Broschüre über das Zusammenwirken der Behörden veröffentlicht.

Die Autoren Bastian Fleermann (li.) ,Hildegard Jakobs und Frank Sparing präsentieren die neue Broschüre.
Die Autoren Bastian Fleermann (li.) ,Hildegard Jakobs und Frank Sparing präsentieren die neue Broschüre.

Die Autoren Bastian Fleermann (li.) ,Hildegard Jakobs und Frank Sparing präsentieren die neue Broschüre.

Bernd Schaller

Die Autoren Bastian Fleermann (li.) ,Hildegard Jakobs und Frank Sparing präsentieren die neue Broschüre.

Düsseldorf. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) in Düsseldorf war nach Berlin die zweitgrößte Staatspolizeistelle des Deutschen Reichs. Um die Beteiligung der hiesigen Bezirksregierung an den Verbrechen des Apparats aufzuzeigen, hat die Behörde jetzt gemeinsam mit dem Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte der Stadt eine 60 Seiten starke Broschüre zu dem Thema herausgebracht. Unter dem Titel „Die Gestapo Düsseldorf 1933 bis 1945 – Geschichte einer nationalsozialistischen Sonderbehörde im Westen Deutschlands“ haben Bastian Fleermann, Hildegard Jakobs und Frank Sparing von der Mahn- und Gedenkstätte den ersten Teil einer neuen Schriftenreihe erarbeitet.

Der Mythos von Allmacht und Allwissenheit der Gestapo ist falsch

„Die Bezirksregierung war nicht nur für die Unterbringung der Gestapo verantwortlich, sondern Teil der Behörde“, sagte Regierungspräsidentin Anne Lütkes während der Schriften-Vorstellung. Die industrialisierte Judenverfolgung der Gestapo sei von einer preußisch korrekten Verwaltung getragen gewesen.

Der Mythos von Allmacht und Allwissenheit der Gestapo, der von Film und Fernsehen oft gestrickt werde, bilde jedoch ein falsches Bild ab, erklärte Fleermann. Denn die Gestapo, die im Frühjahr 1934 in das Gebäude der Bezirksregierung an der Cecilienstraße zog und sich dort nach und nach ausbreitete, habe nichts Nebulöses an sich. Stattdessen spricht Fleermann von Pannen und personeller Unterbesetzung. Anfangs bearbeiteten nur 291 Mitarbeiter einen Regierungsbezirk, in dem mehr als vier Millionen Menschen lebten. Eines war die Gestapo dabei sicher nicht: geheim. Denn direkt nach ihrer Einrichtung Ende April 1933 konnte sie im Telefonbuch nachgeschlagen und in der Tageszeitung über sie gelesen werden.

Verleumdung, Überwachung und Folter waren Gestapo-Instrumente

Die Instrumente der Gestapo waren ziemlich eindimensional: Neben der Verleumdung aus der Bevölkerung, die etwa 25 Prozent der Anzeigen ausmachte, arbeitete die Behörde, die sich aus der politischen Polizei der Weimarer Republik bildete, vor allem mit V-Leuten (Verbindungspersonen), Telefon- und Postüberwachung sowie bei Verhören mit Folter. Die Broschüre bietet einen Überblick über das Wirken der Gestapo in Düsseldorf für jedermann – ohne eine ausgeprägte Vorbildung vorauszusetzen. Neben der Täter-Perspektive, der sich Fleermann und Sparing in ihren Arbeiten zum Mythos und den Strukturen der Behörde widmen, beschäftigt Jakobs sich in ihrem Teil vor allem mit den Opfern der Behörde.

Die Broschüre ist im Droste-Verlag erschienen und für fünf Euro in den Düsseldorfer Buchhandlungen zu kaufen.

Die Mahn- und Gedenkstätte plant in der neuen Reihe als nächstes eine Schrift zum 80. Jahrestag der Machtergreifung.

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