0 0
stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
HomePanoramaNachrichten
3. November 2008 - 00:00 Uhr
Bio-Droge lockt Schüler
von Anne Wolf
Der Erwerb der Kräutermischung „Spice“ ist legal. Was den Rausch auslöst, ist unklar. Experten warnen vor dem Konsum.
 
 

Düsseldorf. Seit ein paar Wochen rennen die Kunden Thomas Morczynek die Türen ein. Er arbeitet in einem sogenannten Headshop in Düsseldorf, verkauft dort Wasserpfeifen – und „Spice“. Die „exotische Geruchsmischung“, wie es auf der Packung heißt, ist der Grund, warum täglich etwa 50 Kunden mehr als üblich bei Morczynek im Laden stehen.

„Beim Verbrennen entfaltet sich ein reiches Aroma. Genießen Sie das bezaubernde Aroma von Spice“, wirbt ein adretter Werbeflyer an der Tür. Mit einem Räucherstäbchen hat die Mischung allerdings wenig zu tun: Die Käufer vermischen die getrockneten Pflanzenstücke mit Tabak und rauchen sie – ähnlich wie Cannabis. „Der Effekt ist vergleichbar“, sagt Morczynek. „Die Geruchsmischung hat eine berauschende Wirkung.“ Auto fahren könne er nach dem Konsum nicht mehr. „Das sage ich auch den Kunden.“

In „Spice“ sollen unter anderem Helmkraut, blauer Lotus und Meeresbohne enthalten sein. Helmkraut gehört zur Pflanzenfamilie von Thymian, Oregano und Majoran. Die Lotusblume wurde im ersten Weltkrieg als Betäubungsmittel eingesetzt, wenn andere Opiate nicht verfügbar waren. Wirksam soll der Wirkstoff aber erst bei einer Menge von mindestens 30 Gramm werden. Wer „Spice“ raucht, konsumiert jedoch um einiges weniger. An der Golfküste Mexikos wird die Meeresbohne als Cannabis-Ersatz geraucht.
Spice wird in Headshops und Esoterik-Läden angeboten. Es gibt verschiedene Ausführungen, die mehr oder weniger stark wirken sollen. Drei Gramm kosten etwa 30 Euro.

Ein Probe-Konsument klagt: „Ich konnte danach gar nichts mehr. Der ganze Körper war taub, ich konnte mich nicht artikulieren.“ Ein Placebo? Nein, das könne er sich nicht vorstellen.

Theoretisch können schon 11-Jährige Spice erwerben

Gesund hört sich das nicht an. Doch „Spice“ ist legal. Theoretisch kommen schon 11-Jährige an den „Stoff“, eine Altersbeschränkung gibt es nicht. Es handelt sich ja „nur“ um eine Kräutermischung – und keines der Kräuter fällt unter das Betäubungsmittelgesetz.

Damit ist auch die Polizei in diesem Fall nicht zuständig. Theoretisch könnte ein Konsument nach „der Zigarette“ noch Auto fahren – bei einer Kontrolle wäre „Spice“ nicht nachweisbar. Die Beamten, denen „Spice“ durchaus bekannt ist, können nur warnen. „Wenn ich mich nicht wohlfühle, sollte ich generell keinen Wagen steuern“, sagt ein Polizeisprecher.

Doch wodurch wird die berauschende Wirkung verursacht? Thomas Daldrup, Toxikologe am Institut für Rechtsmedizin der Uni-Klinik, untersucht die Zusammensetzung. „Ich kann weder sagen, dass ,Spice’ hochtoxisch ist, noch dass es absoluter Humbug ist“, lautet sein vorläufiges Ergebnis.

Welche Stoffe berauschend wirken, ist noch nicht erforscht

Ursprünglich habe er damit gerechnet, Alkaloide nachweisen zu können, sagt Daldrup. Diese Stoffe können hypnothische Wirkung haben und werden auch in der Medizin eingesetzt. Damit wäre „Spice“ eine pharmazeutische Zubereitung, der Hersteller müsste eine Zulassung beantragen. Doch dem ist nicht so. Nähere Recherchen zu den Inhaltsstoffen führen ebenfalls ins Leere.

Ebenso wie die Internetadresse der Herstellerfirma – die auf der Packung genannte Homepage existiert nicht. Selbst Daldrups amerikanische Kollegen scheinen „Spice“ nicht zu kennen. Dort darf das „Kraut“ nicht vertrieben werden. Warum? Man weiß es nicht. Daldrup kann nur weitersuchen. Er rät jedoch dringend, „Spice“ nicht zu rauchen: Die Inhaltsstoffe seien nicht erforscht, auch gäbe es keine Langzeitstudien.

Niemand kontrolliere den Anbau der Pflanzen. Sie könnten mit giftigen Pestiziden behandelt worden sein. „Der Hersteller ist nicht bekannt, auf der Verpackung steht, dass ,Spice’ geräuchert werden soll. So kann niemand haftbar gemacht werden, wenn gesundheitliche Schäden auftreten.“ Auch Bernhard Jacob, Leiter der Düsseldorfer Drogenambulanz rät dringend vom Konsum ab: „Psychotrope Substanzen können bei einer entsprechenden Neigung Psychosen auslösen“, sagt er.

Die Jugendlichen scheinen sich darum keine Gedanken zu machen. Joachim Alxnat, Geschäftsführer der Düsseldorfer Drogenhilfe, spricht von einem neuen Trend. „Die Schüler rennen den Shops die Türen ein.“ Tatsächlich scheint es zur Zeit Lieferschwierigkeiten zu geben – in vielen Läden ist „Spice“ ausverkauft. Alxnat hält das für sehr problematisch. „Sie können Pilze schlucken und sich berauschen, auch das ist legal. Aber Spice wird offensiv vertrieben und an Minderjährige abgegeben.“

Gleichgültig, was in Spice wirkt und wie es wirkt – er stellt sich eine ganz andere Frage. „Warum müssen Jugendliche sich berauschen? Das ist doch das, worum es eigentlich geht.“

Social-Bookmark setzen
del.icio.us Mister Wong YiGG Webnews Linkarena
 
 
Fotogalerie
Eine Kempenerin kommt mit dem Auto von der Straße ab und prallt gegen einen Baum. Das Auto wird auf einen Acker geschleudert, die Frau musste ins Krankenhaus, ihr Hund ist zurückgeblieben und wurde von der Feuerwehr zum Tierarzt gebracht.  mehr...
Fotogalerie
Ein schwerer Schneesturm mit bis zu 70 Zentimetern Neuschnee hat das öffentliche Leben an der US-Ostküste fast vollständig lahm gelegt.  mehr...
Fotogalerie
Bei der Explosion eines Ölkessels in einer Spanplattenfabrik im sauerländischen Brilon sind am Freitag drei Arbeiter getötet worden.  mehr...
Fotogalerie
Beim Absturz eines Militärhubschraubers im hessischen Viernheim sind am Mittwochabend drei US-Soldaten ums Leben gekommen.  mehr...
Fotogalerie
Schokolade trifft Mode - und halb Promi-Deutschland ist dabei. Bei der Lambertz Monday Night wurde im Rahmen der Kölner Schokomesse ISM kräftig gefeiert.  mehr...
Fotogalerie
Tief Keziban hat am Wochenende viel Schnee über Deutschland verteilt. Unfälle und Verkehrsbehinderungen, aber auch jede Menge Spaß im Winterwunderland sind die Folge.  mehr...
Fotogalerie
Die kälteste Nacht dieses Winters liegt hinter uns, weitere Wetterkapriolen stehen bevor - ein Wetter zum Frieren.  mehr...
Fotogalerie
Im ostbelgischen Lüttich ist nach einer Explosion ein fünfstöckiges Wohnhaus eingestürzt. Mindestens elf Menschen starben unter den Trümmern.  mehr...
Fotogalerie
Ein tonnenschwerer Felsbrocken hat am Montagabend im oberbayerischen Stein bei Traunstein ein Wohnhaus unter sich begraben.  mehr...
Haiti benötigt nach dem Erdbeben dringend Spenden. Hier haben wir eine Liste der seriösen Hilfsorganisationen und deren Kontodaten zusammengestellt.  mehr...
Fotogalerie
Bei einem Zugunglück an einem Bahnübergang südlich von Braunschweig sind am Mittwochmorgen mindestens 12 Menschen verletzt worden, zwei davon schwer.  mehr...
 
Fotogalerie
Das Jahr neigt sich dem Ende zu - wir blicken zurück auf bewegende Momente 2009.  mehr...
Fotogalerie
US-Star Lady Gaga ist für ihre schrillen Outfits und egozentrischen Auftritte bekannt. Aber sie hat auch Herz:  mehr...
Fotogalerie
Dass Dessous und Gartenwerkzeug durchaus aufs selbe Bild passen, beweist seit 40 Jahren der Kalender eines deutschen Werkzeugherstellers.  mehr...
Wer im Rampenlicht steht, muss genau aufpassen, was er sagt, wenn er nicht zum Gespött des Publikums werden will. Doch das gelingt nicht immer: Viele Prominente geraten in Interviews aufs sprachliche Glatteis. Wir haben die schrägsten Zitate der Reichen, Schönen und Berühmten gesammelt - und wollen damit Ihr Wissen testen:...  mehr...
Düsseldorf (dpa) - Der Film «Der entsorgte Vater» darf nur in einer eingeschränkten Version gezeigt werden. Das hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht entschieden.   mehr...
Los Angeles (dpa) - Steven Soderbergh hat sein «Knockout»-Team vergrößert: Neben dem deutschen Schauspieler Michael Fassbender («Inglourious Basterds») und dem Briten Ewan McGregor («Illuminati») holt der Regisseur nun auch den Spanier Antonio Banderas und den US- Schauspieler Bill Paxton vor die Kamera.  mehr...
Hamburg (dpa/tmn) - Benjamin Klemann ist ein Relikt. In seiner kleinen Schuhmacherei in der Hamburger Innenstadt näht er mit seinen Söhnen und ein paar Mitarbeitern Maßschuhe zusammen, fast komplett in Handarbeit.  mehr...