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HomeRatgeberMedizin & Gesundheit
27. November 2007 - 00:00 Uhr
ADHS: Hilfe für den Zappelphilipp
von Tanja Henkel
Kinder können nicht nur mit Ritalin behandelt werden, es gibt Alternativen.
 
 

Wuppertal. Marcel sitzt am Esstisch, vor ihm ein halb geleerter Teller mit Spaghetti, unruhig rutscht der 12-Jährige hin und her. Nach etwa zehn Minuten kann sich Mutter Corinna nicht mehr zurückhalten: „Jetzt reiß dich zusammen, zappel nicht so rum.“

So oder ähnlich geht es jeden Mittag bei Familie Meyer zu – denn Marcel leidet an ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Zwar nimmt der Junge das Medikament Ritalin, aber gegen Mittag lässt die Wirkung nach. Mutter Corinna hat bewusst Wert darauf gelegt, dass ihr Sohn nicht hoch dosiert wird.

Denn die Medizin kann in einigen Fällen Nebenwirkungen hervorrufen. Wenn das Mittel abgesetzt wird, verstärken sich die Symptome sogar. Deshalb wenden sich immer mehr Eltern alternativen Heilmethoden zu. Auch wenn Kinderärzte davor warnen, solchen Methoden rückhaltlos zu vertrauen. So sei eine Kombination oft der beste Weg.

„Die Zahl unserer Patienten mit der Diagnose ADHS steigt stetig“, stellt auch Manfred Strauss, Heilpraktiker in Wuppertal fest. Er bietet gemeinsam mit der Familientherapeutin Ulrike Elbers eine „ganzheitliche Behandlung“ an.

„Wichtig ist vor allem eine Nahrungsumstellung. Neueste Studien zeigen, dass alleine natürliche und ausgewogene Ernährung deutliche Besserung bringt“, so der Heilpraktiker. Die Familie sollte alle Soft-Getränke und Produkte mit Lebensmittelzusatzstoffen, Konservierungsstoffen und Emulgatoren von der Einkaufsliste streichen.

Als einer der Auslöser der Krankheit, die im Übrigen meist bei Jungen vorkommt, gilt Bewegungsarmut. Homöopathische Arzneimittel oder Bioresonanztherapie können helfen, so Strauss. Auch durch autogenes Training kann sehr gut Besserung erzielt werden. „Die Therapie muss auf jeden individuell abgestimmt werden“, erläutert Strauss.

Eltern sollten sich außerdem auch über die positiven Eigenschaften ihrer Kinder bewusst werden. Diese guten Verhaltensweisen müsse man bestärken. „Die Kinder brauchen den Rückhalt ihrer Eltern. Sie dürfen sich nicht nur als Störfaktor sehen“, so Familientherapeutin Ulrike Elbers.

Oft helfe hier ein sogenanntes Elterntraining oder Familiensitzungen. Beide Experten weisen aber daraufhin, dass die Therapien mit dem Arzt abgestimmt sein sollten.

Die Krankheit

Diagnose Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (auch als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom oder Hyperkinetische Störung (HKS) bezeichnet) ist eine, bereits im Kindesalter beginnende, psychische Störung, die sich primär durch leichte Ablenkbarkeit und geringes Durchhaltevermögen, sowie ein leicht aufbrausendes Wesen mit der Neigung zum Handeln ohne nachzudenken, häufig auch in Kombination mit Hyperaktivität, auszeichnet.

Medikamente Zur Behandlung der ADHS werden Stimulanzien eingesetzt, welche den Dopaminstoffwechsel im Gehirn beeinflussen. In Deutschland wird der Wirkstoff unter dem Handelsnamen Ritalin vertrieben. Aufgrund der kurzen Wirkzeit kann an deren Ende ein Rückschlag auftreten. Hierbei treten wieder Symptome der Unruhe bzw. Hyperaktivität auf.

Alternativen Beratungen bei Heilpraktikern werden von den meisten privaten Kassen übernommen und kosten in etwa 50 Euro. Ein Elterntraining in der Gruppe kostet etwa 130 Euro.

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