Mit einem umstrittenen Plakat werben zwei Strafverteidiger für ihre Kanzlei – ausgerechnet vor der Ulmer Höh’.

Anwalt Nicolai Mameghani (li.) und Kollege Torsten Timm werben vor der Ulmer Höh’.
Anwalt Nicolai Mameghani (li.) und Kollege Torsten Timm werben vor der Ulmer Höh’.

Anwalt Nicolai Mameghani (li.) und Kollege Torsten Timm werben vor der Ulmer Höh’.

Bernd Schaller

Anwalt Nicolai Mameghani (li.) und Kollege Torsten Timm werben vor der Ulmer Höh’.

Düsseldorf. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Bei der neuesten Werbebotschaft der Anwälte Torsten Timm und Nicolai Mameghani ist das allerdings ohne große Verrenkungen möglich. Die beiden Rechtsgelehrten gehen nämlich mit einem Plakat auf Kundenfang, das manch’ Zeitgenosse als geschmacklos bezeichnen dürfte.

"Wenn Sie Ihren Urlaub lieber woanders verbringen wollen, buchen Sie uns", ist darauf zu lesen. Das Ganze unter dem Motiv eines wenig einladenden Gefängnistraktes, versehen mit der Adresse der Kanzlei.
 
Was zunächst sicherlich kein Grund zur Aufregung wäre - stünde das Plakat nicht ausgerechnet vor der Ulmer Höh’, Düsseldorfs prominenter Strafvollzugsanstalt.

"Ich finde das Plakat außerordentlich bedauerlich", sagt Anwalt Herbert Schons, Vize-Präsident der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf. "Höchst unschön." Ob die Kammer allerdings gegen die "höchst unschöne" Werbung vorgehen kann, ist fraglich. "Es ist keine Werbung um ein konkretes Mandat - also ist die Werbung als solche erlaubt", sagt Schons.

Auch Dirk Kruse, Richter am Amtsgericht und Vorsitzender des Vereins für Bewährungshilfe, hat Bedenken mit der Anwaltswerbung: "Ich finde sie nicht besonders gelungen, weil eine direkte Verbindung zu den Häftlingen hergestellt wird. Bei allem Witz, wird damit die Grenze des guten Geschmacks überschritten."

Die Anwälte selbst halten das Plakat für "eine ernstgemeinte Warnung"

Rechtsanwalt Torsten Timm hat wenig Verständnis für die Kritik. "Es ist eine ernstgemeinte Warnung an alle, die in Gefahr laufen könnten, in Haft zu kommen." Außerdem habe man sich die Werbung schriftlich von der Anwaltskammer genehmigen lassen.
 
Der Standort vor dem Gefängnis passe gut, weil die "nett gemachte" Werbung ja auch "abschrecken solle". Rechtsanwalt Torsten Timm legt freilich Wert darauf, dass seine Kanzlei mit dem Werbetafel keinesfalls die Häftlinge lächerlich machen wolle.

Die säßen ja schließlich im Gefängnis und könnten das Plakat sowieso nicht sehen. "Unsere Botschaft heißt ganz einfach: Wer sich rechtzeitig um den richtigen Anwalt kümmert, kommt gar nicht erst ins Gefängnis", sagt Timm. Damit sich das auch herumspricht, wollen die werbenden Anwälte weitere Plakate in der Stadt aufhängen. Mit anderen Motiven - wie die aussehen, müssen sich Timm und Mameghani aber erst noch überlegen.

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