Pittsburghs Superstar Sidney Crosby saß mit am Verhandlungstisch. Foto: Chris Gardner
Pittsburghs Superstar Sidney Crosby saß mit am Verhandlungstisch. Foto: Chris Gardner

Pittsburghs Superstar Sidney Crosby saß mit am Verhandlungstisch. Foto: Chris Gardner

dpa

Pittsburghs Superstar Sidney Crosby saß mit am Verhandlungstisch. Foto: Chris Gardner

Boston (dpa) - Das Weihnachtsgeschenk für die Eishockey-Fans in Nordamerika bleibt wohl aus. Der Tarifstreit in der Profiliga NHL geht weiter, die Fronten zwischen Teameignern und Spielergewerkschaft NHLPA sind verhärtet.

Und selbst die treuesten Anhänger bereiten sich allmählich auf den «worst case» vor - den Ausfall der ganzen Saison. «Es sieht nicht so aus, als wenn das Problem in den nächsten Tagen gelöst wird», betonte NHLPA-Verhandlungsführer Donald Fehr in New York. Kurz zuvor wurde das neueste Angebot seiner Seite von der Liga als «nicht akzeptabel» abgeschmettert. Ein neuer Gesprächstermin ist bisher nicht vereinbart. Somit drohen in den kommenden Tagen weitere Spielabsagen. Mehr als 420 Partien sind bereits bis zum 14. Dezember gestrichen worden, auch das lukrative «Winter Classic» am 1. Januar fällt aus.

Die Folgen des mehr als 80 Tage andauernden Lockouts sind längst spürbar. Zahlreiche Vereine haben sich von Angestellten getrennt oder sie auf Kurzarbeit gesetzt. Die Einnahmeverluste der Betreiber von Sportbars erreichten bereits zweistellige Millionen-Beträge.

In Boston beispielsweise beläuft sich das Minus in den Bars rund um den TD Bank Garden, der Heimstätte der Bruins, auf 850 000 bis eine Million Dollar pro Partie. Den Bruins selbst gehen mit jeder ausgefallenen Begegnung drei Millionen Dollar verloren. Ligaboss Gary Bettman rechnete vor, dass alle Spieler zusammen täglich zehn Millionen Dollar einbüßen - die Besitzer doppelt so viel.

Es ist der dritte Lockout seit 1994. Selbst hartgesottene Fans können nicht nachvollziehen, warum sich beide Seiten nicht einigen können, wie die Jahreseinkünfte von 3,3 Milliarden Dollar gerecht aufzuteilen sind. Als man sich zuletzt stritt, fiel 2004/05 die Saison aus - ein Novum im nordamerikanischen Profisport. Vor allem in den USA hatte die Liga anschließend mehrere Jahre mit geringen Zuschauerzahlen sowie vermindertem Medieninteresse zu kämpfen.

Doch anscheinend hat niemand aus dem Fiasko gelernt. Die Spieler haben damals auf 24 Prozent ihrer Einnahmen verzichtet - und sind jetzt trotzdem wieder durch die Clubbosse ausgesperrt worden. Ein Blick auf die vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» veröffentlichte Liste über den Wert der Teams zeigt das Hauptproblem: ein erhebliches finanzielles Ungleichgewicht. Der Umsatz in der Liga ist in den vergangenen fünf Jahren zwar um 50 Prozent gestiegen. Dennoch schrieben 13 der 30 Teams vergangene Saison rote Zahlen.

Neun von ihnen sind zwischen 1991 und 2000 umgesiedelt worden oder neu hinzugekommen. Es war jene Zeit, in der die Liga sprudelnde Geldquellen im amerikanischen Süden wähnte, von 21 auf 30 Clubs anwuchs und plötzlich auch Texas, Arizona, Georgia, Tennessee und Florida auf der NHL-Landkarte vertreten waren.

So richtig beliebt ist Eishockey in diesen Regionen jedoch bis heute nicht. Mit den drei Profiligen American Football (NFL), Baseball (MLB) und Basketball (NBA) kann die NHL nicht mithalten. Das Magazin «Times» hat sogar einen Kontrahenten ausgemacht, der bislang eher belächelt wurde: Fußball.

«Warum Soccer die NHL bedroht», lautete der Titel. In der Story ging es nicht nur um den Zuschauerschnitt der Major League Soccer (MLS), der mit 18 807 bereits über dem der NHL (17 455) liegt, sondern auch um die Tatsache, dass die MLS-Expansion Richtung Kanada mit Teams in Vancouver, Toronto und Montreal ein Erfolg war. Die NHL indes begab sich mit ihrem Weg Richtung US-Süden aufs Glatteis.

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