Von Tim Attenberger
Beim Turnier in Afrika stürzen viele Favoriten. Gabun und Äquatorialguinea sind im Viertelfinale.
Javier Balboa (M.) wurde bejubelt, als er Äquatorialguinea unerwartet in das Viertelfinale schoss.
Franceville. Die Fans des Nationalteams von Gastgeber Gabun erwarten beim aktuellen Afrika-Cup nicht weniger als den Turniersieg. Aus ihrer Perspektive liegt die Mannschaft mit dem Erreichen des Viertelfinales also lediglich im Soll. Doch der deutsche Trainer Gernot Rohr kann mit der Leistung bereits mehr als zufrieden sein. Mit drei Siegen in drei Spielen gewann Gabun souverän die Gruppe C und gehört nach dem Abschluss der Vorrunde am Mittwoch zu den Überraschungen des diesjährigen Afrika-Cups.
Dabei verfügt das Team weder über große Erfolge in der Vergangenheit, noch über bekannte Spieler. An einer Weltmeisterschaft nahm das zentralafrikanische Land bisher nicht teil, für den Afrika-Cup qualifizierte es sich erst zum vierten Mal. Der größte „Star“ ist derzeit Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang, der im bisherigen Turnier drei Treffer erzielte. Der 22-Jährige spielt bei AS Saint-Étienne in der ersten französischen Liga. Im letzten Gruppenspiel schoss er aus 20 Metern das einzige Tor beim 1:0-Sieg gegen Tunesien.
Trainer Gernot Rohr mahnt die Gabun-Fans zur Besonnenheit
Einigermaßen bekannt sein dürfte auch Sturmkollege Daniel Cousin. Der 35-Jährige steht zwar zurzeit in Gabun beim FC Sapins unter Vertrag, war aber zuvor jahrelang bei europäischen Klubs wie RC Lens, Glasgow Rangers und Hull City aktiv. Rohr sieht für seine Spieler auch trotz der bisherigen Erfolge im Turnier noch Luft nach oben: „Die Mannschaft kann sich noch weiter verbessern, weil sie immer mehr Selbstvertrauen bekommt und in der Lage ist, guten Fußball zu spielen“, sagte er. Gleichzeitig mahnte er angesichts der hohen Erwartungen der Fans zur Besonnenheit: „Wir werden nicht verrückt spielen. Wir bleiben bescheiden und mit beiden Füßen auf dem Boden.“
In einer Internet-Umfrage wurde Marokko zum Favoriten gewählt
Gabun ist jedoch nicht die einzige vermeintlich „kleine“ Fußballnation, die den Favoriten beim Afrika-Cup das Leben schwer macht. Co-Gastgeber Äquatorialguinea sorgte in der Gruppe A für Aufsehen und qualifizierte sich als Zweiter hinter Sambia für das Viertelfinale.
Auf der Strecke blieb in der Vorrunde die Mannschaft des Senegal, die vor dem Afrika-Cup noch als Mitfavorit gegolten hatte. Sieglos musste das Team um die beiden Stürmer Demba Ba und Papiss Demba Cissé die Heimreise antreten. Ebenfalls ausgeschieden ist Marokko, das zuvor bei einer Facebook-Umfrage zum Favoriten gewählt wurde.
Samstag: Sambia - Sudan (17 Uhr), Elfenbeinküste - Äquatorialguinea (20 Uhr)
Sonntag: Gabun - 2. Gruppe D (17 Uhr), 1. Gruppe D - Tunesien (20 Uhr)
Der einzige Titelanwärter, der seiner Rolle bislang gerecht wurde, ist die Elfenbeinküste. Mit drei Siegen, fünf Toren und ohne Gegentor unterstrich das Team um Starstürmer Didier Drogba in der Gruppe B seine Ausnahmestellung. Verstärkt wird diese durch das Fehlen von Titelverteidiger Ägypten sowie den WM-Teilnehmern Südafrika, Nigeria und Kamerun, die sich für den Afrika-Cup nicht qualifizierten.
Manipulationen in Spielen von Simbabwes Nationalmannschaft
Unterdessen hat Simbabwes Fußballverband 80 Profis wegen des Verdachts auf Spielmanipulationen vorläufig gesperrt. 2007 sollen Nationalmannschaftspiele gegen Malaysia, Vietnam und Thailand von einem Wettkartell beeinflusst worden sein. Damit werden die Gesperrten die bereits Ende des Monats beginnende Qualifikation für den nächsten Afrika-Cup verpassen, der 2013 in Südafrika stattfinden soll. Die Organisatoren wollen das Turnier in ungerade Jahre verrücken, damit es künftig keine Überschneidungen mit Weltmeisterschaften geben kann.

