erscheinenden Kolumne berichten sie über ihre Inselabenteuer. In der nächsten Kolumne geht es um die erste Trimaran-Lieferung von Nachschub an Lebensmitteln und den stetig wachsenden Inselgarten verbunden mit der dauerhaften Hoffnung auf Regen.
Über einen Adapter können wir alle Geräte mit einer maximalen Eingangspannung von zwölf Volt anschließen. So kann ich den Laptop-Akku laden, um Zeitungskolumnen zu schreiben. Den Akku der Kamera, damit wir die Zeit hier ausreichenden dokumentieren können. Den Akku des Satellitentelefons, mit dem wir im Notfall Kontakt zur Außenwelt aufnehmen können - sehr entscheidend. Einfach nur das Panel bei Sonne an die Batterie, also den Koffer, anschließen, Plus und Minus sind idiotensicher gekennzeichnet. Eine Ladeanzeige informiert darüber, wie viel Energie noch übrig ist.
Nicht zu unterschätzen: Wir können sogar einen CD-Player nutzen, den wir wiederum mit einem Mini-Bassburger verbinden. Ein umherhüpfender Lautsprecher, der in der Abendsonne am Strand für mächtig Partystimmung sorgt. Neuseeländischer Reggae hat es uns neuerdings angetan, der passt so gut auf die Insel. Für gute Zeiten.

