Der CEO des Münchener Technologiekonzerns gesteht Fehler ein, wehrt sich aber gegen Rücktrittsforderungen.

Steht in der Kritik: Siemens-Chef Peter Löscher
Steht in der Kritik: Siemens-Chef Peter Löscher

Steht in der Kritik: Siemens-Chef Peter Löscher

Peter Kneffel

Steht in der Kritik: Siemens-Chef Peter Löscher

München. Peter Löscher steht seit Monaten in der Kritik. Kurz vor der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch weht dem Siemens-Chef ein besonders frostiger Wind ins Gesicht. Löscher weist aber Spekulationen über einen baldigen Abgang weit von sich.

Herr Löscher, verspätete ICE-Lieferungen, Pannen bei der Anbindung von Nordsee-Windparks, der teure Abschied vom Solargeschäft und das Sparprogramm mit Jobabbau. Was machen Sie falsch?

Löscher: Bleiben wir doch bei den Fakten. Die letzten beiden Jahre waren die besten in der Geschichte des Unternehmens. Schauen Sie sich die vergangenen fünf Jahre an: Wir waren außerordentlich erfolgreich, beim Umsatz, beim Gewinn, bei der Dividende -. Unter dem Strich haben wir kräftig zugelegt. Und am Ende zählt der Gewinn pro Aktie. Der ist in meinen ersten fünf Jahren um 55 Prozent gestiegen.

Einige Beobachter legen Ihnen einen Rücktritt nahe.

Löscher: Ich bin vom Aufsichtsrat einstimmig für eine zweite Amtszeit berufen worden. Jetzt machen wir uns an die nächste Etappe. Die erste ist extrem erfolgreich verlaufen. Wir mussten den Korruptionsskandal aufräumen, dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise. Und trotzdem haben wir viel schneller mehr erreicht, als ich mir je vorgestellt habe.

Die Rendite ist von zwölf auf 9,5 Prozent gesunken. Reicht das als Grund, mit dem Programm Siemens 2014 tausende Arbeitsplätze zu streichen?

Löscher: Arbeitsplatzabbau ist nicht Ansatz und Mittelpunkt von Siemens 2014. Wir stellen uns dem Wettbewerb und wollen erfolgreich sein. Sonst werden wir getrieben und kommen in Situationen wie andere, weniger erfolgreiche Firmen. Das wäre dann wirklich eine Gefahr für Arbeitsplätze. Im Übrigen: In unserem Kerngeschäft haben wir viele neue Arbeitsplätze geschaffen.

Wenn bei Siemens alles in Ordnung ist, warum fällt die Kritik an Ihnen so heftig aus?

Löscher: Ich stehe einem Konzern vor. Und wer den Vorstandschef von Siemens angreift, findet damit immer Aufmerksamkeit. Aber ich will da gar nicht spekulieren. Natürlich ist uns im letzten Jahr nicht alles gelungen, aber uns ist sehr vieles gelungen.

Aber die Pannen häufen sich.

Löscher: Das täuscht. Wir hatten zwei Probleme, die hier in Deutschland für viele Schlagzeilen gesorgt haben. Bei der Anbindung der Nordsee-Windparks haben wir Fehler gemacht, das habe ich mehrfach klar angesprochen. Wir haben zu viel auf einmal angepackt und bei Pionierprojekten haben wir Zeitplan und Preis fix zugesagt. Das wird jetzt korrigiert.

Und bei den ICE-Zügen?

Löscher: Das war das zweite Problem. Ich kann die Enttäuschung unseres Kunden Deutsche Bahn verstehen. Da haben wir unseren Teil der Verantwortung. Aber auch die Verzögerungen bei der Zulassung der neuen ICE-Züge sind ein spezifisch deutsches Thema. Die Anforderungen sind speziell, die Zulassungsverfahren kompliziert. In Russland, China und Spanien haben unsere Hochgeschwindigkeitszüge derselben Baureihe schon 150 Millionen Kilometer zurückgelegt, ohne Probleme.

Ihr Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat Sie 2007 zu Siemens geholt. Er sagt, Sie machten Ihren Job „im Saldo sehr gut“. Ist der Aufsichtsratschef Ihre Lebensversicherung?

Löscher: Ich habe keine Lebensversicherung und ich brauche auch keine. Am Ende des Tages zählt der Erfolg.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer