Springreit-Legende Hans Günter Winkler über Erfolg, Gold-Pferd Halla und zu viele Turniere im Reitkalender.

Hans Günter Winkler auf Halla aus der Sicht unseres Karikaturisten Christof Haerringer.
Hans Günter Winkler auf Halla aus der Sicht unseres Karikaturisten Christof Haerringer.

Hans Günter Winkler auf Halla aus der Sicht unseres Karikaturisten Christof Haerringer.

Hans Günter Winkler gemeinsam mit Wunderpferd Halla (l.) und heute im Alter von 85 Jahren.

Hans Günter Winkler gemeinsam mit Wunderpferd Halla (l.) und heute im Alter von 85 Jahren.

Christoph Haerringer, Bild 1 von 3

Hans Günter Winkler auf Halla aus der Sicht unseres Karikaturisten Christof Haerringer.

Warendorf. Er ist der erfolgreichste Springreiter aller Zeiten bei Olympischen Spielen, blieb aber in seiner Karriere nicht ohne Anfeindungen. Gemacht hat sich Hans Günter Winkler daraus nichts. „Ich habe mich nie verbiegen lassen, bin immer meinen Weg geradeaus gegangen“, sagt der 85-Jährige aus Wuppertal-Barmen.

Herr Winkler, welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem 17. Juni 1956?

Hans Günter Winkler: Das war der Tag, an dem ich bei den Olympischen Reiterspielen in Stockholm zwei Goldmedaillen gewonnen habe. Im Einzel und gemeinsam mit Fritz Thiedemann und Alfons Lütke Westhues zusätzlich in der Mannschaft.

Verdammt lang her

Wenn man das so nüchtern hört, kann man nicht einmal erahnen, welche Dramatik damit verbunden war.

Winkler: Als amtierender Weltmeister bin ich damals als Mitfavorit nach Stockholm gereist. Der Parcours bereitet meinem Pferd Halla auch überhaupt keine Probleme. Dann kommt der 13. Sprung. Und plötzlich durchzuckt ein Schmerz meinen Körper, ich kann mich kaum noch im Sattel halten, beende den Umlauf halb ohnmächtig. In der Pause zum zweiten Umlauf wird ein Muskelriss in der Leiste diagnostiziert. Ein Arzt versucht, die Schmerzen mit einem Zäpfchen zu mindern, wirklich besser wird es nicht, aufgeben kann ich aber auch nicht, dann wäre die Mannschaft geplatzt. Also in den zweiten Umlauf. Der wird zu einem Märtyrium. Ich hänge fast hilflos auf dem Rücken des Pferdes, kann ihm so gut wie keine Hilfen geben. Aber Halla meistert die Situation, bleibt fehlerlos und rettet damit nicht nur mir, sondern auch dem Team das Gold.

„Ich bin ein kritischer Mensch, aber Kritik kommt heute nicht immer gut an.“

Halla muss ein unglaubliches Pferd gewesen sein.

Winkler: Sie war, und das kommt bei Pferden nicht häufig vor, hoch intelligent. Sie war aber auch eine Zicke mit vielen kleinen und großen Macken.

Wenn sie auf Ihre Laufbahn zurückblicken – sind Sie dann auch ein wenig stolz?

Winkler: Schon als junger Mensch hatte ich nur ein Ziel – ich wollte es schaffen, wollte durch Leistung nach oben kommen und irgendwann der Beste werden. Das habe ich geschafft. Und insofern bin ich schon stolz. Und das beziehe ich nicht nur auf den Sport.

Zu den nicht so erfolgreichen Kapiteln Ihrer Sport-Laufbahn gehört die Zeit als Bundestrainer.

Winkler: Ganz ehrlich – das war eine fürchterliche Zeit. Eigentlich wollte ich auch nie Bundestrainer werden. Und im Nachhinein bereue ich es, dass ich mich damals habe überreden lassen.

Schlagen wir einen Bogen zur Gegenwart. Wie beurteilen Sie Ihre Nachfolger?

Winkler: Wir haben in Deutschland viele gute Reiter. Allerdings gibt es die im Ausland auch. Insgesamt liegt die Spitze sehr eng beieinander. Dass unsere Mannschaft trotzdem zuletzt wieder bei den Welt- und Europameisterschaften ganz oben auf dem Siegerpodest stand, spricht für sich. Im Fußball galt jahrelang der Spruch, dass sich viele Nationen um den Sieg bemühen und am Ende immer die Deutschen gewinnen. Ähnlich ist das im Springreiten.

Häufig wird Ihnen nachgesagt, zu Ihren Nachfolgern nicht das beste Verhältnis zu haben.

Winkler: Ich bin ein kritischer Mensch, und Kritik kommt nicht immer gut an. Trotzdem ist das Verhältnis zu meinen Nachfolgern gut. Auch mit Ludger Beerbaum verstehe ich mich mehr als passabel.

Sie setzen sich mit dem Reitsport kritisch auseinander. Was gefällt Ihnen nicht?

Winkler: Wir haben zu viele Turniere. Dadurch bekommen die Top-Pferde zu wenige Pausen. Pferde sind keine Maschinen. Wenn überhaupt, dann kann man sie am ehesten mit der Formel 1 vergleichen. Wenn man eine Schraube überdreht, dann bleibt der Wagen irgendwann stehen. Genauso ist das auch bei Pferden. Mein Traum war es immer, einen Sponsor zu finden, der Reitern und Pferden einmal im Jahr eine sechswöchige Pause finanziert. Leider ist mir das noch nicht gelungen.

Für gute Pferde müssen heute Millionen auf den Tisch gelegt werden. Kann das zum Problem werden?

Winkler: Im Reitsport sind Angebot und Nachfrage für den Preis entscheidend. Das mag man bedauern, zu ändern ist es nicht. Deshalb brauchen wir Sponsoren. Davon gibt es aber leider zu wenig. Negativ macht sich bemerkbar, dass die meisten großen Firmen nicht mehr von Inhabern geführt werden. Stattdessen haben dort heute Manager das Sagen. Und es ist schwierig, von denen Geld für den Sport zu bekommen. Glücklicherweise haben wir in Deutschland aber eine gute Zucht, die immer wieder Spitzenpferde herausbringt. Schön wäre es, wenn die häufiger im Lande gehalten werden könnten.

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