Bereits zum vierten Mal nimmt Familie Paas Kinder aus der Ukraine bei sich zu Hause auf.

Die Ukrainer mit ihren Gastfamilien: Friedrich Paas, Tanja und Sascha (vorne, v.li.), Beate und Wolfgang Paas, Julia Drösser mit Tochter Nina (hinten, v. li.).
Die Ukrainer mit ihren Gastfamilien: Friedrich Paas, Tanja und Sascha (vorne, v.li.), Beate und Wolfgang Paas, Julia Drösser mit Tochter Nina (hinten, v. li.).

Die Ukrainer mit ihren Gastfamilien: Friedrich Paas, Tanja und Sascha (vorne, v.li.), Beate und Wolfgang Paas, Julia Drösser mit Tochter Nina (hinten, v. li.).

Barbara Sarx

Die Ukrainer mit ihren Gastfamilien: Friedrich Paas, Tanja und Sascha (vorne, v.li.), Beate und Wolfgang Paas, Julia Drösser mit Tochter Nina (hinten, v. li.).

Burscheid. Jeden Morgen ein frisch gelegtes Frühstücksei, natürlich vom glücklichen Huhn hinterm Haus - Beate Paas weiß mittlerweile, wie sie ihrem Gast eine besondere Freude machen kann. Bereits zum dritten Mal ist Sascha Pryshchepa aus Kiew zu Besuch. Für drei Wochen darf der 17-Jährige es sich hier gut gehen lassen.

Auch Tanya Dolzhko (14) ist aus der Ukraine angereist. Sie wohnt in dieser Zeit bei Familie Drösser. 28 Kinder und Jugendliche sind über die Langenfelder Bürgerinitiative "Hilfe für Tschernobyl-Kinder" nach Deutschland gekommen.

33 Stunden waren Sascha und Tanya mit dem Bus unterwegs

Insgesamt 33 Stunden waren sie mit dem Bus unterwegs. Eine Strapaze, die Tanya und Sascha gerne auf sich genommen haben. Denn hier bietet sich ihnen die Möglichkeit, vom Alltag daheim abzuschalten und Kraft zu tanken. Kraft, die sie dringend benötigen.

Denn auch fast 23 Jahre nach dem Reaktor-Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl leiden die Menschen in der Umgebung der Unglücksstelle noch immer unter den Strahlen. Auch in der 80 Kilometer entfernten Hauptstadt Kiew sind die Folgen der Katastrophe unübersehbar.

"Die Leute bauen weiterhin Gemüse in ihren Gärten Gemüse an, allerdings ist der Boden noch immer belastet", weiß Gastvater Klaus Drösser.

Die Katastrophe von Tschernobyl ereignete sich 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Stadt Prypjat in der Ukraine, als Folge einer Kernschmelze und Explosion in einem Kernreaktor. Sie gilt als die zweitschwerste nukleare Havarie und als eine der schlimmsten Umweltkatastrophen aller Zeiten.

Warum man wie im Fall der Familie Paas bereits zum vierten Mal Jugendliche aus dem Großraum Kiew aufnimmt, erklärt sich, wenn man die Hintergründe der Teenager erfährt. Tanya ist mit ihren 14 Jahren die Älteste der fünf Geschwister.

Im vergangenen Sommer starb ihre Mutter innerhalb von zwei Wochen an Krebs. Seither muss die Achtklässlerin die Mutterrolle übernehmen und ihrem Vater helfen. Ihre jüngste Schwester ist erst zwei Jahre alt.

Auch bei Einzelkind Sascha hat es das Schicksal nicht gut gemeint. Seine alleinerziehende Mutter arbeitete früher in einer Chemie-Fabrik, auch sie ist schwer erkrankt.

Durch die Pflegebedürftigkeit seiner Mutter wird der Wunsch des begabten Sascha, auf eine Universität zu gehen, ein Traum bleiben. Stattdessen muss er als Kfz-Mechaniker Geld verdienen. "Ich habe eine Gänsehaut bekommen, als ich am Telefon von der verstorbenen Mutter erfahren habe", sagt Julia Drösser.

Sascha macht die Bekanntschaft mit dem Kuchen "Hermann"

Von Deutschland wussten sie vorher, "dass es hier sehr sauber ist, die Leute große Autos fahren und Geld haben", erklärt Sascha die ukrainische Sicht der Dinge. "Es ist ein Abenteuer", findet Tanya, die in ihrer Freizeit gerne malt, liest und Klavier spielt und wie ihr Reisegefährte gespannt auf den Kuchen vor ihr blickt.

Bislang hat der begeisterte Gitarrist und Skifahrer Sascha trotz seiner zwei Burscheid-Besuche noch keine Bekanntschaft mit Kuchen "Herrmann" gemacht. "Schmeckt sehr gut", so das Urteil der Gäste, die laut Julia Drösser sehr unkompliziert sind.

Die Gasteltern sprechen Russisch mit ihrem Besuch

Die jungen Ukrainer haben direkt Anschluss gefunden. Familie Paas kommuniziert auf Russisch mit Sascha, der seit dem letzten Gastsspiel 2008 ständig Verbindung mit Burscheid gehalten hatte und sich über das Wiedersehen besonders freute. Auch bei Familie Drösser wird Russisch gesprochen, was vor allem die kleine Nina (4) besonders zu schätzen weiß.

Die jüngere der beiden Drösser-Töchter bekam von Mama Julia bislang zwar russische Sätze zu hören, antwortete aber stets auf Deutsch. "Jetzt, wo Tanya da ist, merkt sie, dass sie mit Deutsch nicht weiterkommt und versucht es auf Russisch", sagt Julia Drösser.

Für Tanya und Sascha steht in den Tagen bis zur Rückreise am 23. April der ein oder andere Ausflug auf dem Programm. Es geht in den Altenberger Dom und ins Phantasialand, Sonntag besuchte die Reisegruppe einen Reiterhof in Hilden. Dort konnten die Kinder und Jugendlichen bei einer Tauschbörse untereinander Kleidung tauschen, die sie in ihren Gastfamilien bekommen haben.

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