Von Juliane Kinast
Michael Fröhlich ist Sammler von Oldtimern. Sein Alltagsauto ist ein verkokelter Rolls Royce, seine Freundin fährt Jaguar mit Pelz.
Michael Fröhlich auf seinem verbrannten Rolls – Freundin Lilia Sabantina hat einen Jaguar-Jaguar.
Düsseldorf. Am Donnerstag hat Michael Fröhlich eine Flasche Schampus gewonnen. "Ich habe einem Franzosen aus Paris einen Citroen verkauft - das muss man sich mal vorstellen", witzelt der 59-Jährige.
Allerdings keinen "normalen" Citroen. Ein DS21 Cabrio von 1966. Der Pariser kam extra mit dem TGV nach Düsseldorf, um dann die 700 Kilometer mit seinem neuen Oldtimer für 85000 Euro zurückzufahren. Das Auto hat’s ohne Mucken gepackt - und Fröhlich die Wette um eine Flasche französischen Champagner gewonnen.
Michael Fröhlich ist verrückt nach Autos, seit er als Student selbst an seiner ersten Ente herumgeschraubt hat. Und zu seinem Glück gibt es auf der Welt eine Menge Männer, denen es genauso geht. Das beweist der Innenhof von Fröhlichs "Fantastische Fahrzeuge" in der Luisenstraße.
Da steht ein Rolls Royce, den der verstorbene marokkanische König für die Fuchsjagd umgebaut hat - ohne Türen, aber mit einem Bügel, auf dem die Falken sitzen können. Wenige Meter weiter steht der Bentley, der einst Franjo Pooth gehörte, neben einem Ford der New Yorker Polizei. Mit abgeknipstem Blaulicht, versteht sich.
Für Michael Fröhlich selbst sind diese Autos noch zu normal. Sein wertvollstes Stück - einen Maybach für satte 350000Euro - findet er gar hässlich. Dafür liebt er seinen eigenen Rolls Royce. Der ist in der Tat ein Einzelstück. Er ist nämlich verbrannt.
Am 7. Februar 2006 standen die gesammelten Männerträume in Fröhlichs Innenhof lichterloh in Flammen. Ein Kurzschluss in einem kleinen Frostwächter. Als Fröhlich das Unglück sah, fiel sein Blick nur auf den Rolls, welcher der Ausfahrt am nächsten war.
"Ich dachte: Den einen kann ich retten." Er sprang in den Wagen und bretterte auf die Straße. Dort war die Feuerwehr bereits eingetroffen, die Einsatzkräfte hielten geistesgegenwärtig die Schläuche auf das Auto.
Der Sammler von Berufs wegen sieht einen "Trend zu Individualismus"
Michael Fröhlich hat den Rolls bis heute nicht verändert. Die Holzverkleidung im Inneren ist angekokelt, der Lack aufgeplatzt. Die Kühlerfigur, die geflügelte Emily, wurde von der Hitze verbogen und wird von einer Eisenkette gehalten. "Ich finde das geil", sagt Fröhlich.
"Geil" ist vermutlich auch das allererste Wort, das vielen Düsseldorfern durch den Kopf schießt, wenn Fröhlichs Freundin Lilia Sabantina in ihrem Jaguar um die Ecke braust. Denn der heißt nicht nur Jaguar, er hat auch ein Fell.
"Mit einer Million Pünktchen aus einer Silikonpistole haben wir ihm die Maserung verpasst", erklärt Fröhlich. "Die Leute haben Spaß, wenn ich vorbeifahre", sagt die 33-jährige Hüterin des Jaguar. Und eine praktische Seite hat der Silikonpelz auch: "Das Auto wird einfach vom Regen gewaschen", sagt Lilia Sabantina.
Michael Fröhlich weiß wohl: "Ganz so schräg wie wir mag es nicht jeder." Aber: "Es gibt einen starken Trend zum Individualismus." Auch beim Auto - repräsentiert er doch bösen, meist weiblichen, Zungen zufolge den Charakter eines Kerls.
"Die neuen Autos sehen doch alle gleich aus", findet Fröhlich. Und welcher Kerl will schon wie jeder andere sein? Zumal wenn er sich Individualismus leisten kann. Fröhlich ist aber auch bewusst, dass seine Leidenschaft ein Auslaufmodell ist: "In 100 Jahren wird es Autos mit Verbrennungsmotor ja wahrscheinlich gar nicht mehr geben."




