Michael Schumacher will in Bahrain starten. Foto: Jens Buettner
Michael Schumacher will in Bahrain starten. Foto: Jens Buettner

Michael Schumacher will in Bahrain starten. Foto: Jens Buettner

dpa

Michael Schumacher will in Bahrain starten. Foto: Jens Buettner

Shanghai (dpa) - Die unvermeidliche Frage nach dem umstrittenen Formel-1-Rennen in Bahrain kam bei Sebastian Vettel gar nicht gut an. Der Weltmeister rollte nur mit den Augen, als er in Shanghai nach seiner Meinung zu einer möglichen Absage des Wüstenrennens am 22. April gefragt wurde.

«Es gibt so viele Leute im Fahrerlager, fragt die», bellte Vettel dann doch. Er aber wolle sich wirklich nicht äußern. So wie fast alle seiner Fahrer-Kollegen. Die Formel 1 diskutiert vor dem Großen Preis von China am Sonntag über das folgende Rennen eine Woche später in Bahrain. Doch bei den Piloten hieß es fast immer verdächtig einmütig: «Wir vertrauen auf eine Entscheidung des Automobilverbandes FIA.» Nur einer scherte aus. Rekord-Weltmeister Michael Schumacher bezog klar Stellung: Pro Bahrain. «Ich gehe komplett relaxed nach Bahrain. Ich bin sicher, dass sie dort alles dafür tun, dass wir keine Probleme haben werden», sagte Schumacher.

Auch Vettels Teamkollege Mark Webber erklärte, er wolle in Bahrain fahren. «Aber trotzdem kann man nicht ignorieren, dass wir alle im Hinterkopf haben, dass wir nicht in die Unruhen involviert werden wollen», sagte der Australier. Im Vorjahr hatte sich der Routinier als einziger Pilot öffentlich gegen einen Start in Bahrain ausgesprochen. Auch diesmal habe er sich konkret über die Vorgänge informiert, betonte Webber.

Noch immer droht dem Rennen eine kurzfristige Absage. In dem Golfstaat kam es zuletzt wegen der anhaltenden Proteste für mehr Reformen wieder zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Wegen der blutigen Unruhen im Wüstenstaat war das Rennen bereits 2011 abgesagt worden. «Amnesty International rät der Formel 1, Bahrain weiträumig zu umfahren», sagte der Generalsekretär der deutschen Sektion der Menschenrechts-Organisation, Wolfgang Grenz, der «Süddeutschen Zeitung».

Im vergangenen Jahr sei es in dem Golfstaat zu schweren Menschenrechtsverletzungen gekommen, 47 friedliche Demonstranten seien getötet worden. Die Vorfälle seien bislang nicht aufgeklärt worden. «Eine Absage des Rennens wäre ein Signal, dass die Lage weiter besorgniserregend ist», sagte Grenz.

Dass die Formel-1-Piloten sich durchaus Gedanken über die Lage in Bahrain machen, offenbarte Timo Glock (Marussia): «Natürlich habe ich eine private Meinung, aber die muss ich nicht äußern.» Ansonsten herrschte am Donnerstag allgemeines Schulterzucken. Niemand wollte sich den Mund verbrennen. Schließlich geht es nicht zuletzt um viel Geld und die wirtschaftliche Interessen der Autokonzerne.

Die Teams, die ohne eine Absage an Verträge gebunden sind und in Bahrain starten müssten, wenn sie keine Geldstrafen in Kauf nehmen wollen, warten nun auf eine Entscheidung der FIA. «Ich vertraue denen total. Wichtig ist, als Formel 1 geschlossen zu bleiben», sagte McLaren-Pilot Jenson Button. FIA-Chef Jean Todt wird allerdings frühestens Freitagabend in Shanghai erwartet. «Es hat sich nichts geändert an der Situation. Wir sind mit den Leuten in Bahrain in Kontakt. Derzeit gibt es für uns noch keinen Grund für eine Absage», sagte ein FIA-Sprecher.

Die Streckenbetreiber und die Regierung in Bahrain wollen unbedingt eine erneute Streichung ihres Grand Prix verhindern. Sie machen eine «Angstkampagne» einiger weniger Oppositioneller für «Missverständnisse» über die Lage im Land verantwortlich. Bahrains britischer Sicherheitsberater John Yates schrieb in einem Brief an FIA-Chef Todt, er fühle sich dort sicherer als in London. Die Bedeutung der jüngsten Vorfälle dürfe nicht überschätzt werden.

Nach Angaben der BBC wird Formel-1-Boss Bernie Ecclestone am Freitag mit den Teams über die Lage beraten. «Wenn es nicht vom nationalen Verband abgesagt wird, werden wir da sein», bekräftigte Ecclestone allerdings seine Position. Nur: entscheiden muss die FIA.

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