Düsseldorf. Hach, was geht es uns gut. Auf diesen Nenner lässt sich bringen, was Oberbürgermeister Joachim Erwin und Kämmerer Helmut Rattenhuber gestern zu verkünden hatten. Anlass war – Achtung, jetzt kommt ein schlimmes Wortungetüm: „Die zweite vorläufige Eröffnungsbilanz im Neuen Kommunalen Finanzwesen“. Hinter diesem Verwaltungssprech versteckt sich die Tatsache, dass Städte und Gemeinden ab 2009 eine neue Form der Bilanz vorlegen müssen, und zwar unter Beachtung kaufmännischer Grundsätze. Etwa so, wie sie Unternehmen erstellen müssen. Dazu gehört, dass das gesamte städtische Vermögen erfasst und taxiert wird.
Bewertet wurde alles, was der Stadt gehört – von den Wildparktieren (alle zusammen 6000 Euro wert) bis hin zu den 340 Brücken, 430 Kinderspielplätzen, 165 Schulen und dem gesamten Straßennetz (1250 Kilometer), aber auch Gleisanlagen, Kanäle und Museumsbilder. Die Werte geben die Summe an, die die Stadt für die Wiederbeschaffung ausgeben müsste (mit den zugehörigen Grundstücken). Zum Teil sind das freilich nur Annäherungen, weil zum Beispiel öffentliche Straßen ja nicht frei auf dem Markt gehandelt werden. Ihr Wert wurde deshalb auf zehn Prozent der anliegenden Grundstücke taxiert.
Kämmerer: Die Werte wurden gezielt niedrig angesetzt
Denkmäler – wie etwa das Jan-Wellem-Denkmal – wurden gar nicht, beziehungsweise nur mit einem symbolischen Euro bewertet, damit sie überhaupt in der Inventarliste auftauchen. Rattenhuber betonte, dass die Werte gezielt niedrig angesetzt wurden.
Die Summe all dessen ändert letztlich zwar nichts an den Kerndaten des Haushaltes, aber sie lässt andere Perspektiven zu. Und an ihrer Betrachtung hatte Erwin gestern große Freude. Denn unter dem Strich steht ein Gesamtwert des städtischen Vermögens von rund zwölf Milliarden Euro. 500 Millionen mehr als bei der ersten Eröffnungsbilanz vor einem Jahr. „Wir haben das Vermögen der Bürger weiter vermehrt“, jubelte Erwin.
Auf jeden Düsseldorfer, vom Baby bis zum Greis, entfalle ein Vermögenswert von 20 675 Euro. „Das Bedauerliche ist: Wir können das Geld nicht auszahlen, es ist nur virtuelles Vermögen.“ Dennoch sieht Erwin durch das Zahlenwerk seine Finanzpolitik bestätigt: Die Eigenkapitalquote liege bei 69 Prozent, rechnete er vor, damit liege die Stadt besser als Hamburg (4 %), Essen (32 %), Mülheim (44 %).
Am Randes beantwortete Erwin auch erstmals Journalistenfragen zur Paketpost.
Bilanzsumme
Aktiva Der größte Posten in der Bilanzsumme (12,038 Mrd. Euro) ist das Infrastrukturvermögen (36 %), gefolgt vom Wert bebauter Grundstücke (17 %) und den Finanzanlagen (16 %).
Beispiele Folgende Werte wurden geschätzt: Straßennetz: 517 Mio., Grünflächen: 147,5 Mio., Aquazoo: 24,2 Mio, Rettungsfahrzeuge: 22,5 Mio., Stadtwald: 12,5 Mio., Görres-Gymnasium: 5,2 Mio., Schlossturm: 300 000 Euro.




