Ein Sportliches Drama in drei Akten

Leblos im Ziel: Oxford-Ruderer Alexander Woods (rechts).
Leblos im Ziel: Oxford-Ruderer Alexander Woods (rechts).

Leblos im Ziel: Oxford-Ruderer Alexander Woods (rechts).

dpa

Leblos im Ziel: Oxford-Ruderer Alexander Woods (rechts).

London/Düsseldorf. Ruder-Experte Arno Boes aus Koblenz kommentierte das Rennen für „Eurosport“. Und konnte sich an keine Auseinandersetzung zwischen Oxford und Cambridge erinnern, das ähnlich dramatisch abgelaufen wäre. „Das war mehr als ein denkwürdiges Rennen“, sagte Boes gestern. „Es war völlig richtig, das Rennen nach dem Zwischenfall mit dem Schwimmer abzubrechen und neu zu starten.“

Die Schiedsrichter John Garrett und Sir Mathew Pinsent zögerten keine Sekunde, nach dem Neustart entschied die Mannschaft von Cambridge das legendäre Ruderduell auf der Themse für sich. Aber auch nur, weil die Ruderblätter der beiden Teams nach dem Neustart aneinander gerieten und das Blatt des Leverkuseners Hanno Wienhausen brach.

Nach dem Ruderbruch hat Oxford keine Chance mehr gegen Cambridge

Oxford hatte nach diesem Zwischenfall keine Chance mehr und verlor mit über vier Metern gegen Cambridge. Aber das war immer noch nicht der dramatische Höhepunkt der Auseinandersetzung. Im Ziel brach Oxford-Ruderer Alexander Woods leblos zusammen, musste minutenlang wiederbelebt werden. Inzwischen hat sich sein Zustand stabilisiert. „Man freut sich natürlich, dass man das Rennen gewonnen hat.

Man ist stolz, aber das Ende war wirklich furchtbar“, sagte Moritz Schramm aus Bonn.

250 000 Menschen verfolgen an der Themse die Dramatik des Rennens

Der Medizinstudent rudert für Cambridge und vergaß nach dem Zielstrich aber jede Rivalität: „Ich habe mir große Sorgen um Alexander gemacht, das war für mich der emotionalste Moment der Auseinandersetzung.“ Auch Arno Boes hat die Dramatik des Rennens beschäftigt. „Was das Rennen in England bedeutet, kann man sich in Deutschland, glaube ich, gar nicht wirklich vorstellen.“

250 000 Menschen säumten das Ufer der Themse, keiner verließ die Strecke, als das Duell nach dem ersten Zwischenfall mit dem Schwimmer für eine halbe Stunde unterbrochen wurde. Der Protest-Schwimmer versetzte die Sicherheitsverantwortlichen der Olympischen Spiele 2012 in London jedenfalls in Alarmbereitschaft.

„Es ist wahrscheinlich, dass es so einen einzelnen Idioten wie beim Boat Race geben wird“, sagte der Vorsitzende des Britischen Olympischen Komitees (BOA), Colin Moynihan. Dem 35-Jährigen, der festgenommen wurde, ging es bei seiner Aktion nach eigenen Worten um den Protest gegen den „Elitegedanken“ der beiden Renommier-Universitäten.

In der Gesamtbilanz der Regatta, die auf 1829 zurückgeht, führt Cambridge jetzt mit 81:76 Siegen. Moynihan saß selbst als Steuermann 1977 im siegreichen Oxford-Boot und holte mit dem britischen Achter die Silbermedaille 1980 in Moskau. „Man wird so etwas nie ganz ausschließen können“, sagte er mit Blick auf London.

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