Von Volker Eckert und René Schleucher
Altbauten prägen das Gesicht der Stadt, doch immer mehr werden abgerissen.
Ohne Debatte verschwunden: Das Gebäude Karlstraße 86 war eines von drei Häusern aus der Gründerzeit, die an dieser Ecke übrig waren.
Düsseldorf. Wer entscheidet, wo welches Haus abgerissen werden darf? Um diese Frage gab es schon oft Streit. Beispiel Kiefernstraße: Heute feiern die Bewohner den 30. Jahrestag der Hausbesetzungen (Seite 18). Damals wurde eine ganze Straße vor dem Abriss bewahrt. Auch heute noch wird um manches alte Haus heftig gerungen. In der Bezirksvertretung 1 (Stadtmitte) etwa eskalierte am Freitag der Kampf um das Haus Inselstraße 33.
Wie berichtet, hatten SPD, Grüne, Linke und ein Parteiloser im Stadtteilparlament CDU und FDP überstimmt und den Abriss des stark sanierungsbedürftigen Baus verhindert. Daraufhin schaltete sich OB Dirk Elbers ein: Der Beschluss sei rechtswidrig, weil er dem Besitzer unzumutbare Belastungen auferlege. Am Freitag musste also neu abgestimmt werden und kurzfristig fuhr die Stadtspitze schweres Geschütz auf: Morgens erhielten die Bezirksvertreter ein Schreiben vom Rechtsamt. Inhalt: Lehne das Gremium den Abriss wieder ab, werde ihm die Zuständigkeit entzogen. Abgestimmt wurde aber nicht, die Opposition verschob den Punkt auf die Oktober-Sitzung. Die Beanstandung sei fehlerhaft, nicht alle juristischen Feinheiten seien geklärt. Ende offen.
Hintergrund: Zwar schützt eine Erhaltungssatzung den Bau vor Abriss. Doch der Investor beteuert, das Haus sei marode, eine Sanierung unverhältnismäßig teuer. Er habe einen Anspruch auf Abbruch. Die Verwaltung sowie CDU und FDP folgen der Argumentation, auch wenn es nicht alle gerne tun. Die Opposition hingegen will, dass der Zustand des Hauses genauer geprüft wird.
Dass so erbittert um das Haus gekämpft wird, hat auch damit zu tun, dass es nicht mehr allzu viele Altbauten gibt. Beispiel Karlstraße: Drei alte Häuser gab es noch gegenüber der Paketpost. Eines ist jetzt weg: Eine Hotelkette hat es abreißen lassen, sie will dort und nebenan eine Billig-Herberge errichten. Eine Debatte über einen möglichen Erhalt gab es im Planungsausschuss aber nicht – in der Vorlage hatte die Verwaltung nicht erwähnt, dass es sich um einen Vorkriegsbau handelte.
Jägerhofstraße 30: Auch dort muss der Altbau weichen
Das gilt auch für die Jägerhofstraße 30. Deren Abriss wurde am Freitag von den Stadtteilpolitikern abgenickt. Die Grünen brachten zumindest zur Sprache, dass es sich um einen Altbau handelt. Aber das Haus steht nicht unter Denkmalschutz – dann ist nicht viel zu machen. Ein ähnliches Beispiel kennt Alexander Fils (CDU), Chef des Planungsausschusses: Demnach soll ein Haus aus der homogenen Siedlung an der Beckbuschstraße abgerissen werden. Der Eigentümer will ein Größeres bauen. „Ich habe die Denkmalschützer darauf hingewiesen, aber keine Unterstützung bekommen“, sagt Fils.
Der Anteil der vor 1918 errichteten Häuser liegt bei gerade mal 11,6 Prozent.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hälfte aller Gebäude zerstört. Dann kamen die Verkehrsplaner: Teils wurden Straßen quer durch die Viertel geschlagen (Berliner Allee), teils wurden Straßen abgerissen, um sie breiter wieder aufzubauen.
Eine unbefriedigende Situation. Fils meint deshalb: „Der beste Schutz für alte Häuser ist wohl, dass über jeden Fall öffentlich diskutiert wird. Manchmal kann man Investoren umstimmen.“ Online-Umfrage: Sind Sie für den Erhalt alter Häuser?




