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LokalesSprockhövelAktuelles
13. Oktober 2009 - 18:15 Uhr
Hügelland will endlich schneller ins Internet
von Günter Hiege
Wie hoch ist der Bedarf? Neue Gespräche mit der Telekom.
 
 

Sprockhövel/Hattingen. Die Verbindung mit den entlegensten Winkeln der Erde verspricht das weltweite Netz. Doch, wenn es um besonders schnelle Internet-Datenleitungen – so genanntes DSL – geht, gibt es in Sprockhövel und Hattingen immer noch weiße Flecken auf der Landkarte.

So dauert es etwa in Elfringhausen, Ober- und Niederstüter quälend lange, bis Daten aus dem Internet hochgeladen werden können. Gewerbliche Nutzer, die selbst größere Dateien ins Internet stellen müssen, stehen komplett auf dem Schlauch. Die Entfernung bis zum nächsten Verteilerkasten des schnellen Glasfasernetzes, von wo aus es über Kupfer-Telefonkabel in die Haushalte geht, ist einfach zu weit.

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Ab acht Kilometern funktioniert aufgrund des Widerstandsverlusts gar nichts mehr. Um zumindest eine halbwegs schnelle Übertragungsgeschwindigkeit zu gewährleisten (zwei M-Bit pro Sekunde gelten als unterer DSL- Standard), sollten es nicht mehr als vier Kilometer sein.

„ Internet gehört doch heute zur Versorgung wie Strom und Heizung.“

Eine Übertragungsrate von 1000 Bit (1 M-Bit) gilt als unterster DSL- Standard, um Filmchen, etwa bei „You-tube“ zu übertragen werden mindestens 2M-Bit benötigt, für schnelle Online-Spiele oder um selbst größere Daten ins Netz stellen zu können 6,3 bis 16 M-Bit.
In Hattingen haben derzeit laut Telekom 97,4% der Haushalte mindestens 1M-Bit verfügbar, 92,7 % 2 M-Bit und 65,6 % 6,3 bis 16 M-Bit, in Sprockhövel lauten die entsprechenden Werte 95,3 %, 91,9 % und 54,7 %.

ThorstenMaier von der Bürgerinitiative „Hattingen will DSL“

Die Bürgerinitiative „Hattingen will DSL“ kämpft seit geraumer Zeit darum, dass das Hügelland, das sich bis nach Sprockhövel zieht, besser angeschlossen wird. „Selbst für die Hausaufgaben der Kinder braucht man doch heute das Internet, in meinem Architekturbüro bin ich erst recht darauf angewiesen“, sagt Thorsten Meier, einer der Sprecher der Initiative.

Er wohnt an der Felderbachstraße und hat notgedrungen eine eigene synchrone DSL-Leitung angemietet, die sich die Telekom freilich mit 190 Euro pro Monat gut bezahlen lässt. „Internet gehört doch heute dazu wie Strom und Heizung“, sagt Maier.

Vor zwei Jahren noch hieß es von der Telekom, dass es rund 250000 Euro kosten würde, die ländlichen Gebiete Hattingens auszurüsten. Angesichts der geringen Zahl der Nutzer sei das nicht wirtschaftlich. Doch nun hat die Initiative einen neuen Anlauf gestartet und alle, die DSL wollen, es an ihrem Wohnort aber nicht verfügbar haben, aufgefordert, sich zu melden.

Stadt Hattingen vermittelt in Gesprächen mit der Telekom

127 Haushalte mit 305 Personen haben sich bisher registrieren lassen. „Es wäre natürlich toll, wenn auch aus Sprockhövel noch einige hinzukämen“, sagt Maier. Das gäbe mehr Gewicht in den Verhandlungen.

Die Stadt Hattingen tritt als Vermittler gegenüber der Telekom auf, denn eventuell sind Voraussetzungen erfüllt, Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II für den Ausbau des Breitbandnetzes im ländlichen Bereich zu erhalten. „Das würde die Situation natürlich verändern, als privates Unternehmen müssen wir auf die Wirtschaftlichkeit schauen“, sagte Telekom-Sprecher André Hofmann am Dienstag der WZ.

Telekom kalkuliert Bedarf und Ausbaukosten neu

Derzeit erstellen Telekom-Experten eine Grobplanung, was nötig wäre, um das Hattinger Hügelland besser anzuschließen. Ab nächster Woche soll es dann Gespräche darüber mit der Stadt und der Bürgerinitiative geben. Hofmann: „Danach müsste der Auftrag ausgeschrieben werden.“ Ob die Telekom mitbieten würde, oder ob es für andere, kleine Anbieter interessant wäre, könne er noch nicht sagen.

Sicher ist, dass sich auch in Sprockhövel gerade Firmen um schnellere Anschlüsse bemühen. Das DSL-Netz ist dort sogar noch etwas weitmaschiger als in Hattingen (siehe Kasten).

Wicke lässt sich eine schnelle Hausleitung legen

Die Herzkamper Firma Wicke bekommt von T-Systems demnächste eine 10-M-Bit-Leitung gelegt. „Wir wollen unsere Datenbanken replizieren, um uns mit unseren Standorten beispielsweise in Spanien oder Tschechien noch schneller austauschen zu können. Dazu reicht die hier bisher verfügbare Geschwindigkeit nicht aus“, begründete Wicke-EDV-Leiter Lothar Reiche die Investition.

Auch im IG Metall Bildungszentrum soll es spätestens mit dem Neubau ab 2011 auch schnellere Datenleitungen geben. „Wir haben hier derzeit DSL 2000, die tatsächliche Taktung ist aber geringer. Darüber werden wir mit der Telekom sprechen“, sagt Zentrums-Leiter Fritz Janitz. Wenn auch Privathaushalte dann von einer Lösung profitieren könnten, sei das umso besser.


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