Attacken durch Spieler in den unteren Amateurklassen nehmen zu. Unparteiische fordern harte Bestrafung der gesamten Mannschaft.

Krefeld/Neuss. Im Amateurfußball am Niederrhein und im Bergischen Land ist es in jüngster Zeit immer wieder zu heftigen Attacken auf Schiedsrichter gekommen. Die Unparteiischen fordern jetzt ein Zeichen gegen die Gewalt, sie wollen nicht länger mehr Freiwild für Spieler und Anhänger sein.

Schiedsrichter nach Angriff für zehn Tage krankgeschrieben

Auslöser der Diskussionen im Fußballkreis Kempen/Krefeld ist ein Vorfall bei den Hallenfußball-Stadtmeisterschaften in Krefeld. Dort hatte ein Spieler vom TSV Anadolu-Türkspor den Unparteiischen mit Knie und Ellbogen am Rücken und am Hinterkopf getroffen. Der Schiedsrichter war zehn Tage nach dem Vorfall krank geschrieben, er behält sich privatrechtliche Schritte gegen den Spieler vor. Der Spieler hatte bereits bei einem Hinrundenspiel in der Kreisliga A wegen einer Auseinandersetzung mit dem Schiedsrichter für einen Spielabbruch gesorgt. „Den Boykott eines ganzen Spieltages lässt die Satzung nicht zu“, bedauert Werner Gatz,. Eine Spielabsage würde überwiegend die Vereine treffen, mit denen es nie Probleme gebe. „Die Spiele würden neu angesetzt, im schlimmsten Fall sogar während der Woche. Ein wirkliches Zeichen gegen Gewalt sieht anders aus“, sagt der 64-Jährige.

Dem Spieler droht eine Spielstrafe, die mindestens ein halbes Jahr dauern wird. Gatz fordert von der Spruchkammer, dass bei Gewalt häufiger die gesamte Mannschaft bestraft wird, zum Beispiel durch Punktabzüge. „Nicht selten sehen die Mitspieler zu und greifen nicht aktiv ein, wenn ein Spieler ausrastet. Sollte ein Klub durch einen Punktabzug nicht aufsteigen, würde er mit derartigen Krawallmachern nicht so freundlich umgehen“, meint der Oberschiedsrichter.

Zu einem vergleichbaren Eklat kam es bei den Hallenmeisterschaften im Rhein-Kreis Neuss. Im Vorrunden-Halbfinale in Dormagen zwischen dem Traditonsverein VfR Neuss und dem FSV Vatan Neuss attackierte ein zuvor des Feldes verwiesener VfR-Spieler plötzlich den Schiedsrichter. Damit nicht genug, stürmten einige Anhänger des VfR den Platz und bedrängten den Unparteiischen ebenfalls. Der anwesende Kreisfußball-Obmann brach das Turnier daraufhin sofort ab.

Leidtragende waren neben dem Referee auch die Spieler des schuldlosen FSV Vatan, die nicht zum Finale antreten durften. „Das war einfach nur beschämend“, entschuldigte sich im Anschluss Ex-Fortuna-Profi Günther Thiele, inzwischen Trainer des VfR.

Jugendspieler verfolgt und bedroht 21-Jährigen nach dem Spiel

Gravierend erhöht hätten sich nach der Erfahrung von Werner Gatz Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses im Fußballkreis Kempen/Krefeld, die verbalen Angriffe auf die Schiedsrichter. „Beleidigungen und Beschimpfungen gegenüber Schiedsrichter sind wesentlich mehr geworden.“

„Junge Leute gehen heutzutage viel schroffer miteinander um. Dadurch sinkt die Hemmschwelle, auch mit dem Schiedsrichter auf dem Fußballplatz so zu kommunizieren“, sagt Gatz. Die Folge ist eine Vielzahl von mehrmonatigen Sperren wegen verbaler Bedrohung des Unparteiischen.

Dass die Gewalt gegen Schiedsrichter auch im Kreis Wuppertal/Niederberg zugenommen hat, kann Wolfgang Vaak, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses bestätigen: „Wir Schiedsrichter sind mittlerweile vogelfrei.“ Im November 2012 wurde ein 21-jähriger Referee von einem A-Jugendspieler nach dem Spiel verfolgt und bedroht. In der laufenden Saison seien Kollegen wiederholt körperlich angegangen worden. In der Halle kam es zuletzt im Januar zu einer Auseinandersetzung zwischen Spieler und Schiedsrichter. Bei den Stadtmeisterschaften benahm sich Ex-WSV-Publikumsliebling Jean Louis Tavarez daneben, wurde für ein Jahr gesperrt.

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