Der Burscheider Karsten Ohliger unterrichtet an der Uni Changchun in China ein Jahr lang Deutsch.

Mit 17 Jahren hat Karsten Ohliger (29) in der Schule angefangen, Chinesisch zu lernen. Inzwischen spricht er die Sprache beinahe perfekt.
Mit 17 Jahren hat Karsten Ohliger (29) in der Schule angefangen, Chinesisch zu lernen. Inzwischen spricht er die Sprache beinahe perfekt.

Mit 17 Jahren hat Karsten Ohliger (29) in der Schule angefangen, Chinesisch zu lernen. Inzwischen spricht er die Sprache beinahe perfekt.

Doro Siewert

Mit 17 Jahren hat Karsten Ohliger (29) in der Schule angefangen, Chinesisch zu lernen. Inzwischen spricht er die Sprache beinahe perfekt.

Burscheid. Die Koffer sind gepackt, von Freunden und Verwandten hat er sich auch schon verabschiedet. Karsten Ohliger (29) verlässt Burscheid am Sonntag für ein Jahr. Sein Ziel: Changchun im Nordosten Chinas.

Der Burscheider wird an der Hochschule der 3,5-Millionen-Einwohner-Stadt Deutsch unterrichten. „Chinesen kommen gern nach Deutschland, um hier zu studieren“, weiß Ohliger aus Erfahrung. Es ist nämlich nicht seine erste Reise ins ferne Asien. Der 29-Jährige war bereits jeweils ein Jahr in Tokio und in Taiwan sowie mehrere Monate in Peking. „Mich fasziniert es, dass es in Japan oder China eine andere Kultur gibt, das gesellschaftliche Leben gänzlich anders ist als hier in Europa – und dass die Länder trotzdem so erfolgreich sind“, sagt Ohliger vor seiner Abreise. Es sei ein Gegenmodell zu dem, was man kenne.

Bereits während der Schulzeit lernt Ohliger Chinesisch

Sein Interesse für China besteht schon seit der Schulzeit. Mit 17 Jahren lernt er Chinesisch in einer AG am Landrat-Lucas-Gymnasium, gewinnt sogar den Bundeswettbewerb für Fremdsprachen und darf für drei Monate zu einem Intensiv-Sprachkurs nach Peking. „Anfangs hat mich das Exotische gereizt. Schon allein die Schriftzeichen haben mich fasziniert.“ Für Ohliger war es nur logisch, auch Sinologie („Chinawissenschaften“) zu studieren, als er 2002 an die Universität Köln geht. Vor zwei Jahren hat er seinen Abschluss gemacht, war danach mehrere Monate an der Uni in Ankara (Türkei) und hat bei der Burscheider Schülerhilfe unterrichtet.

Die Freude am Unterrichten und sein Fernweh sind die passenden Komponenten für das kommenden Jahr in China. Ohliger hat beim Goethe-Institut einen einjährigen Lehrgang „Deutsch als Fremdsprache“ absolviert und über Jobbörsen das Angebot an der Universität in Changchun gefunden. „Ich musste nachweisen, dass ich Deutsch beherrsche und Erfahrung im Unterrichten habe.“ Die Hochschule wollte Ohliger am liebsten sofort engagieren, der musste sich aber erst einmal um Reisepass, Visum und Gesundheitszeugnis kümmern. Nun kann es losgehen. Die Uni stellt ihm eine Wohnung auf dem Campus, eine Krankenversicherung und das Essen in der Mensa – sogar eine Reise nach Deutschland übernimmt die Uni. „Das Gehalt ist ansonsten aber nicht so hoch, viel sparen kann man nicht.“ Aber Ohliger will auch den Job auch nicht für immer machen, und auch nicht für immer in Asien bleiben. „Vielleicht verlängere ich den Vertrag, aber nach zwei oder drei Jahren würde ich schon gern wieder zurück nach Hause.“

„Kontakt kann man über das Internet super halten“

An seiner Heimat wird er besonders seine Freunde und Familie vermissen. „In Burscheid kennt jeder jeden, das ist etwas ganz anderes als eine Millionenstadt.“ Zum Glück sei es aber leichter geworden über das Internet Kontakt zu halten.

„Auch wenn China einige Angebote im Netz wie Facebook sperrt.“ Vorbehalte gegenüber der chinesischen Politik hat Ohliger nicht. „Ich hoffe, dass sich in China ein langsamer Demokratisierungsprozess fortsetzt, in Europa ging das ja auch nicht in ein paar Wochen.“ Für Ohliger sei wichtig, dass es in der Lehre nicht beschränkt werde. „Ich muss mich nur verpflichten, nicht politisch oder missionarisch aktiv zu werden und das geltende Recht zu wahren.“

Der Burscheider freut sich auf spannende Monate. „In Changchun ist der Kaiserpalast von Pu Yi – dem letzten Kaiser von China“, erzählt Geschichtsfan Ohliger begeistert. Ihn reize vor allem, dass in Changchun nicht so viele Europäer, Amerikaner und Co, sondern vor allem Einheimische seien. „Da kommt man dann sicher noch mehr in Kontakt mit Chinesen als in den Metropolen wie Shanghai oder Hong Kong.“ Berührungsängste hat der Weltenbummler aber sowieso nicht – auch nicht, was das asiatische Essen angeht. „Es gibt nur eine bestimmte sehr streng riechende Tofusorte und gegorene Bohnen – Spezialitäten in Asien, die ich aber echt nicht runterkriege.“

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