Otto Becker sorgt sich über den Weggang guter deutscher Springpferde ins Ausland. Foto: Jochen Lübke
Otto Becker sorgt sich über den Weggang guter deutscher Springpferde ins Ausland. Foto: Jochen Lübke

Otto Becker sorgt sich über den Weggang guter deutscher Springpferde ins Ausland. Foto: Jochen Lübke

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Otto Becker sorgt sich über den Weggang guter deutscher Springpferde ins Ausland. Foto: Jochen Lübke

Leipzig (dpa) - Die Klage ist nicht neu und dennoch aktuell. Vor dem ersten wichtigen deutschen Turnier des Jahres in Leipzig hat Bundestrainer Otto Becker erneut darauf hingewiesen, dass der deutschen Reiterei zu viele talentierte Springpferde verloren gehen.

«Deutschland ist ein Exportland, und wir haben eine gute Pferdezucht. Dementsprechend werden viele gute Pferde ins Ausland verkauft. Dort wird mehr für Spitzenpferde ausgegeben als in Deutschland», stellte der 54-Jährige aus Sendenhorst in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa fest. Er forderte: «Wir müssen neue Ideen haben, Strategien und Konzepte entwickeln und hoffen, dass dadurch das ein oder andere Pferde bleibt. Aber Wunderdinge sollte man nicht erwarten.»

Der Sport sei mittlerweile global, so Becker. Besonders Kunden aus dem arabischen Raum schauen sich verstärkt nach vierbeinigen Investments Made in Germany um. Auch aus den USA kommen wieder mehr Interessenten.

Neidisch auf die Möglichkeiten im Ausland sei er nicht, sagte der Bundestrainer. «Wir haben noch immer ein gewachsenes System, das gut ist. Wir müssen versuchen, die richtigen Pferde zu halten.» Auch in Deutschland werde investiert. «Aber die Bereitschaft, für ein Spitzenpferd viel zu zahlen, ist im Ausland größer als hier. Deshalb gehen auch viele gute Pferde weg.»

Trotz des härteren Wettstreits im und außerhalb des Parcours sieht der Mannschafts-Olympiasieger von 2000 die deutschen Springreiter «nach wie vor im internationalen Vergleich gut aufgestellt». An seiner Einschätzung kann auch die Pleite bei den Olympischen Spielen in London im vergangenen August nichts ändern, als das Team als Welt- und Europameister schon nach dem ersten Umlauf ausgeschieden war.

«Daran hatte man schon zu knacken», gestand Becker ein, der nach den Olympischen Spielen 2008 das Bundestrainer-Amt übernahm und im vergangenen Herbst seinen Vertrag bis Rio 2016 verlängert hat. «Aber das ist Sport und kein Wunschkonzert. Die anderen sind besser geworden.» Grund zum Pessimismus hat er nicht: «Wir haben jetzt ein neues Jahr, schauen nach vorne und haben neue Ziele.»

Ein Ziel neben der EM im August im dänischen Herning ist der Weltcup. Leipzig ist die neunte von zwölf Qualifikations-Stationen für das Finale der wichtigsten Hallenserie. Bislang hat in dieser Saison noch kein deutscher Springreiter einen Weltcup-Sieg auf seinem Konto.

Dennoch ist Becker vor dem Weltcup-Springen am Sonntag zuversichtlich. «So haben wir derzeit noch immer sieben Leute, die sich für das Weltcup-Finale in Göteborg qualifizieren können», sagte er. «Aber wir haben das ja schon bei Olympia gesehen: Es wird immer schwerer, die anderen Nationen haben aufgeholt.»

Beste Deutsche in der Gesamtwertung sind derzeit der Weltranglisten-Erste Christian Ahlmann (Marl) auf Platz sechs und Marcus Ehning (Borken) einen Rang dahinter. Neben den sieben Final-Kandidaten dürfen sich auch die 22-jährigen Youngster Kathrin Eckermann (Münster) und Patrick Stühlmeyer (Osnabrück) bewähren. Zumindest an hoch talentierten Reitern herrscht in Deutschland derzeit kein Mangel.

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