Von Daniel Gonzales
Klassiker mutiert zum Langweiler: Bayern quälen sich zum 1:0-Sieg.
München. Wenn der beste Angriff der Liga auf die schwächste Abwehr trifft, erwartet der geneigte Fan eigentlich ein Torfestival. Doch was die Fans beim einstigen Bundesliga-Klassiker Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach geboten bekamen, war biederes Ballgeschiebe, hohe Verunsicherung und wenige Torraumszenen.
Unter Favre konzentriert sich die Borussia auf die Defensive
Die Mannschaften schienen mit anderem als dem Ball beschäftigt zu sein. Bei den Münchenern mag das neben der Trainer- und Personaldiskussion für die neue Saison vor allem die finanzielle Hilfe für den kriselnden Stadt-Konkurrenten 1860 München sein. Im Fünf-Minuten-Takt hielten die Fans beißend-kritische Plakate zu diesem Thema in die Luft.
Bei den Gladbachern trübt die Konzentration auf die Defensive den Blick auf das Toreschießen. Lucien Favre ist es zwar gelungen, die unter Vorgänger Michael Frontzeck hochgradig anfällige Abwehr zu stabilisieren, inzwischen tut sich die Mannschaft jedoch enorm schwer, Tore zu schießen. Unter Favre kassierte Gladbach nur sechs Gegentore in sechs Spielen, erzielte aber auch nur sechs Tore.
Dabei waren in München für die Borussen reichlich Tormöglichkeiten vorhanden. Um gegen die schwachen Münchener zu punkten, reichte es trotzdem nicht. „Wir haben nichts zu verlieren, könnten Risiko gehen. Deswegen ist es für mich unverständlich, dass wir dies nicht machen“, analysierte Abwehrspieler Martin Stranzl. Doch wenn sich Mittelfeldspieler wie Juan Arango oder Patrick Herrmann so sehr auf die Defensive konzentrieren müssen, kann es nichts werden mit dem Toreschießen.
Dem Rekordmeister reicht eine gute Szene zum Sieg
Dem spielstarken Marco Reus fehlte bereits gegen Kaiserslautern ein Mitspieler, der ähnlich flink und gedankenschnell ist wie er. Weder Mike Hanke, der nicht austrainiert wirkt, noch Mo Idrissou können diese Aufgabe derzeit erfüllen. Den Hausherren reichte letztlich eine starke Szene von „Robbery“ (Foto) nach 77 Minuten: Arien Robben bediente nach einem schlampigen Pass von Reus Franck Ribéry. Der legte Robben auf, der Logan Bailly überwand.
überragend: – gut Robben, Ribéry Durchschnittlich Kraft, Lahm, Gustavo, Badstuber, Pranjic enttäuschend Kroos, Müller, Gomez, Schweinsteiger
überragend – gut Stranzl, Dante durchschnittlich Bailly, Daems, Jantschke, Herrmann enttäuschend Hanke, Reus, Arango, Nordtveit, Neustädter
„Ich denke, wir brauchen noch zwölf Punkte“, sagte Trainer Lucien Favre. Doch selbst bei 35 Zählern wäre der Klassenerhalt nicht sicher.

