Von Thomas Gehringer
Gladbach und Dortmund dürfen sich freuen: 29 Punkte am 14. Spieltag führten fast immer zu einem internationalen Startplatz.
Düsseldorf. Obwohl Borussia Mönchengladbach die beste Bundesliga-Saison seit 35 Jahren spielt, warnt Trainer Lucien Favre vor allzu viel Euphorie. Das ist sicher vernünftig, aber ein Blick in die 48-jährige Bundesliga-Geschichte beweist: In der kommenden Saison international zu spielen, ist kein Traum übergeschnappter Fans, sondern höchst wahrscheinlich. 54 der 57 Mannschaften und damit 95 Prozent der Teams, die bereits am 14. Spieltag 29 Punkte oder mehr gesammelt hatten, erreichten am Ende der Saison mindestens Platz sechs. Das reicht zur Teilnahme an der Europa League. Und die Chancen auf die Champions League sind für Gladbach und Tabellenführer Dortmund auch nicht viel kleiner – sie liegen bei 88 Prozent, seit Einführung der Drei-Punkte-Regel sogar bei 93 Prozent.
26 von 28 Mannschaften landeten auf den ersten vier Plätzen
Denn 26 von 28 Vereinen, die seit 1995 nach 14 Spielen auf mindestens 29 Punkte kamen, landeten schließlich auf den ersten vier Plätzen. 22 wurden mindestens Dritter. Und elf wurden Meister. Nur zwei von 28 Klubs sind also seit 1995 noch abgerutscht. Der FSV Mainz 05 war in der vergangenen Saison mit 30 Punkten Zweiter und belegte am Ende einen achtbaren fünften Platz. Allein 1899 Hoffenheim erwischte es vor drei Jahren etwas heftiger – von Platz eins mit 31 Punkten ging es bergab auf Rang sieben.
Bayern wurde mit derselben Ausgangslage zwei Mal Meister
Beschränkt man sich auf die Vereine, die wie Gladbach und Dortmund exakt 29 Punkte hatten, werden die Aussichten keineswegs trüber: Schalke wurde 2006/07 am Ende Zweiter, ebenso wie Bayer Leverkusen 1998/99, Werder Bremen landete 2005/06 auf Rang drei, und Bayern München wurde 19997/98 Zweiter und außerdem noch zweimal Meister: 1996/97 und 2004/05.
Niemand, der nur annähernd so stark war wie Dortmund und Gladbach bisher, ist in den vergangenen 48 Jahren noch abgestiegen. Der Hamburger SV, der 1966/67 nach 14 Spielen mit umgerechnet 25 Punkten auf Platz zwei lag, musste tatsächlich noch bis zum vorletzten Spieltag um den Klassenerhalt bangen. Den tiefsten Absturz eines Teams mit 29 Punkten erlebte Kickers Offenbach: Die Hessen waren 1974/75 Tabellenführer und wurden am Ende Achte.
Die späteren Meister-Teams waren seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 am 14. Spieltag neun Mal bereits Tabellen-Erster und sonst mindestens Vierter. Mit einer Ausnahme: Wolfsburg stürmte 2008/09 von Rang acht (22 Punkte) noch zum Titel.
Nur in sieben Jahren seit 1995 wurde der Spitzenreiter des 14. Spieltags nicht Meister. Dreimal traf es Bayer Leverkusen, das zudem die beste Ausgangslage verspielte: 2001/02 hatte Bayer nach 14 Partien schon 36 Punkte auf dem Konto, wurde aber am Ende nur Zweiter

