Erich Kühnhackl ruht in sich selber. Der deutsche Eishockey-Star aus den 70er und 80er Jahren weiß mehr denn je, was wichtig ist - für ihn. „Ich will das Leben doch ein bisschen genießen. Daher halte ich Stress von mir fern, so gut es geht.“ Doch das Eishockey lässt den 61-jährigen Landshuter deshalb nicht los: „Ich könnte jeden Tag ein paar Spiele anschauen, so viel Spaß macht mir der Sport noch immer.“

Erich Kühnhackl.
Erich Kühnhackl.

Erich Kühnhackl.

Erich Kühnhackel im Jahr 2000. Damals erfüllte er sich seinen Traum vom Trainerposten in der Eishockey-Liga bei den Straubing Tigers.

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Erich Kühnhackl.

Landshut. Erich Kühnhackl ruht in sich selber. Der deutsche Eishockey-Star aus den 70er und 80er Jahren weiß mehr denn je, was wichtig ist - für ihn. „Ich will das Leben doch ein bisschen genießen. Daher halte ich Stress von mir fern, so gut es geht.“ Doch das Eishockey lässt den 61-jährigen Landshuter deshalb nicht los: „Ich könnte jeden Tag ein paar Spiele anschauen, so viel Spaß macht mir der Sport noch immer.“

Herr Kühnhackl, Sie sind Eishockey-Experte bei Sky. Wie beurteilen Sie das deutsche Eishockey?

Erich Kühnhackl: Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt, wir arbeiten nicht mehr gegen-, sondern miteinander zum Wohle unseres Sports. Man versucht es. Das ist schon mal ein sehr, sehr positiver Weg.

Auf welchen Bereich beziehen Sie sich?

Kühnhackl: Auf den Nachwuchs. Dort wird, so empfinde ich es, sehr viel unternommen. Ob nun in der Deutschen Eishockey-Liga, in der 2. Bundesliga oder auch in der Oberliga. Es wird in der Nachwuchsarbeit mehr Zeit und mehr Geld investiert, weil alle erkannt haben, dass die Nachwuchsarbeit für die Entwicklung des Eishockeys sehr wichtig ist.

Geboren am 17. Oktober 1950, wohnhaft in Landshut. Erich Kühnhackl ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Beruf Kühnhackl arbeitet als Eishockey-Experte für den Bezahlsender Sky, ist Mitglied des Präsidiums des Deutschen Eishockey-Bundes und betreut seine eigene Stiftung.

Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen von Innsbruck (1976) sowie vier deutsche Meistertitel. 1997 wurde Kühnhackl in die Hall of Fame des Eishockey-Weltverbandes aufgenommen.

Das bedeutet, die Ligen haben den richtigen Weg eingeschlagen?

Kühnhackl: Ja, die drei erwähnten Ligen entwickeln sich sehr professionell. Es sind keine großen Schritte, aber viele kleine Schritte bringen dich auch vorwärts. Ganz wichtig ist dabei, dass wir diese Schritte gemeinsam, also Deutscher Eishockey-Bund und Deutsche Eishockey-Liga, machen. Denn so ist einfacher und erfolgreicher.

Wie ist die Nachwuchsförderung im Vergleich mit anderen Nationen?

Kühnhackl: Vergleiche mit anderen Nationen sind sehr schwer, weil die Bedeutung des Eishockey-Sports in anderen Ländern einen anderen Stellenwert besitzt. Nehmen wir die Tschechen, die Russen, die Schweden, die Finnen. Nichts desto trotz: In Deutschland wird die Wichtigkeit der Nachwuchsarbeit inzwischen mit ganz anderen Augen gesehen als früher. So wächst ja eine Generation Eishockey-Spieler heran, die der deutschen  Nationalmannschaft eines Tages guttut.

Wie sieht es momentan aus?

Kühnhackl: Wir haben schon jetzt eine junge, neue Generation, die in den vergangenen Jahren herangewachsen ist. Natürlich auch durch die Tatsache, dass die jungen Spieler die Zeichen der Zeit erkannt und härter trainiert haben. Weil sie wissen, dass überall in den jeweiligen Ligen – mit 16, 17 Jahren in der Oberliga, mit 18, 19, 20 Jahren in der 2. Bundesliga oder ab 21 Jahren in der DEL – Leistung abgefragt wird.

Leistung und Einsatz rentieren sich?

Kühnhackl: Es funktioniert, wenn man sieht, dass immer mehr junge deutsche Akteure eine Chance in der Deutschen Eishockey-Liga bekommen, dass viele deutsche Spieler in DEL-Klubs eine Führungsposition innehaben. Das kommt im Endeffekt dem deutschen Eishockey und natürlich bauch der deutschen Nationalmannschaft zugute.

Soll das heißen, dass in Ihrer aktiven Zeit weniger zielstrebig trainiert wurde, dass es eine wildere Zeit war?

Kühnhackl: Halt, halt. Überhaupt nicht. Natürlich war es damals anders. Aber so wie sich im Laufe der Zeit ein Mensch oder die ganze Welt verändert, so verändert sich auch das Eishockey in 20, 30, 40 Jahren. Betrachten wir die NHL in Amerika, Weltmeisterschaften, auch die DEL: Die Sportart ist schneller geworden, athletischer, dynamischer. Da könnte ich noch zehn Attribute aufzählen. Es ist alles professioneller geworden. Und es wird mehr am Limit gearbeitet.

Waren Sie damals mit weniger Einsatz erfolgreich?

Kühnhackl: Ich glaube, die Anstrengungen, die Einstellung oder auch der Kampf, sich mit dem Eishockey auseinanderzusetzen, bleibt immer gleich. Wir wollten früher Erfolg haben, heute ist es nicht anders. Aber Erfolg ist in der modernen Gesellschaft ein ganz wichtiger Faktor.

Heute geht es also professioneller zu?

Kühnhackl: Das Profitum steckte damals noch in den Kinderschuhen, viele Spieler gingen neben dem Eishockey noch einem Beruf nach und haben trotzdem ihre Leistung gebracht. Heute stehen Vollprofis im Prinzip ja 24 Stunden am Tag dem Trainer zur Verfügung.

Und die modernen Erkenntnisse...

Kühnhackl: …sind ganz andere. Zum Beispiel über die Regeneration. Oder über die viel bewusstere Ernährung. So hat sich der Eishockeysport in sehr vielen Dingen hin zum Positiven entwickelt.

Wie Sie gesagt haben, profitiert von dieser Entwicklung auch die Nationalmannschaft.

Kühnhackl: Der Bundestrainer kann auf einen größeren Kader zurückgreifen. Es sind nicht mehr 30 bis 40 Spieler, sondern vielleicht 60 bis 80, die er berücksichtigen kann. Er hat die Qual der Wahl, weil diese Spieler in der DEL ihren Mann stehen und eine gute Rolle bei ihren Klubs spielen.

Profitieren nur der Bundestrainer und die Nationalmannschaft und die DEL-Klubs?

Kühnhackl: Nein, auch die U20- und die U18-Nationalmannschaften sind Nutznießer, zum Beispiel bei Europa- oder Weltmeisterschaften.

Wenn es jetzt so gut läuft, wurde früher ja wohl etwas verpasst?

Kühnhackl: In der Vergangenheit gab es Versäumnisse in der Nachwuchsförderung. Aber die Entwicklung in den vergangenen Jahren ist sehr positiv. Das zeigt sich in der Spitze, wenn bei einer Weltmeisterschaft die A-Nationalmannschaft sich gut schlägt.

Aber es gibt noch Arbeit?

Kühnhackl: Ja, es gibt immer wieder Sachen, die man verbessern kann.

Blick wir in die Zukunft: Wo sehen Sie das Eishockey in 20 Jahren?

Kühnhackl: Ich denke, zum Beispiel in der Trainingsmethodik oder auch -Philosophie wird es neue Wege geben, darin steckt immer Potenzial für Verbesserungen. Aber die Schritte werden kleiner sein als in den vergangenen Jahren. Der Sport als solches, also nicht nur das Eishockey, ist auf einem sehr hohen Level angekommen – das sieht man auch in anderen Sportarten wie der Leichtathletik oder dem Schwimmen.

Die Schritte werden also kleiner sein als die in den vergangenen Jahrzehnten?

Kühnhackl: Ja, aber vielleicht müssen sie gar nicht mehr so groß sein. Wenn ich an das Niveau in der NHL, bei Weltmeisterschaften oder auch in der DEL denke, könnte ich jeden Tag mehrere Spiele anschauen, weil es mir so viel Spaß macht. Dass man dabei immer Nuancen entdeckt, die man verbessern könnte, wird es immer geben.

Sehen sie die Möglichkeit, näher an die internationalen Topteams heranzurücken?

Kühnhackl: Ja, ich glaube schon, dass wir im Vergleich zu den Topteams wie Kanada, Russland oder Tschechien noch vieles annehmen und umsetzen können.

Und eines Tages steht der Trainer Erich Kühnhackl wieder an der Bande?

Kühnhackl: Ich habe 2007 die Straubing Ice Tigers trainiert. Man sollte zwar nie "nie" sagen. Vor allem, weil die Welt des Eishockeys eine ganz große Herausforderung ist. Aber ich gehe davon aus, dass ich nicht mehr als Trainer arbeite. Ich will mein Leben nun auch ein bisschen genießen

Mit Ihrer Stiftung unterstützen Sie den Eishockeysport ja auch auf eine andere Art und Weise.

Kühnhackl: Das Highlight in meiner Karriere war, dass ich diesen wunderschönen Sport ausüben konnte. Dabei haben sich so viele Menschen für mich und meine Karriere eingesetzt. Ich will ein bisschen davon zurückgeben und den Nachwuchs unterstützen. Ideell und materiell.

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