Siemens-Chef Löscher sieht sich unangefochten als die Nummer Eins. «Ich bin der Kapitän, und der steht auf der Brücke», sagte er. Foto: Peter Kneffel (Archiv)
Siemens-Chef Löscher sieht sich unangefochten als die Nummer Eins. «Ich bin der Kapitän, und der steht auf der Brücke», sagte er. Foto: Peter Kneffel (Archiv)

Siemens-Chef Löscher sieht sich unangefochten als die Nummer Eins. «Ich bin der Kapitän, und der steht auf der Brücke», sagte er. Foto: Peter Kneffel (Archiv)

dpa

Siemens-Chef Löscher sieht sich unangefochten als die Nummer Eins. «Ich bin der Kapitän, und der steht auf der Brücke», sagte er. Foto: Peter Kneffel (Archiv)

München (dpa) - Nach wachsender Kritik geht Siemens-Chef Peter Löscher in die Offensive. Viele Vorwürfe seien unfair, und eine Revolte im Vorstand drohe schon gar nicht: «Das ist Humbug!» sagte Löscher vor der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

Gewinn und Dividende seien in seiner Amtszeit kräftig gestiegen, die beiden vergangenen Jahre seien die besten in der Konzerngeschichte gewesen. «Siemens ist auf Erfolgskurs, und daran ändert auch Rauschen im Blätterwald nichts», sagte Löscher.

Zugleich räumte er aber Pannen ein und relativierte sein umstrittenes Ziel, mittelfristig 100 Milliarden Euro Umsatz zu erreichen. Das sei zweitrangig: «Die 100 Milliarden waren immer nur ein Sekundärziel, Wachstum und Größe sind kein Ziel an sich», erklärte Löscher. «Wir müssen Geld verdienen - und das tun wir.»

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte dem «Manager Magazin» (Freitag): «Herr Löscher macht das im Saldo sehr gut. Er ist für die jetzige Phase genau der Richtige, so wie er es in der schwierigen Anfangszeit war.» Das werde bald an den Ergebnissen ablesbar sein. Löscher hat nach einem Gewinnrückgang im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Sparprogramm bis 2014 aufgelegt, bei dem auch Tausende Stellen abgebaut werden.

Das «Manager Magazin» berichtete, im Siemens-Konzern formiere sich zunehmend Widerstand gegen Löscher. Er werde von den starken Vorständen der Industrie- und der Energiesparte, Siegfried Russwurm und Michael Süß, «nicht richtig ernst genommen. Man macht sich eher lustig über ihn». Finanzvorstand Joe Kaeser sei «zunehmend genervt von Löscher» und würde das 100-Milliarden-Ziel lieber heute als morgen kassieren.

Löscher sieht sich dagegen unangefochten als die Nummer Eins. «Ich bin der Kapitän, und der steht auf der Brücke», sagte er. Sein Vertrag sei nach einer extrem erfolgreichen ersten Amtszeit um weitere fünf Jahre bis 2017 verlängert worden. Aber er habe keinen Vorstand, der nur ja sage. «Im Vorstand wird offen und manchmal kontrovers diskutiert, und das will ich ausdrücklich», betonte Löscher. Er treffe aber keine einsamen Entscheidungen: «Am Ende haben wir stets jede Entscheidung einstimmig getroffen.»

Cromme hatte Löscher 2007 vom US-Pharmakonzern Merck an die Spitze des vom Schmiergeldskandal erschütterten Elektrokonzerns geholt. Auf die Frage, ob der Aufsichtsratschef seine Lebensversicherung sei, sagte Löscher: «Ich habe keine Lebensversicherung und ich brauche auch keine. Am Ende des Tages zählt der Erfolg.» Der Gewinn pro Aktie sei in seiner bisherigen Amtszeit um 55 Prozent gestiegen.

Bei der erneut verschobenen Auslieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn und bei der Anbindung von Nordsee-Windparks ans deutsche Stromnetz habe Siemens Fehler gemacht, räumte Löscher ein. Aber die Pannen häuften sich nicht: «Das täuscht! Wir hatten zwei Probleme, die hier in Deutschland für viele Schlagzeilen gesorgt haben.»

Cromme sagte: «Wir haben bei Siemens kein Problem mit den Führungsleuten.» Der Vorstand sei mit heute zehn Mitgliedern nur ungewöhnlich groß und werde «mit Sicherheit im Laufe der Zeit kleiner werden». Einkaufsvorstand Barbara Kux scheidet im Herbst aus. Löscher sagte, wie ihre Zuständigkeit im Vorstand neu zugeordnet werde, werde beizeiten besprochen.

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