Krefeld. Am Freitag hat es in Krefeld Golfbälle geregnet. So jedenfalls sahen die Hagelkörner aus, die ab 5.50 Uhr gut eine Viertelstunde lang auf die Innenstadt und die westlichen Stadtteile niedergingen. Der Krefelder Osten blieb indes verschont. 20 Menschen, darunter ein Mitarbeiter der Feuerwehr, wurden leicht verletzt. Sie erlitten Prellungen oder Platzwunden durch die Wucht der schweren Hagelkörner. Stationär behandelt werden musste aber niemand.
Allein die Polizei musste etwa 100 Mal ausrücken, zumeist wegen Sachschäden an Dachfenstern, Treibhäusern und Hunderten Fahrzeugen. Die Westparkstraße musste auf einer Spur kurzzeitig gesperrt werden, weil Äste und Blätter auf der Fahrbahn lagen, ebenso der Westwall. Polizeisprecher Rainer Behrens vermutet einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe.
Feuerwehr etwa 20 Mal im Einsatz, Keller laufen voll
Nicht ganz so beschäftigt war die Feuerwehr, die rund 20 Mal im Einsatz war, zumeist wegen beschädigter Dächer, bei denen Ziegel herunterzufallen drohten. Bei der Firma Verseidag stand eine Halle unter Wasser, auch einige Keller liefen voll. „Es waren aber nicht so viele wie befürchtet. Dafür war das Unwetter wohl zu kurz“, sagt Einsatzleiter Horst Praß.
„So ein Grollen wie bei diesem Unwetter hatten auch unsere altgedienten Feuerwehrleute noch nie gehört“, so Feuerwehrsprecher Kai Günther An den städtischen Kindergärten und Schulen waren die Dachschäden erheblich. Viele Scheiben gingen zu Bruch, vor allem auf Flachdächern wurden Plexiglas- und Lichtkuppeln zerstört. Vereinzelt wurden Räume hinter kaputten Fenstern überflutet, so etwa im Stadthaus, in der Rathauskantine, bei der Volkshochschule und im Gesundheitsamt.
Schwer beschädigt wurde auch das neue Dach der Werner-Rittberger-Halle. In der Mediothek hielt das Glasdach dem Schauer stand, nur einige Lichtkuppeln gingen zu Bruch. Im Kaiser-Wilhelm-Museum traf es einige Dachfenster, die jedoch rasch geflickt werden konnten.
„Bei uns sind alle Fahrzeuge beschädigt“, sagt Tiefbauamtsleiter Hartmut Könner. Auch Straßenlaternen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Hagelkörner rissen darüber hinaus Steuergeräte an einigen Ampeln ab. „Das hat selbst Kyrill nicht geschafft“, so Könner. Bevor der Schaden beziffert würde, müssten erst die Reparaturen gemacht werden, damit der Verkehr wieder fließen könne.
Mit etwa 50 Mitarbeitern war die Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallentsorgung (GSAK) im Einsatz, um das heruntergefallene Laub der städtischen Bäume von den Straßen zu räumen. „Dort war es teilweise glatt wie auf Schmierseife“, sagt Einsatzleiter Holger Funke. „Diese Menge an heruntergefallenen Ästen und Laub nach einem so kurzen Unwetter habe ich noch nicht erlebt.“ Noch bis Anfang nächster Woche könnten die Aufräumarbeiten dauern. „Wir kommen kaum nach bei dieser Menge.“
Im Zoo starben während des Unwetters neun Flamingos. Zwei wurden von Hagelkörnern erschlagen. Die sieben anderen gerieten in Panik, flohen, erlitten Knochenbrüche und mussten eingeschläfert werden. Auch zwei Enten starben. Beschädigt wurde das Regenwaldhaus. „Es sieht aus, als hätte jemand mit einem Maschinengewehr drauf geschossen“, sagt Zoosprecherin Petra Schwinn.
Ein Anzuchtgewächshaus und das Kakteenhaus wurden im Botanischen Garten in Mitleidenschaft gezogen. „Die Seitenwände sind in Ordnung, die Dächer völlig zerschlagen“, so die Technische Leiterin Birgit Loy. Die Pflanzen seien nicht beschädigt worden. Die Häuser mussten gesperrt werden.
Busse und Bahnen fahren normal weiter, „allerdings müssen unsere Gäste damit rechnen, dass sie mit ramponierten Fahrzeugen unterwegs sind“, sagt SWK-Pressesprecher Dirk Höstermann. Blechschäden habe es reichlich gegeben, sowohl Busse als auch Bahnen seien aber voll fahrtüchtig. Auch die Schienen seien heil geblieben.
Hagel hat ganze Ernten zerstört
In einigen westlichen Stadtteilen sind komplette Ernten zerstört worden. Bei Nössing in Hüls hielten Hagelnetze die Eisbrocken fern. Weniger Glück hatte der Fischelner Hof Velmans. „Der ganze Betrieb ist platt. Alle unsere Schnittblumen sind zerstört“, sagt Anni Velmans. „Das ist alles ganz furchtbar.“




