München (dpa) - Das Münchner Profi-Eishockey kommt einfach nicht zur Ruhe. Ein Jahr nach dem Einstieg von Red Bull als Haupt- und Namenssponsor beim EHC München sorgt das Verhalten des österreichischen Getränkemultis für Verunsicherung in der bayerischen Landeshauptstadt.

Fans und Verantwortliche warten auf ein Signal, ob das Unternehmen sein zunächst auf eine Saison befristetes Engagement verlängern und sogar sämtliche Gesellschafteranteile beim Tabellen-Zwölften der Deutschen Eishockey Liga (DEL) übernehmen wird. Den Plan, wonach der Konzern den Fokus seiner Aktivitäten vom EC Red Bull Salzburg auf den DEL-Club richten will, sollen laut der Zeitung «Salzburger Nachrichten» Red-Bull-Verantwortliche bestätigt haben.

Ein Sprecher des Salzburger Clubs stellt die aktuelle Entwicklung jedoch anders dar. «Red Bull hat nichts bestätigt. Allerdings sind gewisse Prozesse im Gange, wie es mit Red Bull in München weitergeht. Red Bull ist weiterhin an einem Engagement in München interessiert», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Es würden Gespräche geführt, «alles andere sind aber Spekulationen».

In dem Bericht ist von einer revolutionären Neuordnung des Red-Bull- Engagements die Rede. Das Münchner DEL-Team, bislang in Besitz des kanadischen Finanzinvestors Michael Phillips, soll demnach das neue und finanziell entsprechend ausgestattete Eishockey-Aushängeschild des Konzerns werden. Der bisherige Primus aus Salzburg soll nur noch mit einem verstärkten U-24-Team in der schwächeren österreichischen Liga an den Start gehen - an beiden Ligen besitzt Red-Bull-Haussender Servus TV die Übertragungsrechte.

Als übergeordneter Sportdirektor wird Pierre Pagé gehandelt, der ehemalige Meistertrainer der Eisbären Berlin. Er soll beide Vereine koordinieren - so wie der ehemalige Bundesligatrainer Ralf Rangnick bei den Fußball-Clubs in Leipzig und Salzburg. Ein Modell sieht sogar vor, dass beide Teams ab 2014 gemeinsam in der dann fertiggestellten Red-Bull-Akademie in Salzburg-Liefering, einem gigantischen Sportkomplex unter anderem mit zwei Eishallen, trainieren sollen. Die Spiele der Münchner würden aber in Deutschland stattfinden.

In München sprechen die Verantwortlichen ebenfalls nur von Spekulationen. «Es gibt für uns keinen neuen Informationsstand», erklärte der kaufmännische Geschäftsführer Claus Gröbner. Für die künftige Ausrichtung des Vereins sind deshalb Gröbners sportlichem Pendant Christian Winkler die Hände gebunden. So lange Red Bull die Clubübernahme nicht offiziell bestätigt, liegen die Vertragsverhandlungen mit den Spielern aus dem aktuellen Kader, möglichen Neuverpflichtungen und einem Nachfolger für Trainer Pat Cortina auf Eis. Der Italo-Kanadier wird den EHC nach Saisonende verlassen und sich auf seine Aufgabe als Bundestrainer und Sportdirektor beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) konzentrieren.

Für die kommende Spielzeit wird Eisbären-Meistercoach Don Jackson gehandelt, den Pagé 2005 nach Berlin holte und zwei Jahre später zu seinem Nachfolger machte. Sollte Pagé sein Tätigkeitsfeld ausdehnen, wäre eine Zukunft Winklers in München unwahrscheinlich.

Auch in der Mannschaft sorgt die gegenwärtige Lage für Verunsicherung. Trainer Cortina empfindet die Situation vor dem Heimspiel am Freitag gegen die Hannover Scorpions als wenig förderlich. «Wir haben viel mit den Spielern geredet in den letzten Tagen», sagte er in der «Abendzeitung» und fügte hinzu: «Klar lenkt so was ab.»

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